26.03.2014

Nie wieder die Feuerwehr spielen?


Die Feuerwehr ist da, wenn’s brennt. So schnell wie möglich, ohne zu zögern. Das ist ihre Aufgabe. Nun kennen wir das selbst nur zu gut oder erleben es bei anderen: Mancher mimt die Feuerwehr, obwohl es gar nicht seine Aufgabe ist. Die Bedürfnisse dafür können sehr unterschiedlich sein: helfen wollen, Anerkennung bekommen, Konflikte umgehen und so weiter.

Ich habe eine Freundin, die stets sofort zur Stelle ist, wenn es im Geschäft eng ist. Jemand ist krank? Sie springt ein. Die Chefin muss kurzfristig weg? Sie springt ein. Die Kollegin will den Dienst tauschen? Sie springt ein. Als es dann zu Umstrukturierungen beim Personal kam, wurde sie glatt übersehen. „Ich mache so viel! Das kann doch nicht sein!“ Nur durch gutes Zureden einer anderen Freundin gelang es ihr, Stellung zu beziehen und ihrer Chefin zu sagen: „Ich bin auch noch da!“ Die Folge: Ab Mai wird ihr Arbeitsvertrag aufgestockt.

Gestern war ich gerade mit dieser Freundin im Gespräch, als sie eine SMS bekam. Sie ärgerte sich darüber und sah mich hilfesuchend an: „Was soll ich denn jetzt machen? Meine Chefin schrieb mir heute Morgen, dass sie dringend weg muss. Ob ich dann am Abend ihre Schicht übernehmen könne. Das wollte ich eigentlich nicht, denn ich habe mich auf den einzigen freien Abend gefreut, den ich in der Woche habe. Ich habe dann die Mia gefragt, ob sie übernehmen kann. Die hat ja gesagt. Jetzt schreibt sie mir aber, dass ihr Bruder im Krankenhaus liegt, es ihm schlechter geht und sie deshalb nicht sicher ist, ob sie am Abend die Schicht machen kann! Bleibt es also doch wieder an mir hängen!?“

Ein Dilemma, das ich nur allzu gut kenne. „Willst du arbeiten heute Abend?“, frage ich sie. „Nein“, lautet ihre Antwort. „Gut, diese Entscheidung hast du heute Morgen schon getroffen, als du gefragt wurdest“, fahre ich fort. „Bleib’ dabei! In dir ist gerade ein Anteil deiner Persönlichkeit aktiv, der sich unzulänglich fühlt und dir einimpfen will, dass du klein beigeben musst. Vielleicht aus Sorge, dass dich dann niemand mehr mag, wenn du Nein sagst.“ Sie nickt. „Du hast dich entschieden, heute nicht zu arbeiten, also stehe dazu!“ Die Vorstellung gefällt ihr. „Wen könnt’ ich denn noch fragen, der einspringt?“, sinniert sie weiter. „Niemanden“, antworte ich. „Das ist eindeutig die Aufgabe deiner Chefin!“ „Stimmt! Du hast Recht!“ Sie ist erleichtert.

Das ist der kleine, aber feine Unterschied: Feuerwehr spielen geht dann, wenn wir klar dazu stehen können, im Sinne von „Es ist okay, wenn ich heute die Schicht übernehme“ (allerdings nicht im Sinne von „Oh ja! Das mache ich gerne! Damit lenke ich mich von dem ganzen Schlamassel ab, in dem ich gerade stecke!“). Ergibt das Abwägen allerdings, dass Feuerwehr spielen gerade unpassend ist, dann darf das so sein. Auch, wenn niemand sonst den Wasserschlauch ausrollen will. Auch, wenn man nichts Besonderes vor hat und einfach nur seinen freien Abend genießen will.

Wozu das führt? Dass die anderen uns ernst nehmen. Und dass wir bei der nächsten Personalumstrukturierung nicht übersehen werden.


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Hier bloggt simplify-Redakteurin Dunja Herrmann über ihren Alltag, der oft alles andere als einfach ist. Und sie fragt sich und Ihre Leser stets: Geht’s einfacher? Mal findet sie eine Antwort, ein anderes Mal nicht. Der Blog „Ganz einfach Dunja“ kommt mit einem Augenzwinkern daher, nimmt die Leser mit auf Dunjas Weg zur Einfachheit. Übrigens: Hin und wieder genießt die Autorin die Komplexität: „Sie fordert mich einfach“...

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