09.08.2011

Vom Öko-Laden zur Wohlfühl-Lounge


Am Wochenende war ich in meiner Heimatstadt und machte dort einen kleinen Stadtbummel. Mein Weg führte mich auch zu einem Laden, dessen Besitzer und Grundsortiment ich schon seit meiner Kindheit kenne. Ich bin jedes Mal begeistert und fasziniert davon, wie sich das Geschäft entwickelt hat.

Es handelt sich um einen Teeladen. Wir tranken in meiner Familie schon früher viel Tee, weshalb wir seit Ende der 1970er-Jahre dort einkaufen. Das Ehepaar, das den Laden gründete, begann in einer abgelegenen Hintergasse, etwas fernab vom Hauptstrom der Fußgängerzone. Später zogen sie um in eine B-Lage, wo sie sich auch heute noch befinden (vielleicht um eins, zwei Häuser verrückt) – seit dieser Zeit nahm auch ich sie bewusst wahr.

Die beiden Besitzer verkörperten genau den Typus der Öko-Bewegung: Gebatikte, weite Klamotten, die Haare mit Henna gefärbt, lang, irgendwie um den Kopf drapiert und mithilfe eines olivgrünen Schals befestigt. Das traf zumindest auf die Frau zu. Auch ihn konnte man eindeutig als „Öko“ erkennen, nicht zuletzt durch einen Blick auf das Schuhwerk. Neben klassischen schwarzen und grünen Tees, allerlei Dosen und Geschirr gab es noch eine Ecke mit Räucherstäbchen und eine kleine Auswahl an Yogi-Tee.

Die Jahre vergingen und der Laden hielt sich wacker. Die beiden waren dort immer präsent, ich kann mich nicht erinnern, dort jemals einen anderen Menschen hinter der Theke gesehen zu haben. Ich weiß, obwohl ich selbst irgendwann dort nicht mehr zu Besuch war, dass der Laden zwischendurch eine lange Durststrecke zu verkraften hatte.

Heute ist Tee wieder Ausdruck eines bestimmten Lebensgefühls. In der Hektik des Alltags suchen wir die Ruhe, den Ausgleich und Menschen, die sich für uns interessieren. Und diese Welle brachte das Teegeschäft wieder ganz nach oben. In einer Zeit, in der wir kaum noch ein Geschäft in der Fußgängerzone mit einer Familientradition verbinden, treffen wir dort immer noch dasselbe Ehepaar an.

Sie wirken jünger denn je, immer noch ein wenig alternativ, gepflegt. Beide Kinder sind ins Geschäft mit eingestiegen, sodass man dort nicht mehr nur die beiden, sondern gleich drei Familien antrifft. Die Ladenfläche ist riesig, im hinteren Teil entstand eine Tee-Lounge mit Garten. Neben den klassischen Teesorten gibt es allerlei moderne, immer noch viel Geschirr, Gebäck, besondere Süßigkeiten, Naturkosmetik, ätherische Öle, Heilkräuter und Beratungsangebote, die zu den ganzen Themen passen. Das Ehepaar finden wir häufig vor der Theke, im Gespräch mit den Kunden.

Diese Beständigkeit, die finde ich faszinierend. Ich würde gerne hinter das Geheimnis kommen, wie die beiden es geschafft haben, nicht nur ihren Laden, sondern auch ihre Beziehung aufrecht zu erhalten und noch die nächste Generation mit ihren ganz anderen Vorstellungen zu integrieren. Ich kann es mir nur so vorstellen: Sie haben an sich und ihre Vision geglaubt. Und sie waren bereit für Veränderung in einem Rahmen, den sie gesetzt haben.


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Hier bloggt simplify-Redakteurin Dunja Herrmann über ihren Alltag, der oft alles andere als einfach ist. Und sie fragt sich und Ihre Leser stets: Geht’s einfacher? Mal findet sie eine Antwort, ein anderes Mal nicht. Der Blog „Ganz einfach Dunja“ kommt mit einem Augenzwinkern daher, nimmt die Leser mit auf Dunjas Weg zur Einfachheit. Übrigens: Hin und wieder genießt die Autorin die Komplexität: „Sie fordert mich einfach“...

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