02.05.2014

Wie Geschichten das Leben verändern (können)


Sagt mal – was ich euch schon immer einmal fragen wollte: Stoße ich mit meinen geschriebenen Worten bei euch Veränderungsprozesse an? Ich erwarte darauf jetzt keine Antwort. Es war nur so ein Gedanke. Denn mit guten, subtilen Geschichten kann man Menschen dazu bringen, weniger Süßes zu essen, auf das Rauchen zu verzichten und überhaupt gesundheitsbewusster zu leben, sagen die Psychologen. Ein Psychologie-Team der Universität Kassel erforscht gerade die Mechanismen, die Leser dazu bringen, Überzeugungen und Verhalten zum Positiven zu verändern.

„Kognitive und emotionale Prozesse der Persuasion durch Narrationen“ heißt das Kooperationsprojekt mit der Uni Koblenz-Landau. ??Hinweise aus der Historie, dass fiktive Geschichten die Einstellung von Menschen ändern können, gibt es zuhauf. Es heißt beispielsweise, die Erzählung „Onkel Toms Hütte“ habe Mitte des 19. Jahrhunderts die Ansicht vieler US-Amerikaner zur Frage der Gleichheit von Weiß und Schwarz geändert, sie habe sogar zum Ausbruch des Bürgerkriegs in den USA beigetragen.

Auch nach dem Lesen von Harry-Potter-Romanen hätten viele Kinder nach einer Eule als Haustier verlangt – zuvor wohl eine sehr exotische Idee. ? Prof. Dr. Tobias Richter vom Institut für Psychologie, Uni Kassel, konnte in früheren Studien und Experimenten die subtile Wirkung von Geschichten auf die Einstellungen von Lesern bereits belegen: Nach dem Lesen einer emotionalen, fiktiven Geschichte, in der der Protagonist einen schweren Unfall erleidet, sei die Bereitschaft der Probanden, Organe zu spenden, gestiegen, berichtet der Wissenschaftler. „Auch wenn Geschichten rein fiktiv sind, beeinflussen sie Überzeugungen über die reale Welt“, sagt Richter, „und dieser Einfluss kann auch nach langer Zeit wirken.“ ??

Das funktioniere umso besser, je tiefer sich der Leser in die Geschichte hineinversetze, er unternehme eine „mentale Reise in die Welt der Geschichte“. Dadurch könne auch die Art, wie der Proband die reale Welt wahrnehme, nachhaltig verändert werden, sagt Richter. Geschichten mit einem emotionalen Bezug könnten häufig eher als rationale, wissenschaftlich begründete Argumente Verhaltensänderungen herbeiführen. Die Leidensgeschichte eines Bekannten könne beispielsweise auf den Raucher mehr Eindruck machen als der durch wissenschaftliche Untersuchungen fundierte Hinweis „Rauchen verursacht Krebs“.

Die persuasive Wirkung von Geschichten hat natürlich auch eine negative Seite: Eine Erzählung kann nämlich auch unbemerkt Überzeugungen transportieren, die der Einstellung des Lesers zuwider laufen – wenn sie nur geschickt in der Geschichte verpackt sind. Oder sie kann sogar Falsches als wahr vermitteln. Die Forschungsergebnisse können Medienkonsumenten dabei helfen, derartige Effekte zu enttarnen und ein Bewusstsein dazu zu entwickeln, wie Geschichten ihre Überzeugungen verändern können. ??Bis Mitte 2016 untersuchen die Wissenschaftler in mehreren Experimenten das Potenzial von Geschichten, die Überzeugungen und das Verhalten von Probanden nachhaltig zu verändern.

Also, ich hoffe mal, dass ich bei euch bisher nur nachhaltig positive Veränderungen bewirkt habe!


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