08.10.2014

Wenn die eigenen 4 Wände zur Ferienwohnung werden ...


Als ich über Carsharing mit dem eigenen Auto schrieb, dachte ich schon mal kurz daran, mein Auto zu vermieten. Es steht die meiste Zeit vor der Tür herum und ich könnte die Kosten für Steuer und Versicherung durch die Miete reduzieren. Ich entschied mich aber aus vielen Gründen dagegen.

Manchmal ist auch Wohnraum wenig genutzt. Portale im Internet sorgen dafür, dass das nicht so bleiben muss. Sharing Economy ist der Fachbegriff für das Teilen von z. B. Wohnraum. In sämtlichen Ländern und vor allem Großstädten bieten Leute inzwischen ihre Häuser oder Wohnungen für Touristen an.

Sind die 4 Wände nur angemietet, kann das „Teilen mit Gewinn“ ein jähes Ende finden. Selbst wer vom Eigentümer eine offizielle Erlaubnis zur Untervermietung seiner Wohnung erhält, der hat damit noch keinen Freibrief für jegliche ihm vorschwebende Art der Untervermietung. Kommt ein Mieter auf die Idee, er könne seine Wohnung tageweise oder wochenweise Touristen zur Verfügung stellen, dann sollte er nach Auskunft des Infodienstes Recht und Steuern der LBS dafür sicherheitshalber eine Extra-Genehmigung einholen. (Bundesgerichtshof, Aktenzeichen VIII ZR 210/13)

Der Fall: Im Prinzip ging der Mieter einer Wohnung in Berlin sehr korrekt vor. Nachdem er immer nur an Wochenenden in der Stadt war, um seine Tochter zu besuchen, suchte er nach einem finanziellen Ausgleich durch einen Untermieter. Der Eigentümer brachte dafür Verständnis auf und gestattete es gegen einen monatlichen Zuschlag von 13 Euro. Weniger erfreut war er dann, als er erfuhr, dass das Objekt via Internet Urlaubern angeboten wurde – mit Hinweis auf die Sehenswürdigkeiten in der Umgebung. Das betrachtete der Eigentümer als eine kommerzielle Nutzung, der er nicht zugestimmt habe.

Das Urteil: Der Bundesgerichtshof entschied in letzter Instanz, dass es tatsächlich ein Unterschied sei, ob stets derselbe (dieselben) Untermieter eine Wohnung nutzten oder die Gäste ständig wechselten. Letztere Nutzungsart müsse der Vermieter nicht dulden, denn sie habe einen ganz anderen Charakter. Wenn er schon eine flexible Lösung haben wollte, gaben die Richter dem betroffenen Hauptmieter in ihrem Urteil mit auf den Weg, dann hätte er sich ja beruflich in Berlin beschäftigte Wochenendheimfahrer suchen können, die seiner eigenen Nutzung auch nicht im Wege gestanden wären.

Ganz so einfach ist es also nicht, mit einer oft leerstehenden Mietswohnung „Geld zu machen“! Das Sharing hat außerdem eine beunruhigende Kehrseite: Die regelmäßige Zweckentfremdung von Wohnungen ist oft lukrativer als langfristiges Vermieten. In Städten, die ohnehin unter Wohnungsknappheit leiden, verschärft sich durch das Vermieten an Touristen die Situation für „normale“ Mietinteressenten. Teilen sollte also gut überlegt sein!


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Hier bloggt simplify-Redakteurin Dunja Herrmann über ihren Alltag, der oft alles andere als einfach ist. Und sie fragt sich und Ihre Leser stets: Geht’s einfacher? Mal findet sie eine Antwort, ein anderes Mal nicht. Der Blog „Ganz einfach Dunja“ kommt mit einem Augenzwinkern daher, nimmt die Leser mit auf Dunjas Weg zur Einfachheit. Übrigens: Hin und wieder genießt die Autorin die Komplexität: „Sie fordert mich einfach“...

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