08.08.2013

Schoki aus dem Drucker, Burger aus dem Labor


Im Garten wachsen üppig die eigenen Tomaten. Der Bauernhof in der Nachbarschaft züchtet Rinder, um Fleisch zu produzieren. Wenn ich in der Zeitschiene 30 Jahre nach vorne gehe, habe ich im Garten vielleicht einen 3-D-Drucker für fertige Lebensmittel stehen – überdacht, versteht sich -, und im Bauernhof werden regelmäßig Rinder-Stammzellen entnommen und ins Labor geschickt – für die moderne Fleischproduktion.

Denn am Montag wurde der erste geklonte Burger getestet – mit Fleisch aus Rinder-Stammzellen. Ob das ein denkwürdiger Tag sein wird? Die Geschichte beginnt mit der Entnahme von Myosatellitenzellen mittels Spritze aus dem Nacken eines Rindes, schreibt Harald Seitz vom aid Infodienst (hier der Text "In vitro veritas: Wie eine Bulette vielleicht die Welt verändert" in voller Länge). Und weiter: Das sind Stammzellen, die sich sehr einfach und schnell zu Muskelzellen entwickeln. Die hat die Kuh nicht, damit Wissenschaftler Burger daraus machen können sondern, um Muskelverletzungen schnell zu heilen. Diese Stammzellen wurden von einer Gruppe von Forschern um Professor Marc Post von der Universität Maastricht mittels Nährlösungen und elektrischer Stimulation vermehrt. So wurden aus ein paar Zellen so um die 20.000 Muskelstränge generiert. Das reichte - angereichert durch eine Prise Salz, Safran, Eipulver, Brotstückchen und Rote-Beete-Saft - für einen Burger. Serviert auf einer Pressekonferenz mit viel Bohei in London, der ungekrönten europäischen Hauptstadt für Fast Food.  

Vermutlich, weil es so schön passte, lieferte der aid Infodienst in seinem gestrigen Newsletter noch einen weiteren Zukunftsbericht mit. Nachdem ich beides gelesen hatte, fragte ich mich ernsthaft, in welcher Zeit ich gerade lebe ...

Denn Britta Klein schreibt (hier in "Drucken statt Kochen: Essen aus dem 3-D-Drucker"): Der 3-D-Druck ist beim Verbraucher angekommen. Bis jetzt waren es - außer in Fachkreisen - kleine Gebrauchsgegenstände und meist war kein wirklicher Aufreger dabei, so dass man es sich getrost leisten konnte, dieses Phänomen noch nicht allzu nahe an sich heran zu lassen. Aber es ist zu befürchten, dass sich das ändert: „Food Printing“ wird zum Thema. Forscher drucken inzwischen Schokolade, Süßigkeiten und weiche Nahrungsmittel. Die Eigenschaften von Schokolade seien perfekt für den Nahrungsdrucker, der mit liquiden und weichen Materialien funktioniert und im additiven Verfahren druckt, also Schicht für Schicht, berichtet die Internetseite der ARD (ARD Wissen: Wenn der Drucker Törtchen backt). Die US-amerikanische Cornell-Universität forscht bereits seit Jahren auf diesem Gebiet und hofft, dass 3-D-Drucker so beliebt werden wie ein PC und in jedem Haushalt künftig neben dem Mixer stehen. In den Niederlanden hat man mit Weingummi und Keksen experimentiert.

Die Anwendungsgebiete, die von den Essensdruck-Pionieren ins Auge gefasst werden, lassen den Traditions-Esser schaudern: Bereits 2015 sollen Pflegeheime für Senioren und Patienten, die nicht mehr gut kauen oder schlucken können, mit Lebensmitteldruckern ausgestattet werden, die pro Minute ein Gericht herstellen können. 

Au weia! Wenn ich also einmal im Altenheim sitze, serviert man uns bereits Fleisch, aus Stammzellen hergestellt, aus dem Drucker. Wie verrückt ist das denn? Mich würde interessieren, was ein Mensch, der im 19 Jahrhundert lebte, über unser heutiges Leben und Essen sagen würde. Vermutlich würden all die Informationen ähnliches Kopfschütteln auslösen wie der Klon-Burger oder der 3-D-Drucker bei mir. 


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