17.04.2012

Wie ist das jetzt mit dem Hier und Jetzt?


„Suche jeden Tag den Kontakt zur Natur“, schrieb Helen Nearing. Sie und ihr Mann Scott entschieden sich 1932 zu einem Leben in radikaler Einfachheit in den Bergen Vermonts. Für die Hippies der späten 1960er- und 1970er-Jahre hatten die beiden Vorbildcharakter. Sie schrieben einige Bücher über ihr alternatives Leben, beide wurden sehr alt.

Jeden Tag Kontakt zur Natur zu haben, schafft Verbindung mit dem Leben. Das glaube ich sofort, und doch ermögliche ich mir diesen Kontakt nicht täglich. Neulich tat ich es – mit einer Wanderung in den Rheinauen. Diese Landschaft ist geheimnisvoll: ein Strand, der ständig überschwemmt wird, Seen, auf denen Plastikschwäne zur Kormoranabwehr schwimmen, Bäume, deren Stämme drei Menschen alleine nicht umarmen können, sonderbares Treibgut, Kieselsteine, feinster Sand, meeresähnliche Wellen, von Sport-Booten verursacht, Bärlauch-Teppiche, abgestorbene oder entwurzelte Bäume, schräg gewachsene Weiden, winkende Blätter, verschlossene Muscheln und vieles mehr. Beim nächsten Mal wird alles wieder ganz anders sein.

Mit meiner Wanderung habe ich – zumindest für diesen einen Tag – auch zwei weitere Weisheiten Helen Nearings berücksichtigt: Halte deinen Körper durch Spaziergänge in Form und teile jeden Tag etwas mit einem anderen Menschen. Nun, es war gleich eine ganze Gruppe von Menschen, und es tat gut, das Teilen!

Mit einer Empfehlung hatte ich jedoch so mein Problem: Den Augenblick zu achten, mir keine Sorgen zu machen und im Hier und Jetzt zu leben. Interessanterweise erzählte mir eine Teilnehmerin der Wanderung genau davon, bevor ich mich überhaupt mit Helen Nearing beschäftigt hatte. Sie sprach von einem Buch, das sie gerade las. Sinngemäß sagt der Autor, dass nichts so wichtig sei im Leben wie der Augenblick.

„Mir fällt das heute schwer“, sagte ich ganz offen. „Meine Gedanken kreisen den ganzen Tag um meine Zukunft.“ Irgendwie war ich an diesem Morgen mit Unzufriedenheit aufgewacht. Die wollte sich auch von der frischen Luft in den Rheinauen nicht ganz vertreiben lassen. Ich sprach weiter, den Kopf voll unsortierter Gedanken: „Ich wüsste gar nicht, wie ich das jetzt machen sollte, im Hier und Jetzt sein!“ „Na, einfach hier stehen bleiben und die Natur genießen!“, sagte die andere. „Ich weiß das schon“, entgegnete ich, drehte mich dem Naturschutzgebiet zu und sog die Luft ein, „aber es gelingt mir nicht.“

Es ist, wie es so oft ist: Im Hier und Jetzt sein, bedeutet loslassen – auch von Dingen, die einem möglicherweise in der Zukunft wichtig sind oder aus der Vergangenheit noch ein Rätsel aufgeben. Und das Loslassen, das will, dass man es wirklich will ...


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Hier bloggt simplify-Redakteurin Dunja Herrmann über ihren Alltag, der oft alles andere als einfach ist. Und sie fragt sich und Ihre Leser stets: Geht’s einfacher? Mal findet sie eine Antwort, ein anderes Mal nicht. Der Blog „Ganz einfach Dunja“ kommt mit einem Augenzwinkern daher, nimmt die Leser mit auf Dunjas Weg zur Einfachheit. Übrigens: Hin und wieder genießt die Autorin die Komplexität: „Sie fordert mich einfach“...

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