06.12.2011

Leid vor jeder zweiten Ladentür


Im vergangenen Jahr rauschte ich kurz vor Weihnachten noch in die Stadt, um ein paar Besorgungen zu machen. Schon auf dem Weg vom Parkhaus zur Fußgängerzone begegnete ich einem Mann, der mich gezielt ansprach, ob ich denn einen Euro für ihn hätte. Er kam gerade aus einer Gaststätte heraus, ich vermute, dass er dort auch nach Geld gefragt hatte.

Er kam mir sehr authentisch vor, sprach den regionalen Dialekt, war zurückhaltend freundlich, also gab ich ihm etwas Kleingeld. Mit dem, was mich danach erwartete, hatte ich nicht gerechnet: Kaum bog ich in die eigentliche Fußgängerzone ein, reihten sich vor den Geschäften und Kaufhäusern die Bettelnden aneinander. Menschen, die ich in meiner Heimatstadt noch nie gesehen hatte – meistens kennt man ja die „Einheimischen“. Ältere Frauen mit Kindern, sichtlich frierend. Männer, denen Gliedmaßen fehlten. Jämmerlich dreinblickende Leute.

Ganz ehrlich: So macht Einkaufen keine Freude, ob ich nun Weihnachtsgeschenke besorge oder einfach nur ein paar Winterstiefel für mich. All diese Menschen wollen (oder sollen?) mir sagen: „Du gibst hier Geld im großen Stil aus, teile doch etwas davon mit uns! Jetzt ist Weihnachten, und wir sind so arm.“ Am unangenehmsten war für mich der Anblick einer Frau, die ihr verkümmertes, wundes, glühendrotes Bein auf einer Krücke nackt zur Schau stellte – es herrschten Temperaturen um Null Grad! Viele dieser Bettelnden warben mit dem, was sie hatten – oder eben nicht mehr hatten.

„Ist das noch ehrlich?“, fragte ich mich an diesem Tag. Ich zweifelte sehr daran. Sehr gut kenne ich mich mit den Strukturen von organisierten Bettlerbanden nicht aus. Aber ich vermute, dass hier sehr oft Hintermänner die eigentlichen Personen waren, denen Geld in die Hände fiel ...

Mal sehen, ob ich es in diesem Jahr schaffe, mir die überfüllte Fußgängerzone mit allem, was dazugehört, zu schenken! Tipps, wie wir Bettlern und Obdachlosen begegnen können, gibt es übrigens in der heutigen Ausgabe von simplify aktuell!


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Hier bloggt simplify-Redakteurin Dunja Herrmann über ihren Alltag, der oft alles andere als einfach ist. Und sie fragt sich und Ihre Leser stets: Geht’s einfacher? Mal findet sie eine Antwort, ein anderes Mal nicht. Der Blog „Ganz einfach Dunja“ kommt mit einem Augenzwinkern daher, nimmt die Leser mit auf Dunjas Weg zur Einfachheit. Übrigens: Hin und wieder genießt die Autorin die Komplexität: „Sie fordert mich einfach“...

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