18.11.2013

Leben und sterben


Eines unserer Hühner hat das Zeitliche gesegnet. Es hatte sich Tage zuvor schon zurückgezogen und von den anderen separiert. Es nahm keine Nahrung mehr zu sich, schlief nicht mehr auf der Stange. Sein Tod war absehbar. Als ich meine Tochter darüber informierte, dass ein Huhn vermutlich sterben wird, brach sie in Tränen aus. Das war die erste direkte Konfrontation mit dem Tod. Von vornherein war für sie klar: Diese Hühner sind zum Eierlegen da, doch in den Kochtopf kommen sie nicht! 

Als ich davon sprach, dass es eventuell leidet, weil es an seinem letzten Abend kaum Luft bekam, war das für sie absolut unverständlich: "Es lebt doch!" Am Morgen fand sie es dann auf der Seite liegend im Stall vor. Das ist der Lauf der Dinge.

„Warum müssen wir Menschen auch sterben?“ Mit dieser Frage haben wir uns in der letzten Zeit öfter auseinandergesetzt. Die Vorstellung, wie es wäre, wenn alle Generationen vor uns am Leben geblieben wären, ist noch viel zu abstrakt. Eine Freundin, die ebenfalls Hühner hält, verlor alle Tiere in einer Nacht durch einen Marder. Zwei Tage später gebar ihre Katze fünf Junge. „So lernen die Kinder etwas über das Leben und den Tod“, befand sie. „Auf der einen Seite endet Leben, auf der anderen beginnt neues.“

Durch solche Ereignisse lernen Kinder, was der Tod bedeutet und wie man damit umgeht, auch wenn sie vieles noch nicht erfassen können. Wenn ich einem kleinen Kind erzähle, dass seine Uroma friedlich im Alter von 94 Jahren eingeschlafen ist, meine ich etwas Gutes zu tun. Ihm die Angst zu nehmen. Doch von da an steht es womöglich jede Nacht am Bett der Eltern, um sich zu vergewissern, dass sie noch leben. Denn wenn das so einfach geht, im Schlafe sterben, dann kann es ja genauso gut bei ihnen passieren! Auch dass der Tod besser sein kann als ein langer Leidensweg, trifft die kleine Kinderseele mitunter hart, ganz zu schweigen von großen Katastrophen, die plötzlich und willkürlich ihre Opfer fordern. 

Für heute mache ich Schluss, morgen möchte ich euch von einem Mann erzählen, der sich sehr viele Gedanken über den Tod und das Sterben macht – nicht nur von Berufs wegen.


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Hier bloggt simplify-Redakteurin Dunja Herrmann über ihren Alltag, der oft alles andere als einfach ist. Und sie fragt sich und Ihre Leser stets: Geht’s einfacher? Mal findet sie eine Antwort, ein anderes Mal nicht. Der Blog „Ganz einfach Dunja“ kommt mit einem Augenzwinkern daher, nimmt die Leser mit auf Dunjas Weg zur Einfachheit. Übrigens: Hin und wieder genießt die Autorin die Komplexität: „Sie fordert mich einfach“...

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