13.05.2015

Steinzeit-Ernährung oder Null-Diät-Diät?


„Das ist übrigens ein Weight Watchers-Keks“, sagte eine Freundin neulich zu mir. Ich war gerade zum Kaffee bei ihr und schob mir einen Keks in Richtung Mund. „Ein Punkt hat er“, ergänzte sie. „Und wie viele Punkt darf ich am Tag essen?“ Schließlich muss die Relation ja stimmen! „Das ist ganz unterschiedlich. Bei mir sind es 28.“

Ich rechnete mal eben die drei Kekspunkte zusammen, die sich schon auf meinem Konto für diesen Tag hatte. Plus etliche andere Punkte für all das, was ich seit dem Frühstück schon verspeist hatte. Ich war sicher längst über die 28 gekommen!

Ja, Ernährung ist heutzutage ein ganz wichtiges Thema, weil wir ein so großes Nahrungsmittelangebot haben, das wir in dieser Größenordnung und Zusammensetzung gar nicht brauchen.

Vor einiger Zeit habe ich mich mal mit der Steinzeit-Ernährung befasst. Bei so vielen Eiern, die unsere Hühner legen, kam mir dieses Eiweiß propagierende Paleo-Konzept recht gelegen. Ungefähr 5 Tage habe ich mich danach ernährt. Doch ich stellte fest, dass ich nicht besonders kreativ bin in der Auswahl meiner Eiweißkost. Und der Rest meiner Familie schien auch nicht überzeugt. Also ließ ich die Steinzeit wieder los.

Falls ihr nicht wisst, wovon ich gerade schreibe. Hier sagt Heike Kreutz vom aid Infodienst etwas über die Pros und Contras des neuen Ernährungstrends:

Kein Getreide, keine Milchprodukte und Zucker, dafür viel Obst, Gemüse und mageres Fleisch - die Steinzeitdiät „Paleo“ orientiert sich am Speiseplan unserer Vorfahren. In der Altsteinzeit aßen die Jäger und Sammler vermutlich erheblich mehr Eiweiß, aber weniger Fett und Kohlenhydrate. Der Energiebedarf wurde in erster Linie durch mageres Fleisch, frisches Obst und Gemüse, Fisch und Meeresfrüchte gedeckt.

Paleo-Köche verwenden hochwertige Öle, Honig, Eier, Nüsse, Samen und würzen mit frischen Kräutern. Das Salzen der Speisen wird auf ein Minimum reduziert. Die Einführung des Ackerbaus vor rund 10.000 Jahren hat die Lebensmittelauswahl stark erweitert. Auf diese Produkte soll in der Paleo-Ernährung verzichtet werden: Getreideprodukte wie Reis, Mais sowie Vollkorn von Weizen, Roggen oder Gerste, aber auch daraus hergestellte Nudeln, Mehl und Müsli. Zudem sollen Kartoffeln, Milch und Milchprodukte, Hülsenfrüchte wie Linsen oder Soja und stark verarbeitete Lebensmittel wie Zucker gemieden werden.

Eine Steinzeit-Diät hat durchaus Vorteile: Der reichliche Verzehr von Obst und Gemüse versorgt den Körper mit Mineralstoffen, Ballaststoffen und Vitaminen. Fisch und mageres Fleisch liefern wertvolles Eiweiß und auch der Verzicht auf industriell verarbeitete Produkte und Zucker ist positiv zu bewerten. Qualität und Nachhaltigkeit haben in der Lebensmittelauswahl einen hohen Stellenwert. Durch die Ernährungsumstellung soll das Wohlbefinden steigen und Übergewicht, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes vorgebeugt werden.

So weit, so gut. Doch mit den Getreideprodukten fehlen auch wichtige Mineral- und Ballaststoffe. Milchprodukte liefern wertvolles Kalzium, das der Körper bei einem Verzicht aus anderen Quellen beziehen muss. Zudem ist noch nicht klar, wie sich der hohe Eiweißkonsum langfristig auf die Funktion von Niere und Leber auswirkt. Bei der heutigen Vollwertkost liegt der Proteinanteil bei ungefähr 20 % der Gesamtenergie, die Paleo-Diät empfiehlt 32 bis 37 %. Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass es unsicher bleibt, wie die Ernährung der Steinzeitmenschen tatsächlich aussah.

Was mir an der Steinzeit-Ernährung gefallen hat, ist der Fokus auf möglichst natürliche Zutaten. Ich habe nach dieser Zeit wieder die Kartoffel für mich entdeckt und genieße sie in vielen Variationen.

Das Mode- und Beauty-Magazin Petra proklamiert indes einen neuen Food-Trend, ohne einseitige oder strenge Ge- und Verbote (was mir eindeutig sympathisch ist): „Hirn an, Klappe zu“. In der aktuellen Mai-Ausgabe kommt z. B. der kalifornische Arzt Deepak Chopra zu Wort. Seine Patienten bekommen anstelle von Kalorientabellen Achtsamkeitsübungen mit auf den Weg.

Chopras Kernthese, die ich nur bestätigen kann und die an sich nichts Neues ist: Oft essen wir aus Nervosität, Langeweile oder Frust und nicht, weil unser Körper Hunger hat. Je besser wir lernen, unsere wahren Gefühle zu spüren, desto leichter fällt der Verzicht auf Trostschokolade. Petra schreibt: „Ein toller, ganzheitlicher Ansatz, der im hektischen Büroalltag allerdings nicht immer einfach in die Realität umzusetzen sein dürfte.“

Da funktioniert das pragmatische Konzept des deutschen Autors Ronald Schweppe, der das „Institut für achtsames Essen“ gegründet hat, leichter. Er schlägt vor, bei seiner „Minus-1-Diät“ ganz simpel jeweils eine Woche erst komplett auf Zucker, dann auf Fast Food und Snacks, dann auf Kaffee, später auf Milchprodukte, Weißmehl, Alkohol, Fleisch und zuletzt auf Zusatzstoffe zu verzichten - und zu notieren, ob sich Energie, Stimmung oder Gewicht verändern. So, sagt Schweppe, bekomme man heraus, was einem individuell gut tue und was nicht, statt mit Pauschaldiäten immer wieder in die Jo-Jo-Falle zu tappen.

Leider heißt dieser Ansatz auch wieder „Diät“, doch praktiziere ich ihn bereits seit einiger Zeit – wenn auch nicht ganz so konsequent. Denn was meinem Körper spürbar schadet, sollte ich von meiner Essensliste streichen oder nur ganz bewusst in kleinen Mengen genießen!


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