06.03.2014

Lüftet doch mal euer Hirn durch!


Anfahren am Hang, Parken in der Einbahnstraße links – für mich alles kein Problem. Ich bin eine Frau. Glücklicherweise sind viele Menschen inzwischen gar nicht mehr überzeugt davon, dass Frauen schlechter einparken können als Männer. Da haben wir wohl unser Image aufbessern können! Auch wenn es immer noch einige gibt, die sagen: Das stimmt!

Eine aktuelle Umfrage von infratest dimap im Auftrag der Aktion „Umparken im Kopf“ hat bevölkerungsrepräsentativ erhoben, wie es um die Verkehrsklischees der Deutschen bestellt ist. Die hartnäckigsten Vorurteile im Straßenverkehr, zu denen auch das Einparken gehört, haben mich kaum überrascht. An einige glaube ich selbst ..., z. B. an die steigenden Benzinpreise vor den Ferien. Soll das ein Vorurteil sein? Ich erlebe dies regelmäßig!

Das sind die wichtigsten Ergebnisse der Umfrage:

  • 91 % der Deutschen sind der Meinung, kurz vor Ferienbeginn klettern die Preise in die Höhe

  • 68 % der Befragten glauben, Männer seien am Steuer aggressiver als Frauen

  • 64 % sind der Meinung, Männer würden ihre Autos hingebungsvoller pflegen

  • 39 % der befragten Männer glauben noch, dass Frauen schlechter einparken als Männer

  • 31 % der befragten Frauen glauben auch, dass ihre Geschlechtsgenossinnen prinzipiell schlechter einparken als die männliche Hälfte der Fahrzeuglenker

  • Fast jeder Deutsche hält sich für ein Ass am Steuer

  • Berliner und Bayern haben den schlechtesten Ruf auf den Straßen

  • 86 % der Deutschen halten sich für überdurchschnittliche Fahrzeuglenker

  • 3 % sehen sich selbst als eher schlechten Fahrer

Für den Psychologen Michael Thiel sind die Ergebnisse der Vorurteils-Umfrage wenig überraschend: „Wenn sich ein Vorurteil einmal im Kopf festgesetzt hat, macht unser Gehirn so genannte ‚Bestätigungsfehler’. Wir nehmen nur noch die Fakten wahr, die unsere Meinung bestätigen und blenden widersprüchliche Ereignisse aus. Dann übersehen wir 100 Frauen, die problemlos einparken, aber die eine, die sich nicht so clever anstellt merken wir uns - weil sie in unsere Schublade passt.“

Auch die Selbstüberschätzung vieler Autofahrer passt laut Thiel zur Arbeitsweise unseres Gehirns: „Sich ein wenig zu überschätzen, das brauchen Menschen generell für ihr Selbstbewusstsein. Deshalb schreiben wir die Fehler der anderen eher ihrem mangelnden Können oder ihrem Charakter zu, schieben aber unsere eigenen Fehler oft auf äußere Umstände. Im Klartext: Wenn ich über eine rote Ampel fahre, war die Ampel falsch angebracht oder die Sonne hat mich geblendet. Wenn ein anderer Fahrer über die rote Ampel fährt, hat er seinen Führerschein im Lotto gewonnen.“

Ein Körnchen Wahrheit

In vielen Vorurteilen steckt allerdings auch ein Körnchen Wahrheit. Dass Männer aggressivere Autofahrer sind als Frauen, konnte eine britische Studie im Jahre 2002 nachweisen. Auch die anderen Geschlechterklischees kommen nicht von ungefähr. Unter dem Titel „Frau am Steuer“ warnte noch 1975 die Verkehrserziehungs-Sendung „Der 7. Sinn“ vor weiblichen Verkehrsteilnehmern als Gefahrenquelle! Wahrscheinlich weil Frauen damals weniger Fahrpraxis hatten.

Nun kommt das eigentlich Interessante an der Meldung zur Aktion „Umparken im Kopf“ der Adam Opel AG: Damit möchte Opel einen Beitrag dazu leisten, das eigene Hirn durchzulüften, sich von liebgewonnenen Vorurteilen zu verabschieden und ein bisschen offener mit der Welt und ihrer ständigen Veränderung umzugehen.

Was wir denken, bestimmt, was wir sehen, heißt es in der Pressemeldung. Und Dinge, über die wir ein vorgefasstes Urteil haben, sehen wir oft überhaupt nicht mehr. Dabei würde sich genau hinschauen lohnen. Denn die Welt ist manchmal anders als wir denken. Wer von Zeit zu Zeit die Bilder in seinem Kopf überprüft, hat viel zu entdecken. Umparken im Kopf bedeutet, sein Gehirn regelmäßig auf Trab zu bringen und gelegentlich zu schauen, ob die Welt da draußen wirklich so ist, wie wir glauben.

Ob Opel dabei an sein Image und mögliche bestehende Vorurteile gedacht hat? Jedenfalls ist der Ansatz gut: Genauer hinzuschauen und das, was wir sehen, nicht so sehr durch unsere Vorurteile formen zu lassen.


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