21.12.2011

Joachim blockiert den Weg


Vergangenes Wochenende war ich mal wieder in Basel, um meine Tipi-Ausbildung abzuschließen. Die Zugverbindung dorthin ist sehr gut. Deshalb fuhr ich mit der Bahn. Dieser Satz mag für viele so aussagekräftig sein, dass ich gar nicht mehr weiterzuschreiben bräuchte ... Aber ich bin ein seltener Fahrgast, darum berichte ich hier.

Als der ICE in den Bahnhof von Freiburg im Breisgau einfuhr, überraschte uns der Zugführer mit folgender Durchsage: „Dieser Zug endet heute hier. Wir bitten alle Fahrgäste auszusteigen. Für Ihre Weiterfahrt achten Sie bitte auf die Durchsage am Bahnsteig.“ Irritiert schauten wir Fahrgäste uns an. Wir hatten eigentlichen weiterfahren wollen und müssen. Und nun das! Ohne Vorwarnung!

Auf dem Flur kam es noch kurz zur Kommunikation mit anderen, à la: „Das ist mal wieder typisch! Ständig die Preise erhöhen und dann werfen sie uns hier einfach aus dem Zug raus!“ Na ja, die Kommunikation war recht einseitig. Ich sagte nichts, denn ich war zu diesem Zeitpunkt noch gelassen. Dann kam erneut eine Durchsage: „Sehr geehrte Fahrgäste, wegen einem Oberleitungsschaden auf der Strecke nach Basel endet dieser Zug hier. Bitte achten Sie auf die Durchsage am Bahnsteig!“ Die Türen gingen auf, danach war erst einmal jeder auf sich alleine gestellt.

Ich stieg aus und wartete auf die versprochene Durchsage. Es kam keine. Ich verfluchte kurz meinen Rollenkoffer, der so viel Lärm machte, dass ich mich sorgte, die Durchsage nicht zu hören. Völlig umsonst. Es gab keine. So lief ich dann planlos dem Erstbesten hinterher, den ich im Zug schon gesehen hatte. Nach einer Weile landete ich am Service-Point des Bahnhofs, wo sich natürlich schon lange Schlangen gebildet hatten.

Nun, so völlig ohne Information, bekam das Ganze eine Eigendynamik. Die ersten Taxi-Fahrgemeinschaften taten sich zusammen. Doch niemand wusste: Bekommen wir das Geld jemals erstattet? Ich folgte meiner Fahrgemeinschaft zum Taxistand. Dann war das Automobil doch teurer als vorher angekündigt und konnte gar nicht alle von uns mitnehmen. Ratlos standen wir einzeln verteilt irgendwo am Taxistand herum. Dann erhaschte jemand den Blick auf einen Bus, der gegenüber stand. „Schienenersatzverkehr“ stand oben auf dem Display. Zwei von uns liefen hin und fragten nach. 

Der Fahrer nannte sein Ziel, das definitiv nicht Basel war. Für Ortsfremde war das eine wenig aussagekräftige Ansage. Wusste man doch nicht, wie man von dort nach Basel kommen sollte!? „Na ja, ein Stückchen Richtung Basel fahren bringt uns schließlich auch näher ans Ziel“, dachten einige und stiegen ein. Einer sagte zum Busfahrer: „Wenn Sie der Schienenersatzverkehr sind, dann sollte drinnen dazu mal eine Durchsage kommen! Dort stehen nämlich die Fahrgäste und wissen von nichts! Ich gebe Bescheid, dass sie das durchsagen!“

Wenige Minuten später stürmten die Menschen auf den Bus zu. Für mich war das das Zeichen, jetzt selbst einzusteigen. Im Bus dann eine informative Durchsage (endlich war der Busfahrer auch informiert worden): Wir umfahren den Oberleitungsschaden und werden zum nächsten Bahnhof gebracht. Dort angekommen, gab es fast unmittelbar eine Info, dass gleich eine Bahn aus Basel eintrifft, die dann wieder zurückfährt. Ich fühlte mich hier richtig willkommen! Was allerdings niemand sagte: Diese Regional-Bahn sollte erst einmal 45 Minuten am Bahnhof stehen, bevor sie dann „planmäßig“ einen Bahnhof nach dem anderen abklappern würde. Ich behaupte, dass 90 % der Fahrgäste damit gerechnet hatten, sofort und direkt nach Basel zu kommen. Weit gefehlt!

Mit eineinhalb Stunden Verspätung kam ich an meinem Ziel an. Hätte ich das vorher gewusst, hätte ich in Freiburg ein paar Euro in ein Taxi investiert und wäre rechtzeitig zu meiner Ausbildung gekommen. Denn da war ich noch absolut gut in der Zeit. 

Liebe Verantwortliche: Sturmtief Joachim leget an diesem Morgen alles lahm. Dass so etwas passiert, ist nicht schlimm. Beim nächsten Mal sagt mir aber bitte, was ich tun kann, um schnellstmöglich an mein Ziel zu kommen! Holt mich als Kundin ganz einfach dort ab, wo ich völlig irritiert rausgeschmissen werde oder wartend herumsitze! Damit ich frei bin, das zu tun, was für mich persönlich wichtig oder notwendig ist.


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Hier bloggt simplify-Redakteurin Dunja Herrmann über ihren Alltag, der oft alles andere als einfach ist. Und sie fragt sich und Ihre Leser stets: Geht’s einfacher? Mal findet sie eine Antwort, ein anderes Mal nicht. Der Blog „Ganz einfach Dunja“ kommt mit einem Augenzwinkern daher, nimmt die Leser mit auf Dunjas Weg zur Einfachheit. Übrigens: Hin und wieder genießt die Autorin die Komplexität: „Sie fordert mich einfach“...

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