20.05.2011

Wer mag schon volle Wartezimmer?


Diese Woche hatte ich einen Arzttermin, der schon vor langer Zeit ausgemacht war. Sie kennen das vielleicht: Es gibt Ärzte, da kommen Sie mit Termin sehr zeitnah dran. Und es gibt Ärzte, da sitzen Sie unendlich lange im Wartezimmer. Schon als ich reinkam, merkte ich: Hier ist heute viel los! Ich finde das ärgerlich, hatte ich doch extra rechtzeitig den Termin vereinbart. Lag es daran, dass Montag war? Gibt es direkt nach dem Wochenende zu viele „Notfälle“, die alle unbedingt zum Arzt wollen?

Wäre es dann nicht einfacher, am Montagmorgen kaum feste Termine zu vergeben? Leider habe ich vom ärztlichen Zeitmanagement keine Ahnung. Ich sehe nur, dass es (gute!) Ärzte gibt, bei denen das besser funktioniert.

Einen simplify-Rat hatte ich an diesem Morgen leider nicht befolgt: Ich hatte keine Lektüre bei mir. So brachte ich mich dann dank der Wartezimmer-Illustrierten in Sachen Kate und William auf den aktuellen Stand. Als ich damit fertig war, dachte ich so vor mich hin. Ich fragte mich, ob es mir gut tun würde, wenn ich hier Ärztin wäre, diesen riesigen Ansturm zu bewältigen hätte und völlig aus dem Zeitplan geraten würde. Ich wäre gehetzt und würde das meine Patienten spüren lassen. Mein schlechtes Gewissen würde mich plagen. Und so weiter ...

Eine Stunde verging. Ich kam dran. Als mein Arzt das Sprechzimmer betrat, sagte ich nach der Begrüßung: „Ist richtig was los heute, was?“ Er antwortete zu meiner Überraschung: „Echt? Das kriege ich gar nicht mit.“

Ist das zu glauben? Da zerbreche ich mir den Kopf darüber, wie er sich wohl fühlen mag angesichts dieses Hochbetriebes hier. Und er nimmt ganz einfach nichts davon wahr! Für ihn persönlich ist das ein exzellenter Schutz-Mechanismus. Für seine Patienten – wenn sie dann mal im Behandlungszimmer sitzen – ist es auch von Vorteil: Der Arzt ist gelassen und nimmt sich die Zeit, die er jeweils braucht.

Ob es für das Praxisteam am Empfang und für die Leute im Wartezimmer so stressfrei abläuft, lasse ich mal dahin gestellt. Ich lerne aus dieser Sache: Es gibt unendlich viele Winkel, aus denen wir etwas betrachten können. Und: Selbst wenn ich mich einfühlen kann, heißt das noch lange nicht, dass es dem anderen Menschen genauso geht.


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Hier bloggt simplify-Redakteurin Dunja Herrmann über ihren Alltag, der oft alles andere als einfach ist. Und sie fragt sich und Ihre Leser stets: Geht’s einfacher? Mal findet sie eine Antwort, ein anderes Mal nicht. Der Blog „Ganz einfach Dunja“ kommt mit einem Augenzwinkern daher, nimmt die Leser mit auf Dunjas Weg zur Einfachheit. Übrigens: Hin und wieder genießt die Autorin die Komplexität: „Sie fordert mich einfach“...

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