30.07.2016

Verlernen wir das Nichtstun?


Ein kurioses Bild bot sich uns am vergangenen Wochenende, als wir zu Besuch bei einem Fest in der Innenstadt waren. Wir liefen gerade vom Festgelände in Richtung Fußgängerzone zur Straßenbahn, als wir an einem großen Denkmal vorbeikamen. Auf dessen Betonsockel saßen viele junge Menschen. Jeder hatte ein Smartphone in der Hand und starrte auf dessen Display.

Ich ließ meinen Blick umherschweifen und sah nur einen jungen Mann, der gerade etwas anderes tat. Selbst gegenüber in den Arkaden eines öffentlichen Gebäudes saßen die Leute auf dem Boden und guckten auf ihr Smartphone. Niemand schien mehr mit der echten Welt um sich herum verbunden.

Ich stupste meine Tochter an und machte sie darauf aufmerksam, in der stillen Hoffnung, dass sie in einigen wenigen Jahren nicht zu diesem Kreis an jungen Menschen zählt. Meiner Meinung nach ist es schwer, das zu verhindern.

Denn seit langem beobachte ich, dass ein Smartphone oder Tablet zum Allround-Pausenfüller heranwachsen. Ich habe gerade nichts zu tun? Dann könnte ich ja mal nach Rezepten fürs geplante Picknick suchen ... oder die Timeline bei Facebook checken ... oder den Blog-Beitrag lesen, zu dem ich gestern nicht gekommen bin.

Bis jetzt saß ich schon zweimal am Rand des Tennisplatzes, als meine Kleine Training hatte, und suchte etwas im Internet. Das hätte ich früher nie gemacht! Aber mein neues Smartphone kann das ganz gut, und wenn die Zeit knapp ist, nutze ich diese Pausen inzwischen tatsächlich. Ein mulmiges Gefühl ist inklusive.

Gerade bei Kindern beobachte ich, wie sie fast keine Chance mehr haben sich zu langweilen oder diesen Medien zu entziehen. Der Abend im Restaurant, die Hochzeitsfeier, das Warten beim Friseur: All das wird gefüllt mit Smartphone oder Tablet. Wie langweilig erscheint das normale Leben dagegen!?

Ich bin ernsthaft besorgt, ob den Generationen nach uns das Nichtstun verloren geht. Mit welcher Konsequenz? Ich kann es nicht absehen. Noch kämpfe ich aktiv dagegen an und lasse Pausen ohne Medien bewusst zu.


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Hier bloggt simplify-Redakteurin Dunja Herrmann über ihren Alltag, der oft alles andere als einfach ist. Und sie fragt sich und Ihre Leser stets: Geht’s einfacher? Mal findet sie eine Antwort, ein anderes Mal nicht. Der Blog „Ganz einfach Dunja“ kommt mit einem Augenzwinkern daher, nimmt die Leser mit auf Dunjas Weg zur Einfachheit. Übrigens: Hin und wieder genießt die Autorin die Komplexität: „Sie fordert mich einfach“...

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