23.02.2012

Von den Eltern, die auszogen, um das Erziehen zu lernen – Woche 8: Was Kinder brauchen


Unsere Eltern, die auszogen, um das Erziehen zu lernen, hatten bereits sieben Stationen hinter sich, als sie von einem weisen Mann aus einem fernen Lande hörten. Er hatte schon viele Jahrzehnte seines Lebens Gelegenheit gehabt, mit jungen wie mit erwachsenen Menschen zu arbeiten. Was er zu erzählen hatte, bereicherte das Elternpaar wie ein wertvoller Schatz. Nein, es war gleich eine ganze Truhe voller Schätze!

Zunächst einmal lernte das Elternpaar, dass es sehr wohl einen Unterschied gab zwischen Konsequenzen, Drohungen und Erpressung. Es hatte sich diesen im Prinzip schon selbst erarbeitet, nun aber konnte er ins Bewusstsein kommen. Drohungen und Erpressungen kannten Mama und Papa nur zu gut aus ihrer eigenen Kindheit. „Jetzt mach’ deine Hausaufgaben, sonst gibt es eine Woche lang keinen Nachtisch für dich!“ ist eine Drohung, weil sie eine Strafe ankündigt, die in keinem Bezug zur eigentlichen Sache steht. „Wenn du nicht brav bist, habe ich dich nicht lieb“ ist eine Erpressung, weil sie keinen Ausweg bietet: Bei jedem nicht braven Verhalten gibt es Liebesentzug. Eine logische Konsequenz dagegen folgt aus der Sache selbst: Wenn das Kind immer vorneweg laufen will, bleibt es eben den Rest des Weges an Mutters Hand – so wie in der Station, die unser Elternpaar zuletzt gemacht hatte. Kinder brauchen einen klaren Rahmen, war die Botschaft des weisen Mannes. Wenn sie den nicht bekommen, fordern sie ihn mit ihrem Verhalten mitunter unerbittlich ein!

Dann lernte das Elternpaar noch etwas vollkommen Neues: dass ihr Kind nicht nur eine Mama und einen Papa braucht, sondern auch eine Mutter und einen Vater! Während Mama und Papa vor allem in den ersten Lebensmonaten im Vordergrund stehen, dürfen Mutter und Vater ab dem Kleinkindalter immer präsenter werden: Mama und Papa trösten, spielen, umsorgen, sind zärtlich – Mutter und Vater geben den Rahmen vor, in dem sich das Kind bewegen darf. Sie helfen ihm dabei, immer selbstständiger zu werden und innerlich zu reifen. Natürlich gibt es da noch ganz andere Rollen, die die beiden in ihrem Alltag einnehmen. Doch dass ihr Kind auch mal nur eine Mutter haben darf, ohne Mama, das war eine wichtige Erkenntnis. Denn man muss wissen, das Mamas und Papas manchmal deshalb sehr nachsichtig sind, weil sie mit den eigenen Verletzungen aus ihrer Kindheit noch zu kämpfen haben. Auf der anderen Seite können Mamas und Papas am Verhalten ihrer Kinder verzweifeln, wenn sie Mutter oder Vater vor ihnen verbergen.

Der weise Mann machte dem Elternpaar noch etwas Wichtiges bewusst: Ihre Beziehung zu ihrem Kind würde immer eine Eltern-Kind-Beziehung sein, auch wenn ihr Kind längst erwachsen ist! Während sie als Erwachsene zwischen ihren Rollen hin- und herwechseln könnten, so dürften sie nie zulassen, dass ihr Kind die Rolle der Mama, Mutter oder des Papas, Vaters übernehme! Eltern sind ihrem Kind gegenüber keine Kinder und nehmen auch nur begrenzt die Rollen einer Freundin oder eines Freundes ein. Sie sind Eltern.

In der Schatzkiste des weisen Mannes befanden sich noch viele Dinge, die den Eltern beim Erziehen und im liebevollen Anleiten ihrer Kinder helfen sollten. Ja, Kinder. Denn das Elternpaar erwartete erneut Nachwuchs – und bekam damit die Chance, immer sicherer zu werden als Mama, Papa, Mutter und Vater.

Damit endet unser Märchen über die Eltern, die auszogen, um das Erziehen zu lernen. Vielleicht wird es eines Tages fortgesetzt. Denn wie das Elternpaar schon ganz zu Anfang feststellte: Seine Kinder werden ihm immer wieder neue Lebensaufgaben stellen!

Den "weisen Mann" gibt es übrigens wirklich: Der Franzose Jacques Salomé bietet mit seiner Methode ESPERE Wege an, damit wir mit uns selbst (und anderen) ins Reine kommen. Vieles betrifft auch die Beziehung zu unseren Kindern. Im Deutschen empfehle ich dazu von Monika Wilke das "Übungsbuch Einfühlsame Kommunikation. Die Grundlage der Methode ESPERE in zehn Schritten".


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Hier bloggt simplify-Redakteurin Dunja Herrmann über ihren Alltag, der oft alles andere als einfach ist. Und sie fragt sich und Ihre Leser stets: Geht’s einfacher? Mal findet sie eine Antwort, ein anderes Mal nicht. Der Blog „Ganz einfach Dunja“ kommt mit einem Augenzwinkern daher, nimmt die Leser mit auf Dunjas Weg zur Einfachheit. Übrigens: Hin und wieder genießt die Autorin die Komplexität: „Sie fordert mich einfach“...

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