31.12.2011

Lasst uns die Geister vertreiben!


Vor einigen Jahren bin ich auf einer örtlichen Buchmesse diesem kleinen Büchlein begegnet: „Daumendrücken. Der ganz normale Aberglaube im Alltag“. Ich musste es sofort kaufen. Es steckt jede Menge Wissenswertes darin, unter anderem über die Neujahrsnacht und unsere Versuche, mit Böllern und Raketen böse Geister zu vertreiben ...

Denn die Nacht vor dem Neujahrsbeginn ist traditionell eine Geisternacht* (das traf zum Teil auch auf die vorangehenden Nächte alter Jahresbeginne zu!): In dieser können verstorbene Seelen und Geister umherwandern und ihr Unwesen treiben. Deshalb haben die Menschen viel unternommen, um diesen Gefahren zu begegnen: Sie räumten das Haus auf, verstauten alles Handwerkszeug gut und segneten ihr Heim mit Weihrauch und Weihwasser. Die mutigen Herren begaben sich nach draußen, um mit Peitschenknallen und Schüssen die bösen Geister zu vertreiben.

Aber in dieser Geisternacht verfügten auch die Menschen über besondere Gaben: Sie konnten orakeln oder gar zaubern. So haben sie dann mit Bleigießen oder anderen Techniken einen Blick in die Zukunft gewagt. Zauber nutzten sie, um ihr Haus vor Schäden zu bewahren oder eine reiche Ernte herbeizuführen oder gar Kranke zu heilen.

„Ganz alt ist die Vorstellung, dass wie Neujahr das ganze kommende Jahr werde. Wer an diesem Morgen früh aufstehe, tue es weiterhin – leider auch umgekehrt. Fällt man, so das ganze Jahr und so fort. Auch das Essen und Trinken wurde sorgfältig arrangiert, glaubte man doch auch in diesem Fall, dass danach das nächste Jahr gerate. Warum man unbedingt Erbsensuppe essen sollte, um daraufhin fieberfrei zu bleiben, ist rätselhaft. Besser erklärbar der Verzehr von Schweinefleisch, um anschließend 365 Tage ‚Sauglück’ zu haben. Ganz besondere Aufmerksamkeit gewann schließlich das Backen, vor allem des Brezels oder Kranzes. Wahre Orgien spielten sich ab. Und das mitten im Winter, wo die Vorräte noch lange halten mussten“, schreibt Karl-Heinz Göttert in seinem Büchlein über den Aberglauben.

Übrigens: Das Wort Aberglaube bedeutet im Prinzip das Gegenteil von Glaube. Das Etymologische Wörterbuch des Deutschen* definiert das „Aber“ in dieser Zusammenstellung treffend auch als das „unechte Gegenstück des im Grundwort genannten Begriffs“. So ist der Aberglaube also eher ein Irrglaube, eine trügerische Vorstellung.

Also, ich fasse noch mal zusammen: Ich esse an diesem Wochenende keine Erbsensuppe, und ich stehe am Sonntag besser noch vor 8 Uhr auf. Man kann nie wissen ...

 

* Inhalte und Auszüge aus: „Daumendrücken. Der ganz normale Aberglaube im Alltag“, Karl-Heinz Göttert, Reclam 2003, Stuttgart

** dtv 1999


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