29.07.2013

Jetzt schlägt's 13!


Seit Jahren trage ich keine Armbanduhr mehr. Zur Not hole ich mein Smartphone heraus, wenn ich wissen will wie spät es ist. Das hat sich nun geändert. Inzwischen weiß ich ganz gut, was das Stündlein geschlagen hat. Seit ich umgezogen bin, wohne ich nur unweit der Kirche in einem kleinen Stadtteil. Da ich mich hier sehr viel bewege und auch arbeite, ist die Kirchturmglocke immer bei mir.

Allerdings hatte ich ihr bisher kaum Beachtung geschenkt. Wenn sie läutete, dann läutete sie. Punkt. Vor kurzem erzählte mir dann meine Freundin, dass man anhand des Schlagens der Glocke ablesen könne, wie spät es ist. „Ach, wirklich? Da gibt es einen Unterschied?“, fragte ich ungläubig. Ja, den gibt es: 1-mal Schlagen bedeutet „Viertel nach“, bei 2 Schlägen ist es „halb“ und bei 3 Schlägen ist es „Viertel vor“. Bei der vollen Stunde schlägt die Glocke vier mal, wechselt dann den Ton und schlägt für jede Stunde ein Mal. Um neun Uhr höre ich also 13 Schläge.

Seitdem ich das weiß, höre ich hin. Die Kirchturmglocken sind extrem pünktlich und zuverlässig. Das muss ich ihnen lassen. Inzwischen ist es kein aktives, verkrampftes Zuhören mehr wie zu Beginn. Wenn mich jemand fragt, wie spät es ist, kann ich ziemlich gut antworten. Besonders wenn wir uns am Abend draußen aufhalten und keine digitale Anzeige in Sichtweise haben, weiß ich, wann es Zeit ist für meine Tochter ins Bett zu gehen. Zu ihrem Leidwesen ...

Ich selbst stand bisher auch eher in einem zwiespältigen Verhältnis zum Glockenläuten. Denn ich bin in der Landwirtschaft groß geworden und war sehr oft mit auf dem Feld oder in den Weinbergen. Für ein Kind ist das extrem langweilig. Und die Zeit will einfach nicht vergehen. Um 17 Uhr erlöste mich die ersehnte Feierabend-Glocke. Daran glaubte ich zumindest. Das 17-Uhr-Läuten war die Richtzeit. Wenn es die Umstände aber erforderten, arbeiteten wir darüber hinaus. Das sah dann so aus: Es läutet 17 Uhr. Dunja freut sich riesig. Nun geht es endlich auf den Nachhauseweg! Papa sagt: „Wir machen das Stück noch fertig, was wir angefangen haben.“ Oh, nein! Bei Dunja macht sich Verzweiflung breit!

Ich glaube, seitdem ignorierte ich beharrlich alle Kirchturmglocken, die mir etwas sagen wollten. Doch jetzt hat sich das verändert: Ich höre sie wieder! Und finde es entspannend, dass ich sie nur zu hören brauche, wenn ich sie hören will. Ansonsten blende ich sie aus. Funktioniert wunderbar und erlaubt damit auch Mußestunden und Ruhepausen. Und ich spare mir die neue Batterie für meine Armbanduhr ...


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Ganz einfach Dunja

Hier bloggt simplify-Redakteurin Dunja Herrmann über ihren Alltag, der oft alles andere als einfach ist. Und sie fragt sich und Ihre Leser stets: Geht’s einfacher? Mal findet sie eine Antwort, ein anderes Mal nicht. Der Blog „Ganz einfach Dunja“ kommt mit einem Augenzwinkern daher, nimmt die Leser mit auf Dunjas Weg zur Einfachheit. Übrigens: Hin und wieder genießt die Autorin die Komplexität: „Sie fordert mich einfach“...

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