22.05.2013

Tu was - Initiativen für mehr Zivilcourage


Einmal verfolgte ich ein Gespräch mit, weil eine der beteiligten Frauen total aufgebracht war. „Stellt euch vor, heute Morgen klingelt die Polizei bei mir!“, erzählte die alleinerziehende Mutter. „Das waren meine Nachbarn! Die beschweren sich immer, dass wir zu laut sind. Dabei liegt es an dem Haus. Das ist total hellhörig! Wenn oben der die Musik laut aufdreht, sagt auch niemand etwas!“ Sie wolle ihre Nachbarn anzeigen dafür, dass sie die Polizei auf sie gehetzt haben. Nach und nach lichtete sich die Szene etwas, die sich abgespielt haben musste. Die Frau muss ihre Kinder angebrüllt haben. Da sie zum Lüften immer die Fenster aufhabe, könne man sie dabei ziemlich gut hören. „Die haben mich halt aufgeregt, ich musste zur Arbeit, die beiden zur Schule. Da bin ich halt laut geworden!“

Was wirklich in den 4 Wänden der Familie passiert ist, das blieb mir und den anderen Zuhörerinnen verborgen. Meine Vermutung ist: Wenn die Nachbarn bereit sind, die Polizei zu rufen, kamen solche lautstarken Szenen schon öfter vor. Das gab die Mutter auch zu. Ist die Frau „nur“ überfordert mit ihren Kindern? Oder hat sie sie womöglich wiederholt geschubst oder geschlagen? So wie ich die Situation von außen wahrnehmen konnte, haben die Nachbarn Zivilcourage bewiesen – wenn sie es denn tatsächlich gewesen sind, die die Polizei gerufen haben.

Ein solches Vorgehen mag den Hausfrieden aus der Balance bringen (wenn er nicht durch die auffällige Familie ohnehin gestört ist). Deshalb erfordert es Mut. Courage. Freilich ist das eine Situation, in der sich die anderen kaum einer Gefahr aussetzen. Anders ist es, wenn wir in eine Szene geraten, in der jemand angepöbelt, bedroht oder angegriffen wird. Immer wieder gibt es erschütternde Berichte von Gewaltakten z. B. in U-Bahnhöfen. Damit Passanten und Anwesende nicht hilflos wegschauen, gibt es immer mehr Initiativen und Kampagnen zur Zivilcourage.

Der Weiße Ring startete kürzlich eine bundesweite Kampagne, um die Bevölkerung für das Thema Zivilcourage zu sensibilisieren. Im Mittelpunkt steht der Kurzfilm „Du musst kein Held sein, um ein Held zu sein“, der auch in den Kinos läuft. Von der Polizei gibt es inzwischen eine iPhone-App „tu was“ für Zivilcourage mit Videos, Verhaltenstipps und einer Notruf-Option. Aufschlussreich für mich persönlich waren die sechs Regeln für Zivilcourage der Bremer Initiative „Tu was! Zeig Zivilcourage!“ – sie erläutern recht gut, was in jemandem vorgehen kann, der Zeuge eines Übergriffs wird und welche Lösungen es gibt. Auch hier in der Mediathek gibt es Videos derselben Szene, jeweils mit unterschiedlichem Ausgang.

„Tu was“ ist tatsächlich die Botschaft, die über allem steht!


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Hier bloggt simplify-Redakteurin Dunja Herrmann über ihren Alltag, der oft alles andere als einfach ist. Und sie fragt sich und Ihre Leser stets: Geht’s einfacher? Mal findet sie eine Antwort, ein anderes Mal nicht. Der Blog „Ganz einfach Dunja“ kommt mit einem Augenzwinkern daher, nimmt die Leser mit auf Dunjas Weg zur Einfachheit. Übrigens: Hin und wieder genießt die Autorin die Komplexität: „Sie fordert mich einfach“...

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