07.09.2016

Wer kommt heute zu Besuch?


Das Haus, in dem ich aufwuchs, hatte eine Haustüre. Klar, das hat eigentlich jedes Haus. Doch benutzt wurde sie kaum. Jeder kam von hinten über den Hof in die Küche. Eine laute Glocke über der Hoftür zeigte an, dass jemand gerade den Hof betreten hatte. Kurz darauf stand er oder sie auch schon in der Küche.

So war bei uns immer etwas los. Bei anderen Familien lief das bei uns auf dem Lande sehr ähnlich ab. Jeder hatte seinen Hintereingang über die Wirtschafts- und Hofflächen. Es waren offene Häuser, in denen man immer jemanden antraf, denn meist wohnten mehrere Generationen unter einem Dach.

Dieses Leben vermisse ich. Heute rufe ich Tage vorher Freundinnen an, um abzuklären, wann sie Zeit haben, oder ich stehe vor einer verriegelten Haustüre. Meine Tochter macht das ähnlich. Wir spazieren nirgends einfach so in die Küche hinein. Natürlich gibt es Ausnahmen. Doch viele Familien leben für sich, abgeschottet von der Außenwelt. Als ich neulich mit jemandem ins Gespräch kam, weil er ein Eisentor für seine Einfahrt aufstellte, sagte der Besitzer: „Man muss sich ja schützen, heutzutage.“

Manchen können Abstandsflächen und Sichtschutzwände nicht groß und hoch genug sein. Oft sind sie tagsüber nicht zu Hause, den Rest der Zeit wollen sie ihre Ruhe haben. Ich kann das nachvollziehen, und doch bedaure ich das sehr. Wer Glück hat (aus meiner Sicht betrachtet), wohnt in einer Stichstraße in einem Neubaugebiet, wo Familien mit Kindern eine Offenheit leben, die nahe an die von früher herankommt. Auch Mehrgenerationen-Wohnprojekte bieten ein Miteinander, nach dem sich viele sehnen.

Je älter ich werde, desto mehr erfreue ich mich an spontaner Begegnung. Ich habe das große Glück, dass ich freiberuflich arbeite und über meine Zeit relativ frei selbst bestimmen kann. Heute steht zum Beispiel der Besuch von Freunden an, die ich über eine Weiterbildung kennengelernt und lange nicht gesehen habe. Ihr spontanes „Wir sind morgen auf der Durchreise und möchten gerne auf einen Kaffee vorbeikommen“ hat mich riesig gefreut. Es hat mich zu diesem Beitrag inspiriert, weil es mir sehr eindrücklich gezeigt hat, wie wichtig lebendige Beziehungen für mich sind.

Welchen Stellenwert haben Kontakte für euch? Wenn sie euch viel bedeuten (unabhängig davon, ob ihr sie gerade aktiv pflegt oder nicht): Traut euch, spontan zu sein! Vielleicht freut sich jemand genauso wie ich, euch wiederzusehen!


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Hier bloggt simplify-Redakteurin Dunja Herrmann über ihren Alltag, der oft alles andere als einfach ist. Und sie fragt sich und Ihre Leser stets: Geht’s einfacher? Mal findet sie eine Antwort, ein anderes Mal nicht. Der Blog „Ganz einfach Dunja“ kommt mit einem Augenzwinkern daher, nimmt die Leser mit auf Dunjas Weg zur Einfachheit. Übrigens: Hin und wieder genießt die Autorin die Komplexität: „Sie fordert mich einfach“...

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