25.10.2012

Knigge-Regeln: Kein Popcorn, keine Paare


Am Wochenende kam die Deutsche Knigge-Gesellschaft zur Jahreshauptversammlung zusammen. Dabei gab es offensichtlich auch einige Beschlüsse, die unser Benehmen betreffen. Endlich dürfen wir im Restaurant unserem Tischnachbarn etwas vom Teller klauen! Da ich das ohnehin schon getan habe, wird meine Handlung damit legitimiert. Das ist sehr beruhigend.

Verzichten sollen wir jedoch in Zukunft auf Popcorn im Kino. Von den Besuchern wird erwartet, dass sie ähnlich still sind wie im Theater. Auch damit habe ich keine Probleme: Erstens gehe ich viel zu selten ins Kino und zweitens habe ich noch nie verstanden, warum ich ausgerechnet dann und dort Popcorn essen muss ...

Eine weitere Regel ist eine alte Regel, die offensichtlich viel zu selten beherzigt wird: Paare sollten auf Partys und Festen möglichst nicht beieinander sitzen. Das fördert die Kommunikation, das soziale Miteinander und mitunter auch den Einzelnen selbst, weil er oder sie sich „ohne Anhang“ viel ausgelassener und natürlicher geben kann.

Nun denn, ich finde den Vorschlag prima! Allerdings hatte ich einmal vor zig Jahren ein Erlebnis, das mich sehr geprägt hat: Auf einer großen Familienfeier hatte der Gastgeber die Idee, seine Gäste an der Tafel bunt durcheinanderzumischen. Ich fand’s total spannend, so wie die meisten anderen auch. Der Gastgeber teilte einzelne Puzzlestückchen aus. Irgendwie ergab das die neue Sitzordnung, je nachdem, welches Teil man bekommen hatte. Meine bis dahin Sitznachbarn verzogen das Gesicht. Offensichtlich hatten sie keine Lust, entzweit zu werden. Als jeder sein Puzzleteilchen hatte und die Suche nach den neuen Sitznachbarn losging, meldeten sich die beiden (oder besser gesagt drei) neben mir: „Das geht nicht! Wir können nicht auseinander sitzen! Unsere Tochter will bei uns beiden sitzen! Wir bleiben zusammen!“

Und dann passierte etwas, das ich nicht erwartet und auch nicht gewünscht hatte: Sofort verwarf der Gastgeber frustriert seinen Puzzle-Vorschlag: „Gut, dann bleiben halt alle so sitzen, wie sie gekommen sind.“ Schon war die Pärchen-Trennung vom Tisch. Ich bedauerte das damals sehr, ich hätte mich gefreut, per Zufallsgenerator zwei neue Tischnachbarn zu bekommen. Denn meistens ist es doch so, dass man sich neben die Menschen setzt, die man schon (gut) kennt.

Es hätte sicher noch andere Möglichkeiten gegeben, um dem Wunsch der Familie nachzukommen. Doch mir schien, der Gastgeber und mein Sitznachbar hatten ohnehin noch eine Rechnung offen und waren in diesem Moment beide an einer empfindlichen Stelle getroffen.

Sollte ich jemals ein großes Fest feiern, werde ich mich an diese „Regel“ halten. Für Familien mit Kindern wird es Sonder-Lösungen geben. Versprochen!


zum nächsten Artikel
zum vorherigen Artikel

simplify your life

Holen Sie sich mit dem gedruckten Beratungsbrief "simplify your life" jetzt das echte simplify-Erlebnis. Hier die aktuelle Ausgabe und GRATIS-CD sichern.

Ganz einfach Dunja

Hier bloggt simplify-Redakteurin Dunja Herrmann über ihren Alltag, der oft alles andere als einfach ist. Und sie fragt sich und Ihre Leser stets: Geht’s einfacher? Mal findet sie eine Antwort, ein anderes Mal nicht. Der Blog „Ganz einfach Dunja“ kommt mit einem Augenzwinkern daher, nimmt die Leser mit auf Dunjas Weg zur Einfachheit. Übrigens: Hin und wieder genießt die Autorin die Komplexität: „Sie fordert mich einfach“...

Gratis E-Mail Newsletter

Gratis Download:

Best of simplify Gratis-Download

Jetzt für kostenlosen Newsletter eintragen und Sofort-Download sichern. 100% Gratis!