10.10.2012

Wenn das Wörtchen "nicht" nicht wär' ...


Manchmal hindern uns alte Fesseln daran, nach vorne zu schreiten. Das können zum Beispiel Glaubenssätze sein, die sich fest in unsere Köpfe eingebrannt haben. Vor kurzem beriet ich einen Mann, der sagte: „Ich muss mich immer anstrengen und abstrampeln, während anderen alles in den Schoß fällt“ oder „Wenn ich etwas zu sagen habe, hört mir keiner zu“.

Diese Glaubenssätze sind verwandt mit den Selbst-Beschimpfungen, von denen ich im Beitrag „Wozu Selbstkritik, wenn’s auch ohne geht?“ erzählt habe. Oft haben sie ihren Ursrpung ebenfalls in unserer Kindheit. In meinem Beratungsgespräch empfahl ich dem Mann, der mit einem Projekt endlich Erfolg haben wollte: „Schreibe dir diese Glaubenssätze auf, und dann verabschiede dich für immer von ihnen. Du kannst sie zerknüllen und wegwerfen oder hinter dich ins Kaminfeuer werfen.“

Doch vorher, bat ich ihn, sollte er sich Affirmationen dafür überlegen. Das könnten z. B. sein: „Ich gebe mein Bestes und werde damit eines Tages Erfolg haben“ oder „Ich bin es Wert, gesehen und gehört zu werden“. Ich wies ihn darauf hin, dass solche Bekräftigungssätze ohne die Wörtchen „nicht“ oder „kein“ auskommen müssen. Denn wir wissen alle: Das „nicht“ kommt selten oben an ... Sage ich einem Kind „Tu das nicht!“, wird es meist genau das Unerwünschte tun.

Nun bin ich gestern bei meiner Recherche auf den Beitrag „Lebensweisheiten - Grundsätze für Jugend und Alter“ gestoßen. Im ersten Teil über Jonathan Swift lese ich dessen Selbstverpflichtungen („Resolutions when I come to be old", leicht gekürzt und umgestellt) aus dem Jahr 1719 und bin erstaunt: Er schreibt fast überall, was er „nicht“ will! Hier 8 Beispiele:

  • Nicht launisch, mürrisch und misstrauisch werden
  • Nicht die jeweilige Lebensweise, Denkart oder Mode gering schätzen
  • Nicht immer die gleiche Geschichte den gleichen Leuten erzählen
  • Nicht habgierig werden
  • Mit jungen Menschen nicht überstreng sein, sondern für ihre jugendlichen Torheiten und Schwächen Verständnis zeigen
  • Nicht mit meinem früheren guten Aussehen, meiner Kraft oder meinen Erfolgen bei Damen usw. prahlen
  • Nicht auf Schmeicheleien hören
  • Nicht rechthaberisch und starrköpfig sein

Wow! Ob er das, so formuliert, alles umsetzen konnte? Ich mache daraus einmal positive Absichten:

  • Auf mein inneres Gleichgewicht achten, Neuem offen und vertrauensvoll begegnen
  • Die jeweilige Lebensweise, Denkart oder Mode wertschätzen
  • Achtsam mit meinen Worten umgehen
  • Bescheiden bleiben
  • Bei jungen Menschen auch mal 5 gerade sein lassen und ihnen einfühlsam begegnen
  • Mich so zeigen wie ich bin
  • Dankbar sein, wenn mir jemand gute Worte schenkt (Hier habe ich den Sinn etwas abgewandelt, denn ich finde, das ist erlaubt!)
  • Gut zuhören, mich für andere Argumente als die eigenen öffnen und mir erlauben, auch einmal nachgiebig zu sein

Na, klingt das nicht viel besser? Hoppla, ein „nicht“! Noch dazu völlig überflüssig! Also, auf ein Neues: Na, das klingt doch viel besser!


zum nächsten Artikel
zum vorherigen Artikel

simplify your life

Holen Sie sich mit dem gedruckten Beratungsbrief "simplify your life" jetzt das echte simplify-Erlebnis. Hier die aktuelle Ausgabe und GRATIS-CD sichern.

Ganz einfach Dunja

Hier bloggt simplify-Redakteurin Dunja Herrmann über ihren Alltag, der oft alles andere als einfach ist. Und sie fragt sich und Ihre Leser stets: Geht’s einfacher? Mal findet sie eine Antwort, ein anderes Mal nicht. Der Blog „Ganz einfach Dunja“ kommt mit einem Augenzwinkern daher, nimmt die Leser mit auf Dunjas Weg zur Einfachheit. Übrigens: Hin und wieder genießt die Autorin die Komplexität: „Sie fordert mich einfach“...

Gratis E-Mail Newsletter

Gratis Download:

Best of simplify Gratis-Download

Jetzt für kostenlosen Newsletter eintragen und Sofort-Download sichern. 100% Gratis!