02.04.2012

Warum entwickeln wir manchmal solche Kräfte?


Was ist diese elektrische Energie, die uns auf Ziele zubewegen lässt, die zunächst unerreichbar scheinen? Ich selbst kenne diesen inneren Antrieb, ohne zu wissen, woher er kommt. Ist es eine Weisheit oder eine Gewissheit, dass es in der Tat wahrscheinlich ist, das Unmögliche möglich zu machen?

Vergangene Woche traf ich mich mit einem Autor, für den ich vor einigen Jahren ein Buch lektorierte. Seither begegnen wir uns immer wieder in demselben Café, erzählen von unseren neuen Projekten und Vorhaben – und ich behaupte, jeder von uns nimmt am Ende etwas für sich und seine Arbeit mit nach Hause.

Diesmal hatten wir uns viele Monate nicht gesehen. Aus den E-Mails dazwischen konnte ich nicht herauslesen, was ihn gerade umtreibt. Hatte er sein kreatives Schaffen eingestellt? Forderten die anderen Dinge des Alltags ihn so sehr, dass er mit dem Schreiben innehielt? Es fühlte sich so an.

Umso überraschter war ich, als er mir jetzt erzählte, er habe seinen nächsten Roman fertig geschrieben. Die Handlung des historischen Romans war mir bekannt, nun ist er also schon zu Papier gebracht. Gerade liest ihn der Familienkreis, danach kommen die Freunde dran. Und immer wieder verändert er etwas an seinem Manuskript. Hier 50 Seiten mehr, dort noch eine Thematik weiter vertieft: Es scheint nie ein Ende zu nehmen.

Ich bewundere das. Dieser Autor geht einem Vollzeit-Beruf nach, hat Familie, komponiert Musik, schreinert Möbel und schreibt und schreibt und schreibt. „Woher nimmst du diese Energie?“, habe ich ihn vergangene Woche gefragt. Er erzählte mir gerade, dass er zu seinem historischen Roman Lieder komponiert und bereits mit einem Sänger das erste Stück aufgenommen hat. Ich spürte förmlich, wie aufgeladen er ist.

Er wisse es auch nicht genau. „Es ist wohl der Wunsch nach Anerkennung, der Wille, es besser machen zu wollen.“ Also eine Art Perfektionismus? Ich stelle mir vor, ich würde meine Blog-Beiträge vorher von fünf Leuten gegenlesen lassen. Jeder hat seine Anmerkungen, seine Verbesserungsvorschläge. Und ich müsste diese jedes Mal berücksichtigen und einarbeiten, mir immer und immer wieder alles durchlesen. „Das habe ich schon in der Schule ungern gemacht“, erzähle ich. „Meine Klassenarbeiten noch einmal zu lesen, bevor ich sie abgebe, fiel mir unendlich schwer. Woher kommt dieses Durchhaltevermögen?“

Er wolle es eben richtig gut machen, antwortete er mir wieder. Und ich kenne ihn genug, um zu wissen, dass er daran glaubt, dass er das mit dem Schreiben richtig gut kann – auch wenn es schwer ist, einen Verlag zu finden, der seine Bücher veröffentlicht. Er glaubt an sich, er gibt sein Bestes, und er arbeitet unermüdlich daran, sein Ziel eines Tages zu erreichen. Wenn er den Wunsch nicht hätte, alles dafür zu tun, um seinen eigenen Ansprüchen gerecht zu werden, „dann könnte ich das Manuskript kaum so oft in die Hand nehmen und überarbeiten.“

Ich frage mich, ob das simplify ist. Perfektionismus, hohe Maßstäbe – das klingt mir nach als „nicht um jeden Preis erstrebenswert“. Doch es ist unübersehbar genau das, was er als Autor braucht, um dranzubleiben und elektrisiert zu sein. Seine Energie ist so faszinierend, dass ich glaube, sie könnte jedem gut tun. Und einen solchen inneren Antrieb zu erkennen und für sich und seine Ziele zu nutzen, das halte ich wiederum für simplify.

Wer sich für Martin G. J. Mahl und seine Geschichten interessiert, findet ihn hier.


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Hier bloggt simplify-Redakteurin Dunja Herrmann über ihren Alltag, der oft alles andere als einfach ist. Und sie fragt sich und Ihre Leser stets: Geht’s einfacher? Mal findet sie eine Antwort, ein anderes Mal nicht. Der Blog „Ganz einfach Dunja“ kommt mit einem Augenzwinkern daher, nimmt die Leser mit auf Dunjas Weg zur Einfachheit. Übrigens: Hin und wieder genießt die Autorin die Komplexität: „Sie fordert mich einfach“...

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