12.01.2012

Von den Eltern, die auszogen, um das Erziehen zu lernen – Woche 2: Die Sache mit dem Schlafen


Auch wenn es eine Wiederholung ist: Das Elternpaar war sehr froh darüber, Nachwuchs zu haben. So ließ es sich in den ersten Wochen und Monaten mit allen Sinnen auf ihn ein. Das Kind war sehr aufgeweckt und neugierig, die Welt zu entdecken. Die Eltern redeten viel mit ihm, erklärten ihm und zeigten ihm alles. Schließlich sollte es erst einmal seine Umwelt kennenlernen – möglichst viel davon, denn das hatten die Eltern gehört: je mehr Eindrücke, desto besser für die Entwicklung. Und sie wollten ja nur das Beste!

Bevor sie ein Kind bekamen, hörten sie einmal von einem Land, in dem Eltern ihre Kinder pünktlich genau zur selben Zeit ins Bett legen. Die Bewohner dort tun das wohl, damit es weniger Geschrei und schlaflose Nächte gibt. Für unser Elternpaar war die Vorstellung sehr befremdlich, sich immer nach dem kleinen Erdenbürger zu richten. Nun hatte es selbst ein Kind, das – man kann es sich schon denken – mit dem Schlafen so seine Schwierigkeiten hatte. Tagsüber war gar nicht an Schlafen zu denken, und auch des Nachts konnte es schon mal lauter werden.

Trugen sie das Kind, war es glücklich und schlief auf dem Arm ein. Legten sie es hin, fing es wieder an zu schreien. Sie wären froh gewesen, wenn es in ihrem Leben eine Uhrzeit gegeben hätte, zu der das Kind zuverlässig jeden Tag eingeschlafen wäre. Aber ihre Tage und Nächte glichen einem Abenteuer. So probierten sie dann alles aus, was der Markt feilbot, um solchen Kindern das Einschlafen zu erleichtern. Denn das Problem war im Land des Elternpaares gar nicht so selten.

„Ihr müsst es einfach mal schreien lassen!“, presste der Großvater ab und zu durchs Telefon. „Das hat euch auch nicht geschadet.“ „Doch“, dachte sich das Elternpaar. „Wir hätten uns gewünscht, dass ihr mehr auf uns eingeht!“ Auch in Büchern gab es Techniken, die helfen sollten, ein Kind zum Schlafen zu bewegen. Ratlos und müde probierte das Elternpaar auch diese aus. Mit mäßigem Erfolg. „Das Kind muss doch einen Grund haben, warum es schreit und bei uns sein will“, dachten sie. „Wir wollen ihm alles geben, was es braucht!“

In der Nacht sah es dann so aus, dass die Mama das Kind mehrmals aus dem Kinderbettchen zu sich holte. Das tat ihr nicht gut. Sie fühlte sich ausgelaugt, unausgeschlafen und ihr Rücken tat weh. So kam es dann, dass das Kind immer häufiger im elterlichen Bett schlief. Der Papa musste jeden Morgen in der Früh zur Arbeit aufbrechen. Er fühlte sich durch das nächtliche Aufwachen in seinem Schlaf gestört und zog aus. Von da an schlief er im Gästezimmer des Hauses.

So funktionierte der Alltag ganz gut. Es stellten sich – oh Wunder – noch feste Schlafenszeiten ein. Und die Eltern taten alles, diese auch einzuhalten! Doch was sie kaum wahrnahmen, war eine wachsende innere Unzufriedenheit. Irgendwie fühlten sie sich nicht wohl in ihrer Haut, waren aber so sehr damit beschäftigt, ihr Kind zufriedenzustellen, dass sie dachten: „Das muss wohl so sein. Das gehört dazu.“

Irgendwann wurde die Mama des Kindes sehr krank. Noch immer kümmerte sie sich um das Kleine, sooft dieses sie zu brauchen schien. Mama tat alles, um dem gerecht zu werden. Doch ihr selbst ging es immer schlechter. Sie vertraute sich eines Tages einer Mutter an, die sie gerade kennengelernt hatte. Diese hatte bereits fünf Kinder geboren und war sich ihrer Sache mittlerweile sehr sicher. „Beim ersten wusste ich auch noch nicht so recht, wo es langgeht“, hatte sie der Mama gesagt. „Spätestens beim fünften weißt du es“, meinte sie schmunzelnd. Die kranke Mama musste selbst lachen und fühlte sich zum ersten Mal seit langem gehört.

Was die erfahrene Mutter ihr mitgab, war eigentlich ganz einfach: Sie musste nicht ständig und zu jeder Zeit alles tun, wonach ihr Baby verlangte. Im Gegenteil: Dem Kleinen würde es guttun, sich abzunabeln. Das gebe ihm die Chance zu wachsen und sich mehr seiner spannenden Umwelt zu widmen. Das war auch schon alles zur Theorie. Ganz praktisch hieß das für das Elternpaar: Wenn es merkte, dass es an seine (mittlerweile nun auch körperlichen) Grenzen geriet, durfte es ruhig sagen: „Jetzt bleibst du in deinem Bett liegen, mein Kind. Wir wollen alle schlafen. Wenn du am Morgen wieder aufwachst, nehmen wir dich gerne zu uns.“ Für die Mama war das eine Erleichterung! Es würde ihrem Kind nicht schaden, wenn sie auch auf sich achtet. Und der Papa, der zog irgendwann wieder ins Schlafzimmer ein.

Doch das war nur das Schlafen ... So warteten dann noch viele andere Herausforderungen auf das Elternpaar.


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Ganz einfach Dunja

Hier bloggt simplify-Redakteurin Dunja Herrmann über ihren Alltag, der oft alles andere als einfach ist. Und sie fragt sich und Ihre Leser stets: Geht’s einfacher? Mal findet sie eine Antwort, ein anderes Mal nicht. Der Blog „Ganz einfach Dunja“ kommt mit einem Augenzwinkern daher, nimmt die Leser mit auf Dunjas Weg zur Einfachheit. Übrigens: Hin und wieder genießt die Autorin die Komplexität: „Sie fordert mich einfach“...

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