24.09.2012

Wie individuell ist simplify?


Seit fünf Tagen sind morgens um halb acht ungewohnte Klänge in unserem Haus zu hören: Meine Tochter spielt Violine! Oder sagen wir besser mal: Sie zieht den Bogen über die Saiten, und es kommen Töne heraus. Manche sind gar nicht schlecht. Als wir uns vergangene Woche zusammen mit einer anderen Familie beim Geigenbauer einfanden, um eine passende Violine zu besorgen, musste ich in mich hineingrinsen: Bestimmt dachten die anderen, ich sei eine übereifrige Mutter, die Großes mit ihrer Tochter vor hat. So jung und schon soll sie Geigenunterricht bekommen!

Aber nein, so ist es nicht. Meine Tochter setzte sich vor etwa einem Jahr in den Kopf, dass sie Geige spielen möchte. Woher sie das hat, kann ich nicht sagen. Sie wartete geduldig das Jahr ab, bis es laut Lehrerin wirklich Sinn macht, mit dem Spielen anzufangen. Und dort stehen wir heute. Eine bessere Motivation als die, die von innen heraus kommt, kann es gar nicht geben, denke ich und hoffe ich. Wir werden sehen (und hören).

Jedenfalls waren wir beim Geigenbauer. Seine Werkstatt erinnerte mich irgendwie an die eines Onkels, der Goldschmied war. Der Geruch war etwas speziell – und überall lagen, standen oder hingen Zeugnisse seiner Arbeit. Wir waren drei Erwachsene und zwei Kinder plus Geigenbauer und passten gerade so auf den Freiraum, den der Boden noch hergab. Der Rest des Werkstattzimmers stand voll mit alten Möbeln, Regalen, Celli und Kontrabässen. Am Fenster eine große Arbeitsplatte mit allerlei Werkzeugen – oben an der Zwischendecke hingen fertige und halbfertige Geigen. Darüber lagerte das Holz, aus dem die Instrumente gemacht werden.

So standen wir da und warteten, bis der Geigenbauer die Instrumente für die Kinder angepasst und unsere „Mietverträge“ auf Zetteln notiert hatte. Er nahm seinen Job überaus ernst, denn mehrmals „störte“ das Telefon, und es war ihm wichtig, für seine Kunden da zu sein. Dann kamen noch zwei weitere Musiker, die mangels Platz lieber draußen warteten. Derweil waren wir darauf bedacht, nirgends anzustoßen oder etwas zu beschädigen. Das war gar nicht so einfach!

Ich glaube, wenn ich mir vorher die Mühe gemacht hätte, mir einen Geigenbauer samt Werkstatt vorzustellen, wäre vermutlich genau das Bild entstanden, das wir erlebt haben. Von simplify keine Spur, zumindest nicht auf den ersten Blick. Und an dieser Stelle frage ich mich: Muss das vielleicht so sein? Ich bin mir sicher, dieser Besuch wird meiner Tochter im Gedächtnis bleiben, gerade weil diese Welt so chaotisch und verstaubt war. Eine geräumige, aufgeräumte Werkstatt – welchen Eindruck hätte sie hinterlassen?

Wenn ich mir die Geigenbauer-Bilder auf wikipedia.de anschaue, stelle ich fest: Die haben auch das gewisse Etwas, und sie wirken aufgeräumt. Da fällt mir ein, dass ich früher als Kind oft in einem Klaviergeschäft war, weil die Eltern einer Freundin eines besaßen. Dort versank man im weichen Fußboden, jedes Instrument war blitzblank poliert, alles hatte seinen Platz. Ich kann es förmlich riechen. Also hat auch das einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Es geht offenbar doch: aufgeräumt und zugleich authentisch sein. Vielleicht sind simplify und das Verständnis davon sowie die Umsetzung eine höchst persönliche Angelegenheit? Wir müssen nicht auf Stufe 1 der simplify-Pyramide alles erledigt haben, um unserem Lebenszweck, der Stufe 7, schon ganz nahe sein zu können!? Ich werde noch einmal darüber nachdenken ...

Unser Geigenbauer jedenfalls zieht bald um. Wer weiß, vielleicht stört es ihn gar selbst, dass er so wenig freien Raum hat?


zum nächsten Artikel
zum vorherigen Artikel

simplify your life

Holen Sie sich mit dem gedruckten Beratungsbrief "simplify your life" jetzt das echte simplify-Erlebnis. Hier die aktuelle Ausgabe und GRATIS-CD sichern.

Ganz einfach Dunja

Hier bloggt simplify-Redakteurin Dunja Herrmann über ihren Alltag, der oft alles andere als einfach ist. Und sie fragt sich und Ihre Leser stets: Geht’s einfacher? Mal findet sie eine Antwort, ein anderes Mal nicht. Der Blog „Ganz einfach Dunja“ kommt mit einem Augenzwinkern daher, nimmt die Leser mit auf Dunjas Weg zur Einfachheit. Übrigens: Hin und wieder genießt die Autorin die Komplexität: „Sie fordert mich einfach“...

Gratis E-Mail Newsletter

Gratis Download:

Best of simplify Gratis-Download

Jetzt für kostenlosen Newsletter eintragen und Sofort-Download sichern. 100% Gratis!