25.02.2015

Medienwurm oder Medienratte?


In meiner Kindheit Ende der 1970er- und in den 1980er-Jahren war der Medienkonsum sehr überschaubar. Bei uns zu Hause gab es drei Programme, und in den Schulferien war das Ferienprogramm der öffentlich-rechtlichen Sender das höchste der Gefühle. Sonst gab es nichts. Auch das Zappen steckte mangels Programmauswahl noch in den Kinderschuhen.

Wie anders ist das doch heutzutage! Als ich neulich bei einer Freundin zu Besuch war, hörte ich ihren Mann zu den Kindern sagen: „Aber nicht einfach nur hin- und herschalten und irgendwas gucken! Überlegt euch vorher, was ihr schauen möchtet, und bleibt dann dabei!“ Diese Aufforderung ist der Versuch, das Medienrattentum zu unterbinden.

Von einer anderen Freundin hörte ich folgendes: „Es ist schrecklich! Der Große schaltet ständig von einem Programm zum anderen, und die Kleinen müssen dieses Zapping auch noch mitanschauen! Wir Erwachsene sind längst in eine Unterhaltung vertieft und irgendwie läuft das total in eine falsche Richtung ...“ Hier handelt es sich um eine Patchwork-Familie. Es ist schwierig, gemeinsame Regeln aufzustellen und einzuhalten, wenn die beiden Familien völlig andere Vorstellungen und Gewohnheiten in Bezug auf den Medienkonsum haben.

Was ich hier für Kinder beschreibe, ist natürlich auch bei Erwachsenen ein großes Thema. Man kann sich gezielt für ein Fernsehprogramm oder für ein Internetangebot entscheiden, man kann sich aber auch in der Angebotsvielfalt verlieren. Medienwurm oder Medienratte, das ist hier die Frage.

Abgeleitet habe ich die beiden Begriffe aus den Bezeichnungen für Bücherfreunde, wie wir sie kennen: Bücherwurm und Leseratte. Wusstet ihr, dass die Bezeichnung „Leseratte“ früher eher einen negativen Beigeschmack hatte? Schuld war das Fressverhalten des echten Nagetiers: gierig und hemmungslos. Wer wahllos alle möglichen Bücher verschlang, wurde damit verglichen. Der Leseratte schien es egal, ob es sich um Kochrezepte, einen Roman oder um philosophische Texte handelte. Sie sei daher eine unerfreuliche Erscheinung, die streng vom Typ des Bücherwurms zu unterscheiden sei, heißt es in Trübners Deutschem Wörterbuch aus dem Jahr 1943.

Ähnlich ist es auch mit dem Zappen und Surfen ohne Ziel und bestimmte Absicht: Es scheint mir eine eher unerfreuliche Erscheinung unserer Zeit zu sein ...


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Hier bloggt simplify-Redakteurin Dunja Herrmann über ihren Alltag, der oft alles andere als einfach ist. Und sie fragt sich und Ihre Leser stets: Geht’s einfacher? Mal findet sie eine Antwort, ein anderes Mal nicht. Der Blog „Ganz einfach Dunja“ kommt mit einem Augenzwinkern daher, nimmt die Leser mit auf Dunjas Weg zur Einfachheit. Übrigens: Hin und wieder genießt die Autorin die Komplexität: „Sie fordert mich einfach“...

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