01.08.2012

Verschlossene Türen und eckige Tassen


Meine Frisörbesuche sind bekannt dafür, dass ich dort eine Menge erlebe. Gestern war es gleich so viel, dass dies ein langer Beitrag werden wird! Am Wochenende steht die nächste Hochzeit an. Da es diesmal keine Hutpflicht gibt (hier nachzulesen: „Mein Stern, der hat 5 Zacken ...“), muss die Frisur gut sitzen.

So fuhr ich dann zu meinem Stammfrisör, drei Ortschaften weiter. Ich war begeistert: Es gab noch Parkplätze! Das heißt für gewöhnlich, es ist nicht viel los. Ich parkte direkt vor der Tür, oder vielmehr: Ich wollte dort parken. Als ich noch schnell einen Blick ins Schaufenster warf, war dieses mit weißen Pappbahnen zugehängt. Eigenwillige Schaufenstergestaltung? Nein! „Zu vermieten“ war auf DIN A4-Blättern zu lesen. Verzweifelt suchte ich nach einem Hinweis, ob der Salon umgezogen sei. Vergeblich.

„Was nun?“, schoss es mir durch den Kopf. Zur Frisörkette in den Nachbarort fahren, bei der ich bisher nicht so gute Erfahrungen gemacht habe? In dem Moment sehe ich, dass eine der Mitarbeiterinnen auf der anderen Straßenseite an mir vorbeiläuft. „Soll ich fragen? Ja, Dunja, sonst kommst du ja nicht weit!“, geht es in meinem Kopf weiter. Ich fahre ihr also schnell mit dem Auto hinterher, lasse die Scheibe herunter und frage: „Seid ihr umgezogen?“ „Ja, in die Hauptstraße, neben der Videothek!“ Welch ein Glück! Den Laden gibt es noch!

Also mache ich mich auf in die Hauptstraße und betrete die neuen Räume meines Frisörs. „Haben Sie einen Termin oder viel Wartezeit?“, fragt mich die Mitarbeiterin. Mir standen etliche Fragezeichen im Gesicht. „Habt ihr euer Konzept geändert? Vergebt ihr wieder Termine?“, will ich wissen. Denn bisher bin ich vor allem deshalb zu diesem Frisör gegangen, weil ich dort ohne Termin einen gescheiten Haarschnitt bekommen habe. Ich entscheide mich grundsätzlich spontan zu einem Frisörbesuch – und das regelmäßig montags ...

„Heute Abend um 19 Uhr hätte ich einen Termin frei“, sagt die Mitarbeiterin. Das ist mir zu spät. „Gut, wenn Sie hierbleiben wollen, dann müssen Sie aber 1 Stunde Wartezeit einplanen.“ Okay. „Vielleicht finde ich die neue Men’s Health im Zeitschriftenstapel“, denke ich. Fehlanzeige. Die passt wohl auch nicht mehr ins Konzept. Also greife ich zur Frauenzeitschrift Brigitte. Ich lese die Kolumne, die äußerst amüsant ist und befinde: Mein nächster Blog-Beitrag soll auch mal wieder lustig werden. Noch ist mir nicht bewusst, dass mir das Schicksal an diesem Tag perfekt in die Karten spielt ...

Ich will gleich anfangen zu schreiben, um meine Wartezeit gut zu nutzen. Es ist ja bis dahin schon einiges passiert! Ohne Papier? Macht nichts. Ich nehme mir eine Werbebroschüre vom Blumenladen und überschreibe sie in der Hoffnung, das später wieder entziffern zu können. Im Übrigen gehe ich inzwischen gelassen damit um, dass ich als Redakteurin so gut wie nie einen Block zum Schreiben dabei habe ...

Ich schreibe also, und eine Dame aus dem Team bringt mir eine Tasse Kaffee. Ich schreibe und trinke und schreibe und trinke. Ins Schreiben vertieft schenke ich meiner Tasse nicht die Aufmerksamkeit, die sie verdient. Denn die Tasse ist viereckig. Ich spüre zwar das komische Gefühl einer geraden Kante am Mund, denke aber nicht weiter darüber nach. Nun habe ich schon fast alles ausgetrunken, als ich erneut ansetze. Ich versuche es mal übereck. Das ist komisch. Also gehe ich wieder an den Seitenrand und taste mich vorsichtig an den letzten Schluck heran. Im nächsten Moment wische ich mir beschämt den Kaffee vom Kinn und krame schnell ein Papiertaschentuch aus meiner Tasche. Au weia! Mein T-Shirt hat auch etwas abbekommen!

Ich tupfe mich ab und sage zu meinen Mit-Warterinnen, die gerade einen Kaffee bestellt haben: „Aus einer eckigen Tasse zu trinken ist echt schwierig!“ Sie schauen mich, dann die Tasse an und bedanken sich. „Gut, dann sind wir vorbereitet“, sagt die eine. „Aus einer eckigen Tasse habe ich noch nie getrunken“, die andere.

Als ihre Tassen kommen, schaut die Überbringerin entschuldigend zu mir und sagt: „Das habe ich vorhin ganz vergessen zu erwähnen: Sie müssen den letzten Schluck übereck trinken!“ „Ja, bei mir ist’s schon daneben gegangen“, antworte ich. Nun weiß ich wenigstens, dass es ein Massen- und kein Dunja-Problem ist. Eine der Mit-Warterinnen entscheidet sich, es gleich mal übereck zu probieren. Sie brummelt unzufrieden etwas vor sich hin. Dann die Kante. „Also: Eckige Tassen sind ein Unding! Die trinken sich ja beim ersten Schluck schon komisch!“

„Man probiert’s ja nicht aus, wenn man’s kauft“, geht die Frisörin auf sie ein. „Man guckt nur auf den Style.“ Aha. „Wir könnten ja behilflich sein und die Tassen runterfallen lassen“, schlägt meine Sitznachbarin vor. „Aber die sind doch neu gekauft!“, entrüstet sich die Frisörin. „Außerdem stimmte der Preis!“

Also, mindestens wir drei Kundinnen haben an diesem Tag gelernt: Eckige Tassen mögen etwas fürs Auge sein, zum Trinken sind sie ungeeignet!


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Ganz einfach Dunja

Hier bloggt simplify-Redakteurin Dunja Herrmann über ihren Alltag, der oft alles andere als einfach ist. Und sie fragt sich und Ihre Leser stets: Geht’s einfacher? Mal findet sie eine Antwort, ein anderes Mal nicht. Der Blog „Ganz einfach Dunja“ kommt mit einem Augenzwinkern daher, nimmt die Leser mit auf Dunjas Weg zur Einfachheit. Übrigens: Hin und wieder genießt die Autorin die Komplexität: „Sie fordert mich einfach“...

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