10.04.2014

Was bitteschön ist eine Teichpflaume?


Heute stelle ich euch ein Kleinstlebewesen vor, dass mir bis gestern noch namentlich unbekannt war. Ich erinnere mich aber, ihm schon oft begegnet zu sein. Es ist nicht besonders ansehnlich, sieht je nach Wetterlage unangenehm glitschig und glibberig aus. Es ist die „Teichpflaume“. Ihr wissenschaftlicher Name: Nostoc. Das Besondere an ihr: Sie lebt (fast) ganz anspruchslos von Licht, Luft und Wasser. Einzige Bedingung: Das Wasser muss sauber sein. 

Anzeiger für Sauberkeit

Die „Teichpflaume“, Nostoc pruniforme, lebt in sauberen Seen, Tümpeln und Pfützen. Diese Art bildet eine gallertartige Hülle zum Schutz vor wechselnden Umwelteinflüssen. Die Schleimkapseln enthalten mehrere Nostoc-Fäden können mehrere Zentimeter groß werden und sind mit dem bloßen Auge zu erkennen. Sie gelten als ein Anzeiger für ein intaktes Ökosystem. Auch die Art Nostoc commune können aufmerksame Spaziergänger finden: Ihre bis zu handtellergroßen, unregelmäßigen Schleimhüllen finden sich auf kargen Wiesen, Böden und Wegrändern. Sie trocknen zu papierdünnen, unscheinbaren Schichten und überdauern so bis zum nächsten Regen, bei dem sie aufquellen und wieder sichtbar werden.

Aussagekräftige Bilder findet ihr hier bei wikipedia.de.

Leben von Licht, Luft und Wasser

Nostoc kann von Licht, Luft und Wasser leben – ebenso wie alle Verwandten aus der Gruppe der Cyanobakterien. Sie besiedeln Gewässer und nährstoffarme, karge, steinige Oberflächen und sind daher wertvoll für die Ökologie vieler Lebensräume. Häufig bilden sie Gemeinschaften mit Pflanzen, Pilzen, Moosen und Flechten. Als klassische Teamplayer leben sie beispielsweise gemeinsam mit dem Algenfarn Azolla in Reisfeldern und sorgen dort für ausreichend Stickstoff als natürlicher Dünger.

Urahn der Pflanzen

Der Name Nostoc geht auf den mittelalterlichen Naturforscher und Alchemisten Paracelsus zurück (1493-1541), der die Gallerthüllen für einen „Sternenschnupfen“ hielt und daher angeblich das englische Wort nostril und die deutsche Übersetzung Nasenloch zu Nost-och verband. Die Mikrobe ist aber viel älter: Die Vorläufer von Nostoc bildeten vor 2,5 Milliarden Jahren erstmals über Photosynthese Sauerstoff und lieferten damit die Grundlage für unser heutiges Leben in einer Sauerstoff-reichen Atmosphäre. Nostoc gilt damit als Urahn und Vorläufer der heutigen Pflanzenwelt.

Auf dem Weg zum Mehrzeller

Mikroben leben üblicherweise als einzelne Zellen. Doch Nostoc ist einen Schritt weiter: Viele Arten bilden Ketten aus Zellen, die sich spezialisiert haben: Manche Zellen in diesen Fäden enthalten den blau-grünen Farbstoff Chlorophyll – sie sind für die Photosynthese zuständig, also die Gewinnung von Energie aus Licht, Wasser und Kohlendioxid. Andere sind bräunlich und sorgen für die Stickstoffbindung und Fortbewegung. Einige bilden eine dicke Zellwand, um Trockenheit zu überdauern. 

Auf dem Teller

In manchen Kulturen wird Nostoc als Nahrungsmittel genutzt. In den peruanischen Anden galten sowohl die frischen als auch die haltbaren Formen von Nostoc als wertvoller Nahrungsbestandteil: „Cushuru“ ist proteinhaltig und reich an Nährstoffen wie Eisen. Auch in China ist Nostoc unter dem Namen „Ge-Xian-Mi“ als Nahrungsmittel bekannt.

Wissenschaftler der Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM) haben Nostoc zur Mikrobe des Jahres 2014 gekürt. Weitere Infos dazu unter www.mikrobe-des-jahres.de.

Diese Mikrobe ist also ein echter simplifyer: Sie braucht nicht viel, um zu leben. Sie bildet Ketten, wird dadurch sichtbar und teilt sich die Arbeit mit anderen Zellen ihrer Art. Gesund ist sie obendrein auch noch. Na dann: Viel Freude beim nächsten Spaziergang und beim Aufspüren der Teichpflaume!


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