08.12.2011

Woher kommen unsere emotionalen Probleme? - Tipi-Woche 8


Zum Abschluss meiner Tipi-Serie will ich noch kurz darauf eingehen, wo unsere emotionalen Schwierigkeiten überhaupt herkommen. Ich habe schon oft von Wurzeln gesprochen, die wir identifizieren können, um darüber unsere Probleme für immer aufzulösen. Wo liegen diese Wurzeln?

Nun, ich will es mal mit der Überschrift zu Kapitel 3 aus Luc Nicons Buch ausdrücken: „Emotionale Leiden entstehen größtenteils im Mutterleib.“ Als ich das zum ersten Mal hörte, war ich sehr verwundert. Doch je vertrauter ich mit Tipi werde, desto vertrauter ist mir auch diese Vorstellung. Außerdem konnten wir, die erste Ausbildungsgruppe in Deutschland, viel mit Luc darüber sprechen. Ihm war das in der Anfangszeit auch nicht bewusst. Ihm fiel aber auf, dass sich die Beschreibungen seiner Probanden irgendwie ähnelten – selbst wenn die Personen aus verschiedenen Kulturkreisen stammten.

Und so beschäftigte er sich intensiv mit dem, was während der Schwangerschaft und Geburt passiert. Den Verlust eines Zwillings oder ein Knoten in der Nabelschnur kann der Fötus z. B. als lebensbedrohlich erleben. Die dazugehörenden körperlichen Empfindungen werden im Körpergedächtnis abgespeichert. Hier liegen die Wurzeln emotionaler Schwierigkeiten! Deshalb fällt es uns auch so schwer, diese auf intellektuellem Wege wirklich aufzulösen.

Im ersten Ausbildungsmodul stellte ich Luc die Frage, wie es dann sein kann, dass Menschen nach einem Unfall oder nach einem Einsatz in Krisengebieten so lange traumatisiert sind. Seine Antwort lautete sinngemäß: Dann gibt es eine (vor-)geburtliche Wurzel, die es ihnen erschwert, ihr Trauma zu verarbeiten. Ihre Erlebnisse gehen in Resonanz mit denen aus dem Mutterleib oder bei der Geburt. Es sei normal, dass wir nach traumatischen Ereignissen – z. B. Trennung, Tod eines Angehörigen, Unfall – heftig reagieren. Doch mit der Zeit würden die Emotionen verblassen. Nicht so, wenn es eine Wurzel in der frühen Phase des Lebens gibt. Dann werden wir immer und immer wieder mit starken Emotionen konfrontiert.

In der vergangenen Woche brachte ich dafür ein schönes (Gegen-)Beispiel: Als Teenager hatte ich im Krankenhaus ein wirklich traumatisches Erlebnis mit Spritzen. Ich hatte nach der „ersten Runde“ eine solche Angst, dass mir die Ärztin anbot, sie könne mir ja ein Kissen über den Kopf legen, damit ich die nächste Spritze nicht sehen muss. Was von ihr als Spaß gedacht war, nahm ich voll ernst. Ich wollte ein Kissen, unbedingt! Nach der Untersuchung schwor ich mir, niemals in meinem Leben wieder eine solche Prozedur über mich ergehen zu lassen. Angst vor Spritzen, die habe ich trotzdem nicht entwickelt. Ich denke, ich würde auch dieselbe Untersuchung heute wieder machen, wenn es denn sein müsste.

Meine Frage nach einem Trauma zielte natürlich auf extreme Situationen ab. Was nicht bedeutet, dass es auch viel „kleinere“ Ängste gibt, die uns das Leben unnötig schwer machen. Auch dafür gibt es in den meisten Fällen ein auslösendes Erlebnis im Mutterleib oder rund um die Geburt. Letztlich ist es zwar spannend, das alles zu wissen, vielleicht auch alles in Frage zu stellen. Aber das ist nicht entscheidend für den Erfolg einer Tipi-Sitzung! Im Gegenteil: Je weniger ich vorher darüber weiß, desto besser. Denn dann habe ich keinerlei Erwartungen und kann ganz einfach meinen körperlichen Empfindungen nachgehen.

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