19.01.2012

Von den Eltern, die auszogen, um das Erziehen zu lernen – Woche 3: Das Kind als Spiegel


Das Kind aus unserem Märchen wuchs heran. Es entwickelte sich altersgemäß. Und das Elternpaar war sich früh gewiss: Sein Kind wusste genau, was es will. Zum Beispiel alleine den Löffel zu halten anstatt gefüttert zu werden oder nach Herzenslust auf dem Klavier zu klimpern.

Als das Kind begann, sich aufzurichten und auf zwei Beinen zu stehen und zu gehen, richtete sich auch sein Selbst auf. So vieles war nun möglich! Es war unabhängiger geworden – welch ein Gefühl! Und Grenzen, waren es nun echte Barrieren oder gesprochene Worte und strenge Gesten, die mochte es so gar nicht. Es protestierte lautstark und manchmal auch mit dem ganzen Körper.

Dem Elternpaar wurde langsam aber sicher bewusst: Dieser kleine Mensch brauchte nun mehr als Fürsorge, Geborgenheit und Liebe. Doch was war dieses „Mehr“? Wie sollten sie es benennen? Grenzen? Konsequenz? Strenge? Abgrenzung? Und mehr noch als einen Namen dafür zu finden beschäftigte es die Frage: „Wie können wir das so leben, dass wir glaubwürdig sind?“

Viel Zeit, um diese Frage zu beantworten, blieb dem Elternpaar nicht. Es machte irgendwie weiter. Und geriet im Alltag immer mehr an eigene Grenzen. So wie an dem Tag, als die Mama mit dem Kleinen bei Freunden zu Besuch war. Die Kinder  spielten vergnügt miteinander. Irgendwann bemerkte die Mama: Ihr Kind brauchte eine neue Windel. Sie sagte: "Kommst du bitte mal zu mir? Wir müssen dir eine frische Windel machen!" Das Kind jedoch war so ins Spielen vertieft, dass es nur kurz zur Mama schaute und fröhlich davonflitzte. Bestimmt 15-mal versuchte es die Mama in den nächsten anderthalb Stunden mit Worten. Ohne Erfolg. Mit dicker, nasser Windel gingen sie nach Hause. Die Mama hatte es aufgegeben. Was sollte sie auch tun? Ihr Kind einfach packen und unter Geschrei die Windeln wechseln? Für die Mama ein Szenario, dass sie sich gar nicht vorstellen mochte. Doch manchmal, wenn nach 15-maliger Aufforderung immer noch nichts passiert war, da tat sie es wutschnaubend – und fühlte sich elend danach.

Wenn sie ein Problem auf diese Art löste, war sie meist zu Hause. Denn in Gesellschaft anderer, da wollte sie eine „gute Mutter“ sein. Doch es war kaum zu vermeiden, dass auch anderswo die Schwierigkeiten auftauchten. Ihr Kind hatte zum Beispiel die Angewohnheit, jedes Gespräch zu stören – mit einer Ausdauer, die zu bewundern war. Mama sagte: „Hör’ auf!“ Ihr Kind fing kurz darauf wieder von vorne an. Es wurde immer lästiger und steigerte sich so, dass es der Mama ganz unangenehm war. Was sollte sie nur tun?

Immer häufiger wurde es laut im Hause unseres Elternpaares, alles entglitt ihm, es schrie, das Kind stimmte mit ein. Mama und Papa besprachen die vielen Situationen, die sie ratlos machten. So kamen sie irgendwann zu dem Schluss: „Das Kind zeigt uns ganz genau auf, wo unsere Schwächen liegen! Wir müssen uns anders zu den Dingen verhalten!“ Also schauten sie von nun an immer auch auf sich selbst, wenn es Auseinandersetzungen mit dem Kind gab. Sie waren froh, gemeinsam diese neue Sicht auf ihre Beziehung zum Kind entdeckt zu haben. Ihnen war bewusst, dass ihr Kind sie ein Leben lang dazu auffordern würde, an sich selbst zu arbeiten. Eine Herausforderung, die das Elternpaar gerne annehmen wollte.

Doch: Die Kämpfe zwischen Eltern und Kind verschwanden dadurch nicht. Irgendwann war das Elternpaar es überdrüssig sich zu fragen, was es mit ihnen beiden selbst zu tun hat. Es wollte einfach nur einmal ein „normales“ Familienleben haben! Und so steuerte es auf seinem Weg das Erziehen zu lernen die nächste große Station an ...


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Ganz einfach Dunja

Hier bloggt simplify-Redakteurin Dunja Herrmann über ihren Alltag, der oft alles andere als einfach ist. Und sie fragt sich und Ihre Leser stets: Geht’s einfacher? Mal findet sie eine Antwort, ein anderes Mal nicht. Der Blog „Ganz einfach Dunja“ kommt mit einem Augenzwinkern daher, nimmt die Leser mit auf Dunjas Weg zur Einfachheit. Übrigens: Hin und wieder genießt die Autorin die Komplexität: „Sie fordert mich einfach“...

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