04.11.2014

Wie man an einem Wochenende das ganze Leben verändert


In unregelmäßigen Abständen bekomme ich elektronische Post von Mr. Money Mustache. Ich habe euch davon schon öfters berichtet. Mr. Geld-Schnurrbart gibt Tipps, wie man ein einfaches Leben mit genügend Geld realisieren kann oder umgekehrt, wie man sich das Leben einfacher machen kann, indem man bewusst mit seinem Geld umgeht.

Seine Botschaften sind für mich nicht immer relevant, und so lese ich auch nicht alles von ihm. Jetzt hat er es aber mal wieder geschafft, mich in seinen Text reinzuziehen. Grund dafür war sein Aufruf, das Auto doch mal für ein paar Tage stehenzulassen. Er hat es sogar als „Challenge“ formuliert: Können Sie für dieses Wochenende ohne Auto auskommen?

Ich musste vor dem Wochenende zwei Tage ohne Auto leben, deshalb interessierte mich sein Beitrag diesmal besonders. Mein Auto war in der Werkstatt und ich fuhr mit dem Fahrrad zu meinen Terminen. Zum Glück hatten wir Ende Oktober noch so schönes Wetter! Obwohl ich das Auto gar nicht so häufig benutze, war es mir schwergefallen, ganz darauf zu verzichten und „nicht anders zu können“.

Doch viel interessanter ist nun, wie Mr. Money Mustache dazu kommt, den Auto-Verzicht auszurufen: Er hat auf einer Party eine stylische Familie getroffen. Er nennt sie „Prototyp einer modernen, erfolgreichen Familie“. Oberflächlich betrachtet schien alles toll zu sein an dieser Familie – bis sich Mr. Geld-Schnurrbart mit dem Vater unterhielt.

Dieser bedauerte, dass er kaum Zeit habe, seine Kinder aufwachsen zu sehen. Das ginge so schnell! Er arbeite hart, gehe früh aus dem Haus, die Kinder hätten Sport-Veranstaltungen an den Wochenenden. So bleibe kaum Zeit, um zu Hause die Batterien wieder aufzuladen. Mr. Money Mustache entgegnete, er und seine Frau hätten das Problem gelöst, indem sie ein weitaus weniger aufregendes Leben geführt hätten. Sie seien die meiste Zeit zu Hause gewesen und hätten genügend Zeit zum Auftanken gehabt. So hätten sie sich auch eine Weile davon verabschieden können, dass beide voll arbeiten müssten, um den Lebensunterhalt zu verdienen.

Das würde er auch gerne, sagte der Familienvater. Aber das gehe nicht, da seine Frau nicht genug verdienen würde, um nur von ihrem Einkommen leben zu können. Darin liege die Falle einer ansonsten glücklichen Familie, findet Mr. Money Mustache. Er nennt sie die „Giftige Fallgrube piss-schlechter Lifestyle-Planung“. Ihr merkt schon, das ist schwer zu übersetzen ...

Sein Gegenmittel dazu: die Einfachheit. Man könne sich ziemlich schnell das Geschenk eines viel besseren Lebens machen, indem man unnötige Aktivitäten streiche, die derzeit vom Leben ablenken. Schritt für Schritt stellen sich damit größeres Glück, weniger Stress, bessere Gesundheit, bessere Beziehungen mit den Lebensgefährten und den Kindern, mehr Geld, weniger Bedürfnisse, tiefere Weisheit und ein längeres Leben ein. Um den armen Familienvater nicht zu überfordern, schlug Mr. Geld-Schnurrbart einen ersten Riesenschritt vor: Dem verdammten Auto eine Auszeit für zwei Tage zu gönnen. Ein ganzes Wochenende nicht motorisiert zu verbringen. Keine Lebensmittel zu besorgen, nicht shoppen zu gehen, niemanden in größerer Entfernung zu besuchen, kein Kind zum Baseball zu fahren und so weiter.

Das klingt zunächst nicht wie ein weiser Rat, um die Probleme der Prototyp-Familie zu lösen. Doch es steckt mehr dahinter: Sich ganz zu besinnen auf das, was man hat und den Ort, wo man lebt. Mit den Menschen zu interagieren, die in direkter Nähe sind. Die Natur zu erleben, die um einen herum ist. Das Nichtstun zu genießen, auf kreative Gedanken zu kommen, mit seinen Kindern zu spielen, gemeinsam zu lesen, zu kochen und einfach zu sein. Vielleicht auf den Fernseher, auf Computer und Smartphone zu verzichten. „Ein lokales Leben leben ...“, sagt Mr. Money Mustache dazu, ... und damit seine Einstellung zum Leben transformieren.

Natürlich wird die Welt jeden Tag interessanter, schreibt Mr. Money Mustache. Es gibt immer mehr Aktivitäten oder Gelegenheiten, die wir wahrnehmen können – mehr als jemals zuvor. Das moderne Leben zwingt uns fast, jede Chance zu ergreifen, die sich in den Zeiten ergibt, in denen wir nicht schlafen müssen. Damit wir ja nichts verpassen. Doch ist es nicht so, dass wir unser Leben verpassen, während wir dabei sind zu verhindern, dass wir etwas Aufregendes nicht mitbekommen?

Ich für meinen Teil kann sagen, dass ich am Wochenende viel Zeit damit verbracht habe, in der Sonne zu sitzen und den neuen Hühnern zuzuschauen. Zwischendurch dachte ich immer mal wieder: „Eigentlich wollten wir ja hier oder dorthin fahren.“ Doch es war schön zu Hause. Aus dem Nachbargarten drangen Gitarrenklänge zu uns herüber. Und wir luden ganz einfach nur unsere Batterien auf ...


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Ganz einfach Dunja

Hier bloggt simplify-Redakteurin Dunja Herrmann über ihren Alltag, der oft alles andere als einfach ist. Und sie fragt sich und Ihre Leser stets: Geht’s einfacher? Mal findet sie eine Antwort, ein anderes Mal nicht. Der Blog „Ganz einfach Dunja“ kommt mit einem Augenzwinkern daher, nimmt die Leser mit auf Dunjas Weg zur Einfachheit. Übrigens: Hin und wieder genießt die Autorin die Komplexität: „Sie fordert mich einfach“...

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