09.02.2012

Von den Eltern, die auszogen, um das Erziehen zu lernen – Woche 6: Klarheit von echten Eltern


Jeder, der selbst Kinder hat, weiß, dass es seine Zeit braucht, um Dinge zu verändern. Erst recht, wenn – wie im Falle unseres Elternpaares – noch gar nicht richtig klar ist, wie zum Beispiel „Grenzen“ zu definieren sind. Es gibt Phasen, in denen kommen Eltern sehr gut mit den Mitteln aus, die in ihnen sind. Und es kommen Zeiten, in denen wünschen sie sich eine Idee davon zu haben, welche Werkzeuge es noch gibt und wie sie anzuwenden sind.

Unser Elternpaar befand sich gerade in einer Phase, in der es sich gut fühlte mit dem, was es schon wusste. Es versuchte so gut es ging auch die Bedürfnisse seines Kindes zu sehen und zu respektieren. Es erklärte ihm viel und fragte oft nach, ob es denn das sei, was das Kind gerade brauchte, oder ob es vielleicht etwas anderes nötiger hatte.

Eines Tages erzählte eine Mutter im „Frauenkreis“, den die Mama regelmäßig besuchte, eine lehrreiche Geschichte: Die Mutter hatte mit ihren beiden Töchtern am Tag zuvor eine Auseinandersetzung. Die beiden wollten von ihr wissen, ob sie mit einer knetbaren, farbigen Masse in ihrem Zimmer spielen durften. Normalerweise durften ihre Mädchen das nur am Küchentisch. Der Mutter war das also nicht recht. Es hätte nahe gelegen, mit einem „Nein“ zu antworten. Doch die Mutter sagte stattdessen zerknittert: „Ihr wisst, dass ich es nicht gerne sehe, wenn ihr das macht.“ Daraus entstand ein großer Zwist. Die drei fingen an zu diskutieren, es wurde laut. Irgendwann zogen sich alle zurück, weil es einfach kein Ende nahm.

Die Mutter hat ansonsten eine gute Verbindung zu ihren Töchtern. Sie hat den beiden beigebracht, offen zu sagen, was sie denken und fühlen. Am Abend nach ihrer Auseinandersetzung waren die beiden zu ihr gekommen. Die große Tochter hatte gesagt: „Mama, wir wollten einfach nur eine klare Antwort von dir haben! Entweder, dass wir das dürfen oder dass wir es eben nicht dürfen!“ Der Mutter fiel es wie Schuppen von den Augen! Jetzt hatte sie verstanden. Auch wenn für sie das Herumdrucksen und „Ihr wisst, dass ich es nicht gerne sehe“ eigentlich ein „Nein“ bedeutet hatte: Es war ihren Kindern gegenüber nicht klar genug!

Alle Köpfe im Frauenkreis nickten, nachdem sie die Geschichte gehört hatten. Klar! Ihre Kinder brauchten Klarheit von ihnen! Und, das fanden die Frauen im Gespräch heraus, sie wollten echte Antworten haben! Kein „Naja, gut“, wenn die Mutter eigentlich dagegen war. Ein echt gemeintes „Ja“ oder „Nein“, das zur Körperhaltung und Stimme der Mutter passte. Alles andere – das erkannten die Frauen – war schlichtweg unglaubwürdig.

Auch diese Erkenntnis gehört zu den Dingen, die sich nicht von heute auf morgen verändern lassen. Sie hatte irgendwie mit den Ich-Botschaften und Bedürfnissen zu tun, die unser Elternpaar schon kennengelernt hatte. Doch das Bewusstsein für die Klarheit zwischen innen und außen, ist durch diese Erzählung noch stärker geworden. Unsere Mama sagte nun öfter „Nein“ zu ihrem Kind, wenn sie auch „Nein“ meinte. Natürlich beobachtete sie sich auch dabei, wie sie „Nein“ meinte und gegen sich selbst ein „Ja“ verlauten ließ. Wenn sie das ihrem Mann erzählte, tröstete er sie: „Werte dich nicht ab dafür, dass du heute nicht echt warst. Das hilft keinem von euch beiden. Wichtig ist, dass du dich auf den Weg gemacht hast, so zu handeln, wie du es von innen heraus spürst.“


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Hier bloggt simplify-Redakteurin Dunja Herrmann über ihren Alltag, der oft alles andere als einfach ist. Und sie fragt sich und Ihre Leser stets: Geht’s einfacher? Mal findet sie eine Antwort, ein anderes Mal nicht. Der Blog „Ganz einfach Dunja“ kommt mit einem Augenzwinkern daher, nimmt die Leser mit auf Dunjas Weg zur Einfachheit. Übrigens: Hin und wieder genießt die Autorin die Komplexität: „Sie fordert mich einfach“...

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