28.08.2012

Wünsche statt Wüterei


Es gibt Zeiten im Leben, in denen Menschen vor einem Trümmerhaufen stehen. Nun haben sie die Möglichkeit, die Trümmer wieder zu errichten oder daraus etwas Neues zu machen. Oder sie lassen sie links liegen und gehen außen herum. Oder sie drehen sich um und wenden den Trümmern den Rücken zu, bis sie eines Tages wieder davorstehen und sich entscheiden müssen, was sie nun damit anfangen.

Ja, es gibt viele Wege, und es ist nicht immer leicht, den passenden zu wählen. Meine Freundin Martina steht aktuell vor einem kleinen Trümmerhaufen: Ihr Ex-Ehemann teilte ihr mit, dass er nicht fähig sein werde, weiterhin Unterhalt zu zahlen, weil ihm selbst kaum noch etwas zum Leben übrig bleibe. Er hat ihr das per E-Mail mitgeteilt, denn die beiden haben keinen persönlichen Kontakt mehr, auch seine Kinder will er nicht mehr sehen, das Sorgerecht hat er abgegeben.

Martina bat mich, diese Mail zu lesen. Darin klagt ihr ehemaliger Mann alle an, die ihn seiner Meinung nach im Stich gelassen haben. Es gibt seitenweise unspezifische Anschuldigungen, Entschuldigungen und doch wieder Anschuldigungen. Mir scheint, dieser Trümmerhaufen ist ein richtig großer. Sein Schreiben markiert das Ende eines Lebens, das er verabscheut, und soll überleiten in ein Leben, in dem es ihm besser geht.

Was ich lese, ist eine geballte Ent-Ladung. Mich betrifft sie nicht persönlich, darum kann ich gelassen bleiben. „Wie geht es dir damit?“, will ich von Martina wissen, vor allem: „Willst du darauf reagieren?“ „Ich weiß, dass er sehr oft mich damit meint“, sagt sie. „Damit kann ich halbwegs umgehen. Mich macht es wütend, dass er die Mail auch an Menschen geschickt hat, die am allerwenigsten zu seiner Misere beigetragen haben. Und ich finde es unmöglich von ihm, dass er gar nicht einmal fragt, wie es seinen Kindern geht.“ Und das wolle sie ihm genau so anklagend zurückschreiben.

„Magst du von mir hören, wie ich das sehe?“, fragte ich sie. „Ja, klar!“, antwortete Martina. „Schreib ihm das, und formuliere es positiv. Wünsche ihm, dass sein neues Leben tatsächlich besser wird. Und schreibe ihm, dass du dich freust, wenn er eines Tages wieder den Kontakt zu seinen Kindern aufnimmt. Damit ihr aus dieser Anschuldigungsspirale herauskommt! Damit er eine Basis hat, um wieder auf dich zuzukommen, wenn es ihm besser geht.“ „Ja, das kann ich machen“, sagte sie. „Aber das andere Zeugs muss ich auch alles loswerden! Diesen Ärger!“ „Das darfst du auch rauslassen“, bestätigte ich. „Schreib ihm einen extra Brief und verbrenne oder zerreiße ihn danach oder lege ihn symbolisch an einen Ort, der euch beiden viel bedeutet hat.“

Zwei Tage nach diesem Gespräch sahen wir uns wieder. Martina habe ihm eine Mail geschickt, sagte sie. „Und? Was hast du reingeschrieben?“, wollte ich wissen. Sie hatte meinen Rat beherzigt und ihm positive Botschaften mit auf den Weg gegeben. „Wie geht es dir damit?“ „Gut!“, sagte sie. Ob sie denn den anderen Brief schon geschrieben habe. „Nö. Mal sehen, ob und wann ich das noch mache.“ Wer weiß, vielleicht ist das gar nicht mehr notwendig!? Sie hatte den Mut, trotz aller Trümmer auf ihrer Seite, ihm alles Gute zu wünschen und meinte das auch so. Alles andere zeigt die Zeit.


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Hier bloggt simplify-Redakteurin Dunja Herrmann über ihren Alltag, der oft alles andere als einfach ist. Und sie fragt sich und Ihre Leser stets: Geht’s einfacher? Mal findet sie eine Antwort, ein anderes Mal nicht. Der Blog „Ganz einfach Dunja“ kommt mit einem Augenzwinkern daher, nimmt die Leser mit auf Dunjas Weg zur Einfachheit. Übrigens: Hin und wieder genießt die Autorin die Komplexität: „Sie fordert mich einfach“...

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