26.02.2014

Von autonomen und abhängigen Wünschen


Meine Freundin Alexa schenkte mir vor kurzem das Buch „Papa, was ist Liebe“ von Jacques Salomé. Er ist Begründer der „Methode ESPERE“ (franz.: j’espère = ich hoffe), die in Frankreich recht bekannt ist und die wir beide erlernen. Salomé dokumentiert darin Gespräche mit seiner Tochter über die Liebe.

Recht weit hinten im Buch gibt es ein Kapitel, das ich besonders interessant finde. Es ist das über autonome und abhängige Wünsche. Mir hat das Lesen einen, nein sogar zwei Aha-Effekte beschert. Darum möchte ich euch die Wünsche näher vorstellen:

Ein autonomer Wunsch ist ein Wunsch, den ich mir selbst erfülle. Habe ich z. B. eine Einladung zu einer Party und möchte diese annehmen, dann gehe ich dort hin. Ich komme diesem Wunsch selbst nach.

Ein abhängiger Wunsch wäre es, wenn ich eine Einladung zu einer Party hätte. Ich bin mir aber unsicher, ob ich dort hingehen will. Wenn mein Partner mich begleiten würde, wäre ich sehr gerne dort. Ich brauche also eine andere Person, um auf die Party zu gehen, mache mein Erscheinen dort von ihr abhängig. Wenn der andere aber gar nicht den Wunsch hegt, zur Party zu gehen? Dann bin ich frustriert und enttäuscht. Nicht, weil ich die Party verpasse, sondern weil mein Partner nicht mit will. Die ganze Enttäuschung versperrt mir die Sicht auf die positiven Signale in einer Paarbeziehung.

Dann gibt es da noch den abhängigen Wunsch hoch zwei – eine tolle Formulierung, wie ich finde! Dieser liegt dann vor, wenn ich mir wünsche, dass mein Partner sich wünscht, mit mir gemeinsam auf die Party zu gehen. Nach dem Motto: „Du musst doch auch den Wunsch haben, Zeit mit mir zu verbringen! Dann kannst du doch auch mit mir auf die Party gehen!“

Salomé wählte ein anderes Beispiel, nämlich den Wunsch nach einer Rose. Seine Tochter fand das etwas altmodisch. Deshalb habe ich den Wunsch in meinem Beispiel einfach ersetzt.

Was durch diese Kategorisierung recht deutlich wird: Abhängige Wünsche schaden einer Beziehung! Also ich habe mich beim Lesen direkt wiedererkannt und festgestellt, dass ich auch schon abhängige Wünsche hatte. Nachdem ich noch eine Weile darüber nachdachte, habe ich sogar abhängige Wünsche hoch zwei gefunden ...

Diese neue Klarheit hilft mir seither, meine Wünsche besser einordnen zu können. Stelle ich fest, dass ich einen abhängigen Wunsch habe, kann ich mich z. B. fragen: Wie wichtig ist mir die Party? Wenn sie mir wichtig ist, entscheide ich mich dafür. Meinem Partner stelle ich es frei mitzukommen. Ein Nein werde ich respektieren können, denn es ist ein Wunsch, den ich mir selbst erfüllen kann und werde.

Das Buch "Papa, was ist Liebe. Gespräche mit meiner Tochter" von Jacques Salomé ist 2000 im Ariston-Verlag erschienen und leider nur gebraucht erhältlich; ISBN 3-7205-2151-6.


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Hier bloggt simplify-Redakteurin Dunja Herrmann über ihren Alltag, der oft alles andere als einfach ist. Und sie fragt sich und Ihre Leser stets: Geht’s einfacher? Mal findet sie eine Antwort, ein anderes Mal nicht. Der Blog „Ganz einfach Dunja“ kommt mit einem Augenzwinkern daher, nimmt die Leser mit auf Dunjas Weg zur Einfachheit. Übrigens: Hin und wieder genießt die Autorin die Komplexität: „Sie fordert mich einfach“...

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