06.06.2011

Welches Werk habe ich vor mir?


Am Wochenende besuchten wir meine Eltern. Dort stieß ich auf einen Wochenkalender voller Weisheit der Heiligen Hildegard von Bingen (Verlag Moewig). Die Mystikerin ist in meiner alten Heimat sehr bekannt, denn Bingen und alle anderen Orte, an denen sie wirkte, liegen quasi ums Eck.

Ich blättere den Kalender ganz interessiert durch, überlege kurz, welchen Monat wir gerade haben, und schaue nach, was die erste Juni-Woche mir zu bieten hat: „Wie das Feuer die Flamme in sich trägt, so ist es für die Kräfte des vernunftbegabten Menschen notwendig, ein Werk vor sich zu haben“, steht als Hildegard-Zitat auf der Vorderseite.

Wenn also etwas in unserem Leben das Feuer in uns entfachen kann, so haben wir sehr wahrscheinlich eine Aufgabe gefunden, die uns erfüllt. Jeder mag in dieser Aufgabe etwas anderes sehen. Wichtig ist, was sie für uns bedeutet. Ich erinnere mich an das Motivationsposter von Werner Tiki Küstenmacher: Während der eine Steine behaut oder der andere an einem Spitzbogenfenster arbeitet, ist der Dritte damit beschäftigt, eine Kathedrale zu bauen. Dieser Mensch hat sicherlich sein Werk vor Augen, und das treibt ihn an.

Ich überlege mir, welches Werk ich vor Augen habe. Ich habe meine Kathedrale gerade fertig gestellt. Hat sich irgendein weiser Mensch schon mal gefragt, was danach kommt? Ich fühle mich wie ein Wanderarbeiter auf der Suche nach seinem neuen Werk. Die Richtung, in der ich gehe, scheint zu passen. Sie fühlt sich jedenfalls gut an. Aber das Werk, das ich vor mir habe, ist noch sehr verschwommen.

Oder täusche ich mich nur, und die Kathedrale ist noch gar nicht fertig? Es ist nur der Hauptbau abgeschlossen? Wenn ich bedenke, wie viele Generationen es früher dauern konnte, bis ein solches Gotteshaus errichtet war … Möglicherweise bin ich also keine Wanderarbeiterin, sondern ich drehe mich lediglich zur Seite und schaue, an welchem Trakt ich nun mitbauen kann.

Diese Betrachtung beruhigt mich. Dann habe ich also immer noch mein Werk vor mir. Ja, das gefällt mir besser als eine Suchende auf einem völlig neuen Weg zu sein …


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