12.09.2014

Teilen können: Eine Frage der Erziehung?


Die ganze Zeit schon denke ich darüber nach, wie ich als Kind das Teilen gelernt habe. Ich bin mir nicht einmal sicher, ob ich es habe lernen müssen so wie andere, denn ich bin ohne Geschwister aufgewachsen. Könnt ihr euch noch an Situationen in eurer Kindheit erinnern, in denen man euch aufgefordert hat, etwas mit anderen Kindern zu teilen?

Ich finde, das ist ein spannendes Thema. Es lohnt sich, da genauer hinzuschauen. Den Impuls bekam ich über die Worte einer Mutter, die sich Gedanken über das Teilen gemacht hat, weil die Tagesstätte ihres Kindes diesbezüglich ein ganz besonderes Konzept verfolgt: Wenn ein Kind mit etwas spielt, malt oder bastelt und ein anderes Kind möchte das auch haben. Dann wartet das zweite Kind, bis das erste Kind fertig ist. Das ist die Grundregel in besagter Einrichtung. Klingt eigentlich logisch, doch die gelebte Realität um uns herum ist eine ganz andere. Ich nenne mal ein Beispiel:

Sandkasten-Gezerre

Die kleine Romi ist mit ihrer Mutter und zwei gleichaltrigen Freunden, Felix und Sabrina, mit deren Müttern auf dem Spielplatz. Alle Mütter haben Sandspielzeuge für die Kleinen mitgebracht. Romi hat sich ihren roten Laster und die blaue Schaufel geholt. Sie will im Sand etwas bauen. Nach wenigen Minuten ist Felix zur Stelle: „Ich will den Laster haben!“ Romi: „Nein, das ist meiner!“ So geht das ein paar Mal hin und her, bis Felix schließlich zu seiner Mutter läuft. „Mama! Die Romi will mir den Laster nicht geben!“ Seine Mutter: „Die muss halt nicht so oft teilen wie du. Das muss sie noch lernen.“

Romis Mutter wird die Situation unangenehm. Sie wendet sich an Romi: „Du, lass doch mal den Felix mit dem Bagger spielen. Der hat nicht so einen schönen. Und du kannst doch immer mit ihm spielen.“ Romi verneint. Sie will ihren Bagger behalten, schließlich hat sie gerade etwas mit ihm vor. Ihre Mutter wird ungehalten. „Gut, wenn du nicht teilen willst, dann packen wir eben unsere Sachen zusammen und gehen nach Hause!“ Romi gibt nach und überlässt Felix den Laster. Dieser spielt 5 Minuten mit ihm, dann läuft er zur Rutsche ...

Lern-Chancen

Was lernt Romi aus dieser Situation? Wenn jemand kommt und ein Bedürfnis anmeldet, dass ich ihm erfüllen kann, dann bin ich falsch, wenn ich es nicht sofort befriedige. Wird Romi auf diese Art und Weise lernen, für sich selbst einzustehen? Oder wird sie mit der Zeit immer schneller nachgeben, damit es keinen Ärger gibt?

Und was lernt Felix? Wenn ich etwas haben will, kriege ich das sofort. Wenn es nicht klappt, brülle ich etwas lauter und hole meine Mutter. Die regelt das für mich. Wird Felix auf diese Art und Weise lernen, wo andere ihre Grenzen haben? Was Geduld bedeutet? Wie er mit Frust umgehen kann? Oder wird sein Verhalten mit den Jahren immer unverschämter, weil sich jeder seinem Willen unterordnet?

Auch bei uns zu Hause wurde das Teilen vor wenigen Jahren ein großes Thema. Ich habe gelernt, dass es erst einmal wichtig ist, dass ein Kind etwas als „seins“ wahrnimmt. Ab einem bestimmten Alter ist es von sich aus bereit, Dinge zu teilen, wenn es nach eigenem Ermessen gerade passt. Manchmal ist und bleibt es unpassend. Für Eltern, die mit dem Glaubenssatz „Man muss teilen können!“ groß geworden sind oder konfrontiert werden, ist das eine echte Lernaufgabe!


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Hier bloggt simplify-Redakteurin Dunja Herrmann über ihren Alltag, der oft alles andere als einfach ist. Und sie fragt sich und Ihre Leser stets: Geht’s einfacher? Mal findet sie eine Antwort, ein anderes Mal nicht. Der Blog „Ganz einfach Dunja“ kommt mit einem Augenzwinkern daher, nimmt die Leser mit auf Dunjas Weg zur Einfachheit. Übrigens: Hin und wieder genießt die Autorin die Komplexität: „Sie fordert mich einfach“...

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