05.01.2012

Von den Eltern, die auszogen, um das Erziehen zu lernen – Woche 1: Wie alles begann


Es war einmal ein Elternpaar, das sich nichts sehnlicher wünschte als ein Kind. Irgendwann erfüllte sich Ihnen dieser Wunsch. Und von da an nahm die Geschichte ihren Lauf. Das ganze trug sich zu in einem Land, das selbst eine sehr bewegte Geschichte hatte. So wuchs jede Generation mit anderen, teils gegensätzlichen Ansichten darüber auf, wie Kindererziehung zu sein habe.

Und in der Zeit, in der das Elternpaar lebte, schien keines der alten Systeme mehr so richtig zu passen. Schlaue Bemerkungen in Magazinen und Ratgebern, wie „vertrauen Sie beim Erziehen auf Ihre Intuition“, hatten zwar einen guten Klang, halfen dem Paar aber wenig. Denn irgendwie hatte es keinen Zugang zu dieser elterntypischen Intuition. Stattdessen aber plagte es eine große Verunsicherung. Selbst teils tief verletzt durch Erziehungsmaßnahmen der eigenen Eltern wollte es alles besser machen. Irgendwie perfekt sein, in einer Zeit, in der doch alles schon so weit und fortschrittlich ist.

Aus dem Kind sollte etwas werden. Ein Mensch mit Werten. Einer, der sich zu benehmen weiß, der andere respektiert. Einer, der sich jedoch nicht duckt, um es allen recht zu machen. Einer, der sich traut zu sagen, was ihn bewegt. Aber auch einer, der andere nicht bevormundet. Einer, der im Leben zurechtkommt. Einer, der nicht so gegen seine Unzulänglichkeiten ankämpfen muss wie seine Eltern. Einer, der seine Schwächen in Stärken zu verwandeln weiß. Einer, der es einmal zu etwas bringt. Der einen Beruf wählt, der ihm Spaß macht. Der weiß, was Familie und Bindung bedeutet – auch wenn in diesem Land viele Elternpaare längst nicht mehr zusammenleben. Hätten die Eltern sich all das einmal aufgeschrieben, was sie sich erwarten, hätten sie schnell gemerkt, dass sie eigentlich ganz schön viel von sich selbst und ihrem Kind abverlangten. Aber das taten sie nicht. Sie lebten ihr Leben so gut sie konnten.

Doch immer wieder verfielen sie in eine große Verunsicherung: Die Medien zeigten ihnen ständig, was in der Erziehung alles schief gehen konnte. So gab es in diesem Land zum Beispiel Dokumentationen darüber, wie entgleiste Jugendliche in die Wüste geschickt wurden. Oder Helferinnen, die nach Hause kamen, um überforderte Eltern zu retten. Es gab Menschen, die mal öffentlich, mal hinter vorgehaltener Hand die Kinder ihrer Zeit als Tyrannen bezeichneten. Es gab Eltern, die ihre Kinder „Terrorzwerge“ oder sich selbst „ergebene Diener“ ihres Kindes nannten. Es gab Experten, die mit erhobenem Zeigefinger alle Eltern darauf hinwiesen: „Wenn ihr das im Kleinkindalter nicht hinkriegt, habt ihr in der Pubertät verloren!!!“

„Um Himmels Willen!“, dachte sich das Elternpaar. „Das müssen wir irgendwie unterbinden. Da müssen wir gegensteuern.“ Und insgeheim wusste es, dass es nichts darüber wusste, wie das am besten geht. Ihre Eltern waren weit fort und Freunde waren meist genauso verunsichert wie sie selbst. Das Elternpaar musste also seinen eigenen Weg finden. Und so zog es schon früh aus, um das Erziehen zu lernen ...

Die Fortsetzung folgt am 12. Januar


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Hier bloggt simplify-Redakteurin Dunja Herrmann über ihren Alltag, der oft alles andere als einfach ist. Und sie fragt sich und Ihre Leser stets: Geht’s einfacher? Mal findet sie eine Antwort, ein anderes Mal nicht. Der Blog „Ganz einfach Dunja“ kommt mit einem Augenzwinkern daher, nimmt die Leser mit auf Dunjas Weg zur Einfachheit. Übrigens: Hin und wieder genießt die Autorin die Komplexität: „Sie fordert mich einfach“...

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