11.09.2012

"Mei Frau is' net da"


In den Sommerferien machten wir mit einer ganzen Gruppe Kinder einen Ausflug zu einem großen Waldspielplatz. Unser Mittagessen wollten wir bei der nahegelegenen Schützenvereinsgaststätte einnehmen. Doch die hatte an diesem Tag leider Ruhetag. Plan B lautete: in die Stadt fahren und bei der nächsten Bude anhalten. Ich stellte mich dazu bereit, diesen Auftrag zu übernehmen.

Also steuerte ich den nächsten mir bekannten Imbisswagen an. Darin stand offensichtlich der Besitzer, Typ Frank Zappa. Ich bestellte: „2-mal Currywurst mit Pommes und 4-mal Pommes, bitte!“ Er blickte mich verdutzt an: „Aber keinen Hamburger!?“ „Nein, keinen Hamburger!“ „Mei Frau is' net da“, sagte er mit hilflosem Gesichtsausdruck. „Macht ja nichts“, entgegnete ich. „Ich hab’ aber nur ei Friteuse an, die andere muss ich noch saubermache.“ Auch das war kein Problem für mich. „Ich kann ja schon mal zahlen“, sagte ich und streckte ihm einen 50-Euro-Schein hin. „Uh, 50 Euro? Darauf kann ich net rausgebe! Habe Sie’s net kleiner?“ Ich: „Nein. Wissen Sie was? Da das hier eh noch etwas dauert, fahre ich schnell zur Bank und lasse den Schein wechseln!“

Damit war der Buden-Besitzer einverstanden. Ich suchte also eine Filiale meiner Hausbank auf und bat darum, mir den Schein zu wechseln. „Sind Sie denn Kunde bei uns?“ „Ja, schon, aber bei einer anderen Filiale.“ „Haben Sie denn irgendetwas dabei, um das zu bestätigen?“ „Nein, habe ich nicht! Reicht Ihnen vielleicht meine Adresse?“ Das war ja eine nette Geschichte! Und ich dachte, es sei ganz einfach, einen 50-Euro-Schein gewechselt zu bekommen! Nach einigem Hin und Her hat das dann doch geklappt und ich fuhr wieder zu meiner Imbiss-Bude.

„Frank Zappa“ war gerade dabei die erste Currywurst durch das Schneidegerät zu jagen. Danach schickte er zwei Wursthälften durch. „Das ist eigentlich mein Mittagessen. Aber boah, mir ist heut gar net nach Wurst“, sagte er leicht angewidert. In diesem Moment bereute ich es, mich für eine Currywurst entschieden zu haben ...

Nun hatte er alles fertig und wollte die einzelnen Schälchen mit Pommes einpacken. Dazu maß er Alufolie ab und legte die einzelnen Rechtecke in einer Reihe nebeneinander. Der nächste Windstoß machte ihm jedoch seine Formation zunichte. Also begann er geschickt, die Folien am Rande mit irgendwelchen Behältern zu beschweren.

Das nächste Problem ergab sich, als die Einzelteile fertig abgepackt waren. „Jetzt weiß ich gar net, wie ich Ihnen das einpacken soll!“, ließ er verlauten. „Ich hab’ keine Plastiktüte.“ Ich schaute suchend in den Imbiss-Wagen, ob mir nicht vielleicht eine Idee käme. Mein Blick fiel auf zwei große Papier-Brot-Beutel, die am Boden in einer Kiste standen. Ich zeigte darauf: „Können Sie nicht eine Brottüte nehmen?“ „Ah ja!“, freute er sich. „Das sind sowieso die Brötchen von gestern!“ Die ließ er kurzerhand in die Kiste plumpsen und packte meine Bestellung in die Papiertüte.

Ich fragte mich, wie einfach das wohl alles abgelaufen wäre, wenn die Frau dagewesen wäre!? Ich werde es wohl nie erfahren!


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Ganz einfach Dunja

Hier bloggt simplify-Redakteurin Dunja Herrmann über ihren Alltag, der oft alles andere als einfach ist. Und sie fragt sich und Ihre Leser stets: Geht’s einfacher? Mal findet sie eine Antwort, ein anderes Mal nicht. Der Blog „Ganz einfach Dunja“ kommt mit einem Augenzwinkern daher, nimmt die Leser mit auf Dunjas Weg zur Einfachheit. Übrigens: Hin und wieder genießt die Autorin die Komplexität: „Sie fordert mich einfach“...

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