09.03.2015

Skandalös oder zutiefst menschlich?


Am Freitag las ich eine Meldung darüber, dass der Sieger des Vorentscheids zum Eurovision Song Contest (ESC) kurzerhand das Zepter abgab. Andreas Kümmert verzichtet darauf, Deutschland beim ESC in Österreich zu vertreten – und das, obwohl er gerade den Vorentscheid gewonnen hatte! Die Medien schienen dafür nur ein Wort zu kennen, denn es war überall in den Überschriften zu lesen: Eklat!

Die Zuschauer reagierten offenbar sehr ungehalten. Moderatorin Barbara Schöneberger kürte schnell die Nummer 2 zur Siegerin – und dann prasselten die Meldungen in den sozialen Netzwerken auf Kümmert ein.

Ich kenne Kümmert, natürlich nicht persönlich. Denn ich hatte vor zwei Jahren die Staffel von „Voice of Germany“ verfolgt, die er gewann. Dass der zurückhaltende und eher unauffällige Kümmert ganz nach vorne kommen würde, war klar. Seine Stimme ist einfach überzeugend. Doch schon bei der Tour der Finalisten, die es bei Voice of Germany gibt, musste er wegen Krankheit teilweise (oder ganz?) aussetzen. Freunde von mir, die sich extra Tickets besorgt hatten, um ihn live zu sehen, waren extrem verstimmt.

Insofern kann ich das Publikum des ESC-Vorentscheids sehr gut verstehen. Da macht jemand Gutes die Show mit, siegt und springt im letzten Moment ab. „Hätte er das nicht vorher wissen können?“, ist wohl der meistgefallene Satz in diesem Zusammenhang. Nein, hätte er nicht. Vielleicht hat er es gespürt. Vielleicht hat er es gewusst, aber nicht zugegeben. Es gibt tausend Möglichkeiten, was Andreas Kümmert vor der Teilnahme gewusst haben könnte.

Für mich zählt, dass er den Mut bewiesen hat, Nein zu sagen. Gerade in einem solchen Moment! Ach je, wenn ich an mich denke: Welche Entscheidungen habe ich schon getroffen und kurz darauf wieder rückgängig gemacht? Zum Entsetzen aller, die eingeweiht oder betroffen waren! Das passiert. Das macht uns menschlich! Und lässt auch das Fernsehen, dass uns stets eine bestimmte Welt vorgaukeln möchte, so herrlich lebensnah wirken – wenigstens für einen kurzen Augenblick.

Mir imponiert, dass hier jemand auf seine innere Stimme gehört und die Schranke vor sich zugemacht hat auf dem Weg, den er eigentlich gerade eingeschlagen hatte. Er wird einen anderen Weg wählen ...


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