07.09.2011

Willkommen in der Wegwerfgesellschaft


Gestern Abend zappte ich mich zum Ende der Nachrichtenzeit kurz durchs Programm und blieb beim Sender Sat1 hängen. Leider habe ich nur ein paar Fetzen mitbekommen, aber die reichen mir: Pro Kopf werfen wir 400,- Euro im Jahr an Lebensmitteln weg. Salat und Kartoffeln stehen ganz oben auf der Wegwerfliste, unsere Brot-Abfälle sind auch nicht zu verachten.

Das stimmt mich schon nachdenklich. Ich bin in einer Familie groß geworden, in der selbst der kalte Kaffee vom Vortag noch irgendwie Verwendung fand. Zu Mittag gab es Reste vom gestrigen Mittagsmahl, zusätzlich zum frisch gekochten Essen. Das zog sich meist durch die ganze Woche. Jede noch so kleine Beere, jedes Blatt Salat hatte es verdient, gegessen zu werden. Ich bewunderte meine Tante, die eisern die Reste vom alten Brot aß, während alle anderen schon das frische vor sich hatten.

Die Zeiten ändern sich. Familien werden kleiner, die Zahl der Single-Haushalte ist groß. Da zersetzt sich schnell mal ein Salatkopf im Kühlschrank, ehe er gegessen wird. Kaum hat man es gemerkt, ist eine Woche vorbei – und die Champignons vom Montag sind längst nicht mehr genießbar. Manche merken nicht einmal, dass die Jahre vergehen und ihre Vorräte mit Mindesthaltbarkeitsdatum 12/2004 schon längst abgelaufen sind ...

Die einzig passable Lösung, die ich für altes Brot habe: Ich sammle es in einer Papiertüte und bringe es beim nächsten Tierpark-Besuch mit oder ich gebe es einer Nachbarin, deren Sohn ein altes Hausschwein hat. Während meiner Studienzeit habe ich einmal nach einer Veranstaltung alle übriggebliebenen belegten Brötchen geschnappt und in der Fußgängerzone an Obdachlose verteilt. Wenigstens dieses eine Mal wurden die Brötchen nicht weggeschmissen.

Was ist uns abhanden gekommen? Die Fähigkeit, unsere Mahlzeiten zu planen? Den Überblick zu behalten? Oder fehlt uns Dankbarkeit für das, was wir haben?

Sollten wir unser Obst und Gemüse wieder selbst anbauen, um seinen Wert zu erkennen? Fragen über Fragen ...

PS: Eben habe ich noch herausgefunden, dass sich der Sat1-Beitrag wohl auf den Kino-Dokumentarfilm "Taste the Waste" bezieht. Es gab dazu auch ein Buch "Die Essensvernichter: Warum die Hälfte aller Lebensmittel im Müll landet und wer dafür verantwortlich ist" von Stefan Kreutzberger und Valentin Thurn.

Ich glaube, dort finde ich Antworten.


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Hier bloggt simplify-Redakteurin Dunja Herrmann über ihren Alltag, der oft alles andere als einfach ist. Und sie fragt sich und Ihre Leser stets: Geht’s einfacher? Mal findet sie eine Antwort, ein anderes Mal nicht. Der Blog „Ganz einfach Dunja“ kommt mit einem Augenzwinkern daher, nimmt die Leser mit auf Dunjas Weg zur Einfachheit. Übrigens: Hin und wieder genießt die Autorin die Komplexität: „Sie fordert mich einfach“...

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