12.03.2013

Wie Prophezeihungen uns beeinflussen


Manche von euch erinnern sich bestimmt noch an Tante Hertha. Das war meine 90-jährige, liebe alte Tante, die in diesem hohen Alter noch Auto fuhr. Meine Erlebnisse schrieb ich bereits unter „Der tut heute so komisch“ nieder. Jedenfalls hatte Tante Hertha jede Menge aus ihrem Leben zu erzählen. Eine Geschichte fand ich besonders spannend: Nach dem Tod ihres ersten Mannes, das muss etwa in den 1940er oder 50er-Jahren gewesen sein, ließ sie sich von einem Wahrsager die Zukunft vorhersagen. Ich staunte nicht schlecht, als ich das hörte, so ungewöhnlich erschien es mir. Der Wahrsager erzählte ihr von einem neuen Lebenspartner in den nächsten 2 bis 3 Jahren, der zwar nicht ihre große Liebe sei, der aber gut für sie und ihr Kind sorgen würde.

Als sie mit 90 zurückblickte auf ihr Leben, sie war inzwischen zum zweiten Mal verwitwet, stellte sie fest: Genau so ist’s gekommen. Sie lernte einen Mann kennen, der sie respektierte, ihr Kind annahm und ihr ein treuer Begleiter war, solange er lebte. Gemeinsame Kinder konnten sie nicht bekommen. Und emotional war diese Partnerschaft einfach anders als die mit ihrem ersten Mann.

Ich bin immer wieder erstaunt, wie sehr sich solche „Vorhersagen“ bewahrheiten. Liegt es daran, dass wirklich jemand in die Zukunft schauen kann? Oder beeinflussen uns diese Behauptungen so sehr, dass wir unterbewusst danach streben? Eine Freundin von mir heiratete am 8.8.1988. Von einem entfernten Verwandten erhielt sie damals eine Glückwunschkarte mit den Worten: „Ich weiß ein gutes Scheidungsdatum: der 9.9.1999!“ Sie sagt, das habe sie unterschwellig stets belastet und sie sei froh gewesen, über dieses Datum hinweggekommen zu sein.

Einer anderen Freundin erging es einmal sehr ähnlich. Sie war in einer neuen Beziehung mit einem Mann, der ganz anders war als alle vorherigen. Ihr Leben verlief plötzlich ganz anders als früher. Deshalb argwöhnten ihre Freunde und Bekannten: „Das hältst du doch nicht länger als 4 Wochen aus! Dann bist du wieder die Alte!“ Es liefen sogar Wetten! Was sie nicht wussten: Meine Freundin hatte vorher viel innere Arbeit geleistet, um dieses neue Leben beginnen zu können. Doch das alte „System“ wollte sie nicht loslassen. Diese magischen 4 Wochen machten ihr schwer zu schaffen. Gegen Ende dieser Zeit wurde sie so unsicher, dass sich zwischen ihr und ihrem neuen Partner ein Streit nach dem anderen entfachte – bis es schließlich nach genau vier Wochen fast zur Trennung kam.

Ich selbst habe schon meine Erfahrungen mit irgendwelchen Prophezeihungen gemacht und erlebt, wie sehr sie mich beeinflussen konnten. Mal konnte ich loslassen, weil sie beruhigend waren. Mal setzte ich mich unter Druck, weil sie mich beunruhigt hatten.

Was lerne ich daraus? Wir sollten sehr achtsam mit dem umgehen, was wir anderen übermitteln. Zu schnell ist etwas prophezeit, was unserem Gegenüber mehr schadet als nützt. Gerade unter guten Freunden schenkt man einer Aussage schnell Vertrauen, denn man kennt sich schließlich gut. Auf der anderen Seite sollten wir uns selbst mehr vertrauen. Wir sollten uns trauen, uns Gutes zu wünschen und diese eigenen Wünsche über alles andere stellen.


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