12.08.2011

Was der Dalai Lama und ich gemeinsam haben


Der Dalai Lama sagte vor Jahren einmal in einem Focus-Interview: „Ich esse so viel Honig, dass die Gefahr besteht, dass der 14. Dalai Lama als Biene wiedergeboren wird . . .“ „Kann vor Lachen und Freudentränen nicht weiterreden“, schrieb der Redakteur in Klammern hinter diesen Satz. Der Dalai Lama liebt Honig – und ich auch.

Irgendwann vor einigen Jahren habe ich mich einmal näher mit Honig beschäftigt und ich bin dazu übergegangen, nur noch kaltgeschleuderten zu kaufen – also Gläser, auf denen das eindeutig steht. Nun verblüffte mich der Deutsche Imkerbund mit folgender Meldung: Es gibt eine völlig neue Fassung der Leitsätze für Honig des Deutschen Lebensmittelbuchs. Damit ist die Verwendung von Begriffen wie "kaltgeschleudert" und "wabenecht" für Honige endlich nicht mehr möglich.

Nach den neuen Leitsätzen können besonders schonend geerntete und behandelte Honige mit Begriffen wie "Auslese" und "Premium" ausgelobt werden, wenn dies mit Kennzahlen, bestimmt nach den neusten, aktuellen Methoden, untermauert werden kann. Damit sei sichergestellt, dass wirklich nur Honige höchster Qualität, so wie sie von vielen deutschen Imkereien angeboten werden, mit diesen Begriffen belegt werden könnten. Alle, die mit Honig zu tun haben, inklusive die Verbraucher, hätten jetzt mehr Klarheit.

Aha! Ob ich meinen Lieblingshonig künftig überhaupt noch finde? Die Bezeichnung „kaltgeschleudert“ hatte mich bisher immer zu dieser wohlschmeckenden Sorte geführt. Begriffe wie „Premium“ oder „Auslese“ sind für mich zunächst einmal wenig aussagekräftig, sie sind beliebig klingende Bezeichnungen, die sicher jeder Hersteller gerne auf sein Honig-Etikett schreiben möchte. Beim Wein sind Qualitätsbezeichnungen wie "Auslese" oder "Spätlese" bekannt und gelernt. Aber bei Honig? Da lese ich heute schon "Sommerblüten-Auslese" oder ähnliches. Ob da wirklich Premium drin ist, wenn Premium draufsteht? Die Worte „kaltgeschleudert“ haben etwas Nachweisbares, Seriöses.

Doch dann lese ich gestern noch folgendes in einer Meldung vom aid Infodienst: Nach der neuen Fassung sind die Hinweise "kaltgeschleudert" und "wabenecht" auf dem Etikett nicht mehr erlaubt, weil sie beim Verbraucher eine falsche Vorstellung hervorrufen und eine besondere Qualität vortäuschen.

So bin ich also den Honig-Herstellern die ganzen Jahre schon auf den Leim gegangen!?

Und weiter: Der Honig befindet sich in Wachswaben und kann nur "kalt" bei Temperaturen von 25-28 Grad Celsius geschleudert werden, da höhere Temperaturen zu Schäden führen würden.

Also, ich als Verbraucherin bin jetzt erst einmal verwirrt. Woher kommt dann dieser Irrglaube, kaltgeschleudert sei besser (den ich ja nicht aus der Luft gegriffen habe)? Auf etlichen Imker-Seiten lese ich, wie sehr sich diese darüber ärgern, dass Gläser mit dieser Aufschrift verkauft werden. Ich kann’s verstehen. Aber ich bin ein Laie und als solcher habe ich die ganzen Jahre an „kaltgeschleudert“ geglaubt.

Ich habe noch etwas die Suchmaschine durchforstet und bin auf einen Aufsatz von Dr. Arpad Asztalos beim Imkerverein Lehrte gestoßen. Er erklärt, dass es „kaltgeschleudert“ eigentlich nicht gibt, eher einen direkt bei unter 36 Grad Celsius verarbeiteten und abgefüllten Honig. Kandiert der Honig jedoch, weil er nicht gleich verarbeitet wird, und wird er dann vor dem Abfüllen erhitzt oder unter Hitzeeinwirkung geschleudert, verändert das mitunter das Endprodukt.

Mein Fazit: Ich habe keine Ahnung, was und wem ich glauben soll und vor allem, welchen Honig ich künftig am besten kaufe. Das ist nun Klarheit für die Verbraucher?


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Hier bloggt simplify-Redakteurin Dunja Herrmann über ihren Alltag, der oft alles andere als einfach ist. Und sie fragt sich und Ihre Leser stets: Geht’s einfacher? Mal findet sie eine Antwort, ein anderes Mal nicht. Der Blog „Ganz einfach Dunja“ kommt mit einem Augenzwinkern daher, nimmt die Leser mit auf Dunjas Weg zur Einfachheit. Übrigens: Hin und wieder genießt die Autorin die Komplexität: „Sie fordert mich einfach“...

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