05.02.2014

Ruhe bei Tisch!


Diese Woche erhielt ich eine aktuelle Meldung vom Zukunftsinstitut zur Februar-Ausgabe des Monatsmagazins Trend Update. „Wie wir morgen essen werden“, lautet der Titel. Im Inhalt wird das Potenzial der Trends rund ums Essen beleuchtet. Eine Stelle, die ich in der Meldung las, weckte ganz besonders mein Interesse. Im Zentrum der neuen Ausgabe stehen innovative Konzepte, Produkte, Vertriebswege sowie Marketingmaßnahmen, heißt es. Beispielsweise darf im New Yorker Restaurant „Eat“ während der „silent meals“ nicht am Tisch gesprochen werden. Das Motto „shut up and eat“ hat das Restaurant zu einem der angesagtesten Adressen der Stadt gemacht. Wer es nicht schafft, während des Essens zu schweigen, wird samt Menü vor die Tür gesetzt.

Wow! Welche Rigorosität! Zum einen das Schweigen selbst, zum anderen der Rausschmiss! Liebe „Eat“-Restaurantbesitzer: Wissen Sie, wie lange ich gebraucht habe, um meinem Freund verständlich zu machen, dass man beim Essen durchaus reden darf? Dass eine Mahlzeit auch ein Sammelpunkt für die Familie ist, an dem man sich austauscht? In manchen Familien und Zeiten ist bzw. war es in der Tat verpönt, bei Tisch zu sprechen. „Jetzt wird gegessen und nicht gequatscht!“, lautete die Anweisung. Ein Mann erzählte mir einmal, dass er als Kind fast immer in der Diele essen musste, weil er sich erlaubt hatte, bei Tisch zu reden. Er litt an einer Krebsform, die ihm das Essen fast unmöglich machte und war auf der Suche nach einer Erklärung ...

Aus einem anderen Blickwinkel heraus finde ich das „Shut up and eat“ höchst spannend: Es ermöglicht allen Teilnehmenden, beim Essen präsent zu sein. Keine Ablenkung durch Gespräche, die parallel verarbeitet werden müssen. Keine Verzögerung der Essensaufnahme durch Reden. Überhaupt nur wenige Geräusche, denn rundherum ist es stiller als sonst in einem Restaurant. Ich kann also genau wahrnehmen, was ich mir gerade zum Mund führe, was ich trinke, wann ich pausiere, was die anderen machen. Ich kann nonverbal kommunizieren, jemanden anlächeln, den Mund verziehen, falls es nicht schmeckt. Still zuprosten und sogar ungescholten etwas von Nachbars Teller klauen! Einfach nur essen. Das klingt für mich fast nach einem Abenteuer, und ich überlege gerade, ob ich nicht einen „shut up and eat“-Tag einrichte. Meinem Freund würde es bestimmt gefallen!


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Hier bloggt simplify-Redakteurin Dunja Herrmann über ihren Alltag, der oft alles andere als einfach ist. Und sie fragt sich und Ihre Leser stets: Geht’s einfacher? Mal findet sie eine Antwort, ein anderes Mal nicht. Der Blog „Ganz einfach Dunja“ kommt mit einem Augenzwinkern daher, nimmt die Leser mit auf Dunjas Weg zur Einfachheit. Übrigens: Hin und wieder genießt die Autorin die Komplexität: „Sie fordert mich einfach“...

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