04.11.2013

Stressesser leben gar nicht so ungesund!


Eine Kollegin von mir sagte einmal: „Wenn ich Stress habe, kann ich überhaupt nichts essen!“ Da hat sie’s aber gut, dachte ich. Bei mir schien eher der umgekehrte Fall einzutreffen: Bei Stress esse ich mehr als sonst. Nun, die Kollegin war sehr schlank. Entweder sie hatte ständig Stress oder sie aß eben grundsätzlich weniger!?

Und über uns Stressessern schwebt stets ein Damoklesschwert – im wahrsten Sinne des Wortes, denn über Damokles ließ Dionysios ein Schwert aufhängen, um ihm die Freude am üppigen Festmahl zu verderben. Denn es scheint logisch, dass Stressesser grundsätzlich ungesünder leben. Tüten von Chips und Gummibärchen zu vertilgen, hinterlässt Spuren. Wissenschaftler von der Uni Konstanz haben nun herausgefunden, dass es anders ist, als man annimmt!

Denn Menschen, die auf Stresssituationen im Alltag mit vermehrter Nahrungsaufnahme reagieren, leben nicht gezwungenermaßen ungesünder als sogenannte Stresshungerer, die in der gleichen Situation weniger essen. Eine experimentelle Studie an der Universität Konstanz zeigt, dass sowohl Stressesser als auch Stresshungerer einem Kompensationsmuster folgen. Danach gleichen die Stressesser die höhere Kalorienzahl damit aus, dass sie in positiven Situationen weniger essen. Umgekehrt nehmen Stresshungerer in positiven Situationen mehr Nahrung zu sich als in Stresssituationen. In neutralen Situationen aßen beide Gruppen übrigens in etwa gleich viel.*

?Diese Ergebnisse machen Ermahnungen an Stressesser, sich in den entsprechenden Situationen mehr Selbstdisziplin aufzuerlegen, nicht nur obsolet, sondern sie könnten sogar kontraproduktiv sein. Dr. Gudrun Sproesser, Prof. Dr. Harald Schupp und Projektleiterin Prof. Dr. Britta Renner vom EATMOTIVE-Projekt am Fachbereich Psychologie spekulieren, dass die Aufforderung, weniger zu essen, noch mehr Stress auslösen könnte und damit die Balance von positiven und negativen Situationen und dem entsprechenden Essverhalten stören könnte. Zumal biologische Untersuchungen gezeigt haben, dass durch essen in Stresssituationen das Stressempfinden nachlassen kann. „Das Essverhalten von Stressessern kann dann langfristig zu Übergewicht führen, wenn der Stress überhandnimmt, ohne dass es Ausgleich durch positive Situationen gibt“, schlussfolgert Gudrun Sproesser. Entgegen der bisherigen Meinung legen die Ergebnisse jedoch nahe, dass Stressessen an sich kein maladaptives Essverhalten darstellt. Die Laborergebnisse sollen nun durch eine sogenannte Real-Life-Studie ergänzt werden.

Ich fasse also zusammen: Stressessen ist okay, solange ich zum Ausgleich auch mal in positive Seelenlagen gerate. Wie gut, dass ich simplify your life kenne ...!

* Die Ergebnisse der Studie sind in einer der kommenden Ausgaben des Wissenschaftsjournals „Psychological Science“ nachzulesen. Sie können bereits jetzt unter diesem Link eingesehen werden.


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Hier bloggt simplify-Redakteurin Dunja Herrmann über ihren Alltag, der oft alles andere als einfach ist. Und sie fragt sich und Ihre Leser stets: Geht’s einfacher? Mal findet sie eine Antwort, ein anderes Mal nicht. Der Blog „Ganz einfach Dunja“ kommt mit einem Augenzwinkern daher, nimmt die Leser mit auf Dunjas Weg zur Einfachheit. Übrigens: Hin und wieder genießt die Autorin die Komplexität: „Sie fordert mich einfach“...

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