19.09.2013

Kindheitserinnerungen


Seit es draußen wieder kühler und unwirtlicher ist, zieht es uns früher ins Haus als über die Sommermonate. So ist auch das Sandmännchen wieder dabei, zum festen Programmpunkt des Abends zu werden. Während meine Tochter um kurz vor 19 Uhr davor saß, ging ich in ihr Zimmer und legte mich aufs Bett. Auf dem Nachttisch steht ein Kaleidoskop, das sie zur Einschulung bekommen hat. Ich nahm es gespannt in die Hand und blickte hindurch. Wie schön! Die Muster, die sich beim Drehen ergeben, sind einfach hinreißend – selbst bei der Kinderausgabe mit Plastikherzchen in der Kammer! Ich erinnere mich, dass ich selbst als Kind ein Kaleidoskop besessen habe und vollkommen fasziniert davon war. Leider war es mir irgendwie abhanden gekommen, was ich die restliche Kindheit bedauert habe. In diesem Moment war ich also wieder Kind und habe es genossen.

Das Kaleidoskop war übrigens einmal simplify-Produkt des Monats! Werner Tiki Küstenmacher schrieb in der November-Ausgabe von 2002 folgendes dazu:

Endlich einmal ist unser Produkt des Monats nicht etwas Nützliches, sondern etwas einfach nur Schönes. Kaleidoskope sind ein typisches Kinderspielzeug – dachte ich, bis ich Günther Schöll traf. Der deutsche „Mister Kaleidoskop" hat eine Sammlung herrlicher Meisterwerke zusammengetragen. Der Blick durch das kleine Loch entführt in eine andere Welt voller Schönheit und Zauber. Es gibt Kaleidoskope, die können süchtig machen und auch sehnsüchtig: Ach, wenn das herrliche Muster von eben doch für immer bleiben könnte – doch dann drehen Sie ein Stückchen weiter, und ein neues, noch schöneres Bild entsteht vor Ihnen.

Keine 200 Jahre alt
Das Kaleidoskop wirkt urtümlich, wurde aber erst zu Zeiten Goethes und Beethovens erfunden. Sir David Brewster baute 1816 in Schottland das erste. Der „Schöngucker" verbreitete sich in Windeseile in ganz Europa, verlor aber im Zeitalter der aufkommenden Technisierung an Bedeutung. Erst seit etwa 20 Jahren erlebt es eine Renaissance – faszinierend wie nie zuvor, ausgestattet mit hochwertigen Metallspiegeln und neuartigen Details.

Einfache Technik
Die Grundidee ist einfach: Ein buntes Muster am Ende einer aus 2 oder 3 Spiegeln gebildeten Röhre wird vervielfacht. Durch Spiegelung und Gegenspiegelung entstehen geometrische Formen von unbegrenzter Vielfalt. Bei 3 Spiegeln vervielfacht sich alles ins Unendliche. Werden 2 Spiegel verwendet, entsteht ein dem Mandala ähnliches rundes Bild – die Königsklasse der Kaleidoskope. Die Qualität des wahrgenommenen Bildes hängt entscheidend von der Qualität der Spiegel ab. Einfache Geräte mit Glasspiegeln verursachen unscharfe Doppelbilder; noble Kaleidoskope verwenden hochglanzpolierte Oberflächenspiegel wie in einer Spiegelreflexkamera.

Buntes Glas
Am Ende der Spiegelröhre sind in einem durchsichtigen Kästchen (der objekt box) Glasscherben, Perlen und andere Kleinigkeiten untergebracht, von denen immer ein paar vor dem Sichtfenster der Spiegelröhre liegen, um dort vom Betrachter vervielfacht betrachtet zu werden. Der Inhalt der objekt box ist das 2. Geheimnis meisterlicher Kaleidoskope. Bei den edleren Modellen klappern nicht bunte Scherben in der Box herum, sondern eigens angefertigte Glaselemente schwimmen in optisch hochreinem Öl sanft am Spiegelauge vorbei – aus den hart wechselnden Mustern wird ein Film: Wie Blüten öffnen und schließen sich runde Ornamente, erstrahlen von innen oder erwecken beim Betrachter das Gefühl, durch ein buntes Weltall zu gleiten.

Neuer Blick auf die Welt
Eine reizvolle Sonderform verwendet statt der objekt box eine Linse. Ein kleiner Ausschnitt der Wirklichkeit wird durch die Spiegelungen verfremdet und verwandelt. Die Qualität der so genannten Teleidoskope hängt ab von der Reinheit der Spiegel und der Schärfe der Linse. Je detailreicher das Ausgangsbild, umso bezaubernder der Effekt.

„Menschen lieben das Komplexe und hassen die Komplikation." So erklärt Günther Schöll die Faszination des Kaleidoskops. Schöll hatte früher einen eigenen Laden in München. Mittlerweile verkauft er per Post, Internet (www.kaleidoproductions.de) und im Dezember „live" auf dem Münchner Tollwood-Weihnachtsmarkt.


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Hier bloggt simplify-Redakteurin Dunja Herrmann über ihren Alltag, der oft alles andere als einfach ist. Und sie fragt sich und Ihre Leser stets: Geht’s einfacher? Mal findet sie eine Antwort, ein anderes Mal nicht. Der Blog „Ganz einfach Dunja“ kommt mit einem Augenzwinkern daher, nimmt die Leser mit auf Dunjas Weg zur Einfachheit. Übrigens: Hin und wieder genießt die Autorin die Komplexität: „Sie fordert mich einfach“...

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