20.01.2012

Wie fühle ich mich eigentlich, wenn ich mich gut fühle?


Gute 30 Jahre lang bin ich durch mein Leben gekommen, ohne mir großartige Gedanken darüber zu machen, wie ich mich während zwischenmenschlicher Kommunikation fühle. Ich meine damit: Ich habe es mir kaum bewusst gemacht. Noch weniger als um negative Gefühle habe ich mich um die guten Gefühle gekümmert. Entweder waren sie da oder nicht.

Vor einiger Zeit fing ich jedoch an, mich mit Gewaltfreier Kommunikation nach Marshall Rosenberg zu beschäftigen. Und seither schaue ich bewusster auf das, was ich fühle. Fürs Verständnis, hier kurz die vier Schritte, die uns helfen z. B. ein Anliegen wertschätzend vorzutragen:

  1. Es gibt eine Situation, die ich ohne zu bewerten beschreibe: „Ich sehe, dass der Esstisch noch genauso aussieht wie heute Morgen nach dem Frühstück.“
  2. Dann sage ich, wie ich mich damit fühle: „Das macht mich wütend!“
  3. Warum macht mich das wütend? Nun folgt mein Bedürfnis, das durch den Ausgangszustand unerfüllt bleibt: „Weil mir wichtig ist, mich beim Nachhausekommen wirklich willkommen zu fühlen.“
  4. Nun kommt eine Bitte oder ein Vorschlag, wie die Sache künftig laufen könnte: „Wenn du Schwierigkeiten hast, den Tisch im Laufe des Tages abzuräumen, frag doch mal unsere Große, ob sie dich unterstützen kann!“

In diesen vier Schritten zu denken und zu sprechen fiel mir zum Einstieg besonders schwer. Aber ein Schritt hatte es mir angetan: der mit den Gefühlen. Mir einfach bewusst zu machen, wie es mir mit einer Situation geht, und das auch zum Ausdruck zu bringen. Ich übte fleißig und stellte fest: Mit negativen Gefühlen wie Wut oder Angst klappte das sehr gut. Aber an die guten Gefühle kam ich irgendwie nicht heran. Wie fühle ich mich denn, wenn es ein „gutes“ Gefühl ist? Ich kann doch nicht immer nur sagen „ich freue mich ...“!

Soweit meine Vorgeschichte. Als ich neulich dann für mein Erziehungsmärchen recherchierte, stieß ich auf folgende Zwischenüberschrift in dem Buch „Das Geheimnis glücklicher Kinder“ von Steve Biddulph: „Es gibt vier Grundgefühle – Wut, Furcht, Traurigkeit und Freude“. Als ich das so schwarz auf weiß las, wurde mir klar, warum es so schwierig ist, seine positiven Gefühle auszudrücken: Es gibt nur eins, auf das sich fast alle Zwischentöne reduzieren lassen! Die Freude. Wut, Furcht, Traurigkeit – die sind alle negativ behaftet, selbst wenn sie auch ihr Gutes haben (Schutzfunktion).

Der Anthropologe und Psychologe Paul Ekman begab sich auf die Suche nach unseren menschlichen Basisemotionen und forschte dazu in verschiedenen Kulturen. Er kam auf sieben Basisemotionen: Wut, Trauer, Freude, Furcht, Ekel, Verachtung und Überraschung. Wenn ich mir die anschaue, mit meiner Prägung, sind davon fünf negativ behaftet, Freude ist positiv besetzt, die Überraschung eher neutral.

Mehr Worte habe ich als Laie dazu jetzt nicht. Ich finde das einfach bemerkenswert.


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Sonnenblume73 am 30.01.2012
Also ich glaube nicht, dass Liebe nur aus einem Bedürfnis resultiert. Ein Bedürfnis beinhaltet ja ...
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Dunja am 27.01.2012
Nun ja, es geht eben genau darum, dass sich letztlich die meisten guten Gefühle auf "Freude" ...
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captain_kirk am 23.01.2012
ich finde vor allem, dass auch Freude deutlich facetten-reicher ist als die anderen, negativen ...
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Sonnenblume73 am 23.01.2012
Mir ist da noch ein ganz wichtiges positives Gefühl eingefallen: Erleichterung. Mit Sicherheit ...
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Ganz einfach Dunja

Hier bloggt simplify-Redakteurin Dunja Herrmann über ihren Alltag, der oft alles andere als einfach ist. Und sie fragt sich und Ihre Leser stets: Geht’s einfacher? Mal findet sie eine Antwort, ein anderes Mal nicht. Der Blog „Ganz einfach Dunja“ kommt mit einem Augenzwinkern daher, nimmt die Leser mit auf Dunjas Weg zur Einfachheit. Übrigens: Hin und wieder genießt die Autorin die Komplexität: „Sie fordert mich einfach“...

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