24.04.2013

Wir Müllschlucker


Schon wieder habe ich Grund zu meckern. Und wieder einmal geht es um Nahrungsmittel. Nein, nicht um Benzol in Erfrischungsgetränken. Die betreffen mich weniger. Es geht mir um die „ganz normalen“ Zutaten in „ganz normalen“ Lebensmitteln. Mir vergeht nämlich jedesmal die Lust, irgendetwas zu kaufen, was schon fertig ist. Die Kühlregale sind voll von Convenience-Produkten und Dingen, die man sich nebenbei einverleiben kann. Prinzipiell habe ich dagegen nichts, denn auch ich sehe mit oft vor zeitliche Herausforderungen gestellt und wünsche mir Entlastung.

Manchmal suche ich auch einfach nur nach einer Alternative – z. B. zum Nachmittagssnack für meine Tochter. Frisch geschnippeltes Obst eignet sich nicht für jede Freizeitbeschäftigung, und Kinder wollen auch mal etwas Abwechslung. Was käme also noch in Frage? Kekse? Cracker? Fruchtriegel? Also studiere ich die Zutatenlisten und Nährwertangaben auf den Verpackungen. Ganz ehrlich: Dabei wird mir schwindelig! Wie viel Fett doch in Keksen und Crackern steckt! Wie viel Zucker ein Fruchtriegel enthält! Kein Wunder, dass es inzwischen immer häufiger Fruktose-Intoleranzen gibt. Sogenannte Kinderriegel im Kühlregal schaue ich mir erst gar nicht an.

Als ich gestern beim Einkaufen war, stand ich vor einem Fruchtjoghurt in kleinerer Verpackungseinheit – für ein Kind eigentlich ideal. Mit der Erkenntnis „da sind Unmengen von Zucker in einem kleinen Becher“ stellte ich die Packung wieder zurück. Meine Kaufentscheidung fiel negativ aus. Weil ich jedoch hungrig zum Supermarkt bin (ich weiß, das sollte ich vermeiden), griff ich für mich selbst zu einem Becher Milchreis. Rein nach dem Lustprinzip. So etwas kaufe ich einmal im Jahr, und diesmal war es soweit.

Zu Hause verräumte ich zuerst meine Einkäufe, dann widmete ich mich dem Milchreis mit Vanille-Geschmack. Erst jetzt schaute ich auf die Nährwertangaben: Rund 43 Gramm Kohlenhydrate pro Becher – das entspricht 16 % des empfohlenen Tagesbedarfs. Der enhaltene Zucker, rund 29 Gramm, entspricht sogar 32% der empfohlenen Menge. Also hätte ich mit drei Bechern meinen Tagesbedarf komplett gedeckt. Wow!

Ich öffnete den Becher und fing an zu essen. Der Milchreis war schon recht süß, entsprach aber in etwa meinen Vorstellungen. Bis ich herausfand, dass der Vanille-Geschmack unter dem ganzen Reis als Art Soße versteckt war. Ich beging den Fehler und rührte das Ganze um. Danach bekam ich Zucker satt! Mehr als ich vertragen konnte und wollte. Und ich frage mich: Muss das denn sein? Schon ohne die Vanille-Soße war der Milchreis grenzwertig süß. Aber die Gesamtmischung ist für mein Empfinden für die Mülltonne konzipiert! Da ich den Reis nicht wegschmeißen wollte, aß ich ihn brav auf – machte mich also selbst zur Mülltonne. Um in diesem Bild zu bleiben: Ich stelle mir gerade vor, wie viele Menschen sich täglich zur zweibeinigen Mülltonne machen, weil es kaum bezahlbare Alternativen gibt oder weil ihnen die Zeit und Muße fehlt, um sich eingehend ihren Nahrungsmitteln zu widmen.

Ich kann mich aus diesem Kreis leider nicht ganz ausschließen. Hin und wieder lande ich in der Schnittmenge. Doch sehr oft lasse ich es bleiben und kaufe lieber nichts, was wiederum die Auswahl an Schmackhaftem zu Hause sehr begrenzt. Um nicht wieder "ohne" nach Hause fahren zu müssen, lud ich gestern immerhin einige Becher Naturjoghurt ein – zusammen mit frischem Obst und einer Prise Zucker sind sie eine echte, aber zeitaufwändigere Alternative zum Standard-Angebot.


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Hier bloggt simplify-Redakteurin Dunja Herrmann über ihren Alltag, der oft alles andere als einfach ist. Und sie fragt sich und Ihre Leser stets: Geht’s einfacher? Mal findet sie eine Antwort, ein anderes Mal nicht. Der Blog „Ganz einfach Dunja“ kommt mit einem Augenzwinkern daher, nimmt die Leser mit auf Dunjas Weg zur Einfachheit. Übrigens: Hin und wieder genießt die Autorin die Komplexität: „Sie fordert mich einfach“...

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