28.03.2012

Von Papierkörben und Pflanzkübeln


Als ich gestern einen kurzen Hinweis las, dass die thüringische Stadt Altenburg nun Papierkorbpatenschaften anbietet, standen mir Fragezeichen im Gesicht: Leeren die Paten die Papierkörbe selber aus? Wo stehen die überhaupt? In Büros? Oder sind damit Abfalleimer im Stadtgebiet gemeint? Womöglich sind die Paten dafür zuständig, herumliegenden Müll einzusammeln und in ihren Papierkorb zu schmeißen? Es half alles nichts, ich recherchierte nach.

Und siehe da, es ist ganz einfach: Papierkörbe sind Abfallbehälter im städtischen Raum. Und Patenschaft bedeutet lediglich, dass hier jemand einen Papierkorb bezahlt. Altenburg hat rund 35.000 Einwohner und derzeit 290 Abfallkörbe. Stadträten, Bürgerinnen und Bürgern ist schon lange klar, dass diese nicht ausreichen, um für Ordnung zu sorgen. Deshalb arbeitete die Stadtwirtschaft schon an dem Thema, bis vor kurzem die Piratenpartei noch einmal auf die Lücken im Papierkorb-Netz der Stadt hinwies. Nun werden Nägel mit Köpfen gemacht und Paten gesucht.

Mehr als 30 haben sich schon bereit erklärt, die Kosten für einen neuen Korb zu übernehmen. Insgesamt fehlen 30 Körbe, 50 alte müssen überdies ausgewechselt werden. Die Stadt Altenburg (hier wurde übrigens das Skat-Spiel entwickelt) ist vorbildlich im Patenschaft vergeben und übernehmen: Neben Papierkörben wurden bereits Patenschaften für Bänke und Tierpatenschaften für den Zoo erfolgreich angenommen.

Ich bin immer wieder erstaunt, was sich Kommunen, Institutionen, Vereine oder engagierte Bürger alles einfallen lassen, um kostensparend arbeiten zu können oder um einfach etwas Gutes fürs Allgemeinwohl zu tun. Nach Guerilla-Stricken ist zum Beispiel nun das Guerilla-Gärtnern im Kommen: Wenn es irgendwo trostlos aussieht und in Pflanzkübeln das Unkraut sprießt, wird eingepflanzt, was der grüne Daumen hergibt.

Beispielhaft finde ich das Guerilla-Gardening-Projekt der Betreuungsgruppe von demenzbetroffenen Menschen in Stuttgart-Mitte. In ihrem Steckbrief berühren mich Aussagen wie „Grundsatz: Immer einen Ort in einem besseren Zustand verlassen als man ihn vorgefunden hat.“ Oder: „Was es noch braucht: 1 kleine Schaufel, 1 oder 2 kleine Gießkannen, 1 Müllsack sowie eine Prise Zivilcourage, Schalk und Freude an Pflanzen.“ Sowie: „Übrigens: Sollte es wider Erwarten bei einer solchen Aktion Probleme mit Personen des Gartenbauamts geben, sind die Betreuenden angehalten, alle Gruppenteilnehmer/-innen unverzüglich aus der „Konfliktzone“ wegzuführen, während die Gruppenleitung sich der Situation stellt.“ Da die genannten Daten von 2011 stammen, hoffe ich, dass die Stuttgarter Garten-Guerillas immer noch wirken!


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