08.01.2015

Tanken am anderen Ende der Welt


Eine Freundin von mir wohnt dort, wo Fuchs und Hase sich gute Nacht sagen. „Am Ende der Welt“, sage ich immer scherzhaft. Die nächste größere Stadt ist etliche Kilometer weit entfernt. Neulich war ich bei ihr übers Wochenende zu Besuch. Am Sonntagmorgen wollte ich aufbrechen, musste aber dringend noch tanken.

„Wenn du der Bundesstraße folgst, kommt bald eine Tankstelle“, informierte mich der Mann meiner Freundin. „Dort war ich auch vorhin die Brötchen holen. Das ist nämlich der einzige Bäcker hier im Umkreis, der sonntags geöffnet hat!“ Ich nahm es auf und fuhr los.

Einige Kilometer weiter sah ich dann die Tankstelle. Da in diesem eher strukturschwachen Raum ohnehin nicht viel anderes zu sehen war, konnte ich sie kaum verfehlen. Ich steuerte mit meinem Wagen auf die Zapfsäule zu, kam aber nicht ganz heran, weil ein anderes Auto gerade davor angehalten hatte.

Eine ältere Frau stieg aus und ging in den Verkaufsraum. Sie stellte sich bei der Bäckereiabteilung an. Ich schaute durch die Scheibe nach drinnen, um abzuschätzen, wie lange es noch dauert. In dieser Zeit hätte ich ja schon tanken können ..., ich hatte eine lange Fahrt vor mir.

Wie ich so nach drinnen blickte, winkte mir dort die Verkäuferin freundlich zu. Ich grinste etwas unbeholfen. Hatte sie mich gemeint? Offenbar schon ...

Irgendwann war die Frau mit dem Auto verschwunden, und ich konnte tanken. Als ich danach zur Kasse kam, sagte die Verkäuferin: „Jetzt haben Sie ein bisschen warten müssen, gell? Deswegen habe ich Ihnen extra mal gewunken.“ „Ja, das war sehr nett!“, sagte ich. „Die Kundin hat nur Brötchen geholt ...“, redete sie weiter und legte dabei eine entschuldigende Geste auf, „aber sie ist nicht so gut zu Fuß, da will man halt auch nichts sagen.“ „Passt schon!“, antwortete ich. „Es ist noch früh am Sonntagmorgen. Was wäre das für ein Start in den Tag, wenn ich mich jetzt schon aufregen würde!“

Ich meine, diese Sache hat durchaus Potenzial dafür, sich aufzuregen. Schließlich kennen wir solche Situationen, in denen wir gerne handeln würden, aber nicht können, weil irgendjemand sprichwörtlich den Verkehr aufhält. Deswegen war es ziemlich entschärfend von der Tankstellenfrau, mir freundlich zuzuwinken und nachher das Gespräch mit mir zu suchen. Ich konnte gar nicht anders, als die Tankstelle am gefühlten Ende der Welt gut gelaunt zu verlassen!


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Hier bloggt simplify-Redakteurin Dunja Herrmann über ihren Alltag, der oft alles andere als einfach ist. Und sie fragt sich und Ihre Leser stets: Geht’s einfacher? Mal findet sie eine Antwort, ein anderes Mal nicht. Der Blog „Ganz einfach Dunja“ kommt mit einem Augenzwinkern daher, nimmt die Leser mit auf Dunjas Weg zur Einfachheit. Übrigens: Hin und wieder genießt die Autorin die Komplexität: „Sie fordert mich einfach“...

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