02.03.2013

Sich freuende Pessimisten


Pessimisten leben länger. Diese aktuelle Meldung lässt aufhorchen. Sollten wir durch eine positive, optimistische Lebenseinstellung nicht auch unser Leben verlängern können? Nein, will uns eine Studie von Forschern der Uni Erlangen-Nürnberg (FAU) gemeinsam mit dem DIW Berlin, der HU Berlin und der Universität Zürich auf der Grundlage von Daten der Langzeitstudie Sozio-oekonomisches Panel (SOEP) Glauben machen. Demnach leben ältere Menschen, die ihre künftige Zufriedenheit gering einschätzen, offenbar länger und gesünder als ältere Menschen, die für sich eine rosige Zukunft sehen. Die Forschungsergebnisse wurden gerade online in der Zeitschrift „Psychology and Aging“ veröffentlicht.

Für die Studie analysierten die Forscher Längsschnittdaten, die zwischen 1993 und 2003 bei immer wieder denselben Personen erhoben worden waren. Dabei unterschieden sie drei Altersgruppen: 18 bis 39-Jährige, 40 bis 64-Jährige und über 65-Jährige. Die Befragten hatten jedes Jahr angegeben, wie zufrieden sie aktuell mit ihrem Leben waren und wie zufrieden sie in fünf Jahren zu sein glaubten. Im Zeitraum der Untersuchung (10 Jahre) überprüften die Forscher bei jedem Befragten sechs Mal, ob der für die Zukunft erwartete Grad der Zufriedenheit fünf Jahre später tatsächlich mit dem aktuell angegebenen übereinstimmte.

Das Ergebnis:

Rund 43 % der älteren Befragten unterschätzten ihre zukünftige Zufriedenheit,

32 % überschätzten sie und

25 % schätzten ihre Zufriedenheit in der Zukunft realistisch ein.

Was die Forscher überraschte:

Schätzten die Teilnehmer und Teilnehmerinnen ihre zukünftige Zufriedenheit überdurchschnittlich hoch ein, so erhöhte sich ihr Risiko für körperliche Einschränkungen oder Beschwerden und das Risiko zu sterben um etwa 10 %. „Möglicherweise ermuntern pessimistische Zukunftserwartungen die Senioren dazu, noch besser auf die eigene Gesundheit zu achten und sich vor Gefahren zu schützen“, sagt Frieder R. Lang, Leiter des Instituts für Psychogerontologie an der FAU.

Je älter die Befragten waren, umso pessimistischer schätzten sie ihre Zukunft ein. „Überrascht hat uns, dass die Befragten umso pessimistischer in die Zukunft sahen, je stabiler ihre Gesundheit und je höher ihr Einkommen war“, sagt Frieder Lang – möglicherweise ein Indikator dafür, dass diese Teilnehmer und Teilnehmerinnen sensibler sind für die Begrenztheit ihrer verbleibenden Zeit und eher darauf achten, ihren gegenwärtig guten Status zu erhalten als auf künftige Besserung zu hoffen.

Es ist schon erstaunlich, dass uns der mangelnde Glaube an eine zufriedene Zukunft das Leben verlängern soll. Ich erinnere mich noch an meinen Beitrag darüber, was Sterbende am meisten bereuen. Auf Rang 5 lag die Aussage „Ich wünschte, ich hätte mir selbst mehr Freude zugestanden“. Viele Menschen hätten bis zum Ende nicht bemerkt, dass sie sich bewusst für Glück oder Freude hätten entscheiden können. Mal ehrlich: Den Augenblick zu genießen und Freude zuzulassen klingt für mich überzeugender als unzufrieden zu sein. Dafür würde ich unter Umständen auch auf ein paar Lebensmonate verzichten können. Oder muss sich das gar nicht ausschließen? Pessimistisch sein und sich freuen? Vielleicht geht ja beides: Man ist sich unsicher, ob man in 5 Jahren noch zufrieden sein wird. Und da man das nicht wissen kann, lebt man glücklich und voller Freude in jeden Tag hinein. Im Hier und Jetzt.

Das könnte sogar funktionieren, frei nach Johann Wolfgang von Goethe: "Nun schaut der Geist nicht vorwärts, nicht zurück, Die Gegenwart allein - ist unser Glück."


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