08.03.2012

Zeitmanagement – Woche 2: Gar nicht erst damit anfangen?


Seit Jahren beschäftige ich mich schon mit dem simplify-Gedanken. In dieser Zeit habe ich etliche Tipps über Selbst- und Zeitmanagement gelesen. Ich weiß zum Beispiel, dass ich meine E-Mails nur zu bestimmten Zeiten lesen sollte. Und schaue dennoch sofort nach, wenn eine angezeigt wird. Ich weiß, dass ich während meiner Arbeitszeit keinen Telefonschwatz mit der Freundin halten sollte. Und tue es trotzdem. Ich weiß, dass ich mir zumindest die Sonntage freihalten sollte. Und sitze an solchen Tagen häufig noch da und schreibe. Nun, das sind teilweise die Vorzüge und zugleich auch die Nachteile der selbstständigen Tätigkeit.

Neulich wurde ich auf einem Seminar mit einem alten Glaubenssatz konfrontiert: „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen“. Ich behaupte, dass viele damit groß geworden sind. Die Seminarleiterin sagte dazu: „Und da es immer Arbeit gibt, ist für das Vergnügen nie Zeit.“ Das machte mich nachdenklich. Sie hatte den Nagel auf den Kopf getroffen. Bisher hatte ich diesem Glaubenssatz nie so viel negative Bedeutung beigemessen.

Heißt das für mich: Gönne dir auch Vergnügen. Teile dir deine Zeit klarer in „Arbeit“ und „Vergnügen“ ein? „Ja, aber“, setzt eine innere Stimme sofort an. „Du weißt, dass immer mal etwas dazwischen kommt! Dann musst du doch in deiner Vergnügen-Zeit arbeiten, also kannst du es auch gleich sein lassen, das Planen!“ Herrje, das ist auch wieder wahr. Eine weitere innere Stimme beruhigt mich indes: „Du weißt, dass es bisher meistens gereicht hat. Und wenn nicht, ist die Welt dadurch nicht untergegangen. Du kannst darauf vertrauen, dass du dir die nötigen Freiräume intuitiv schaffst. Wie oft hast du schon auf Vergnügen gesetzt und die Arbeit links liegen lassen? Siehst du! Es geht doch!“

Hm, ... aber ein bisschen mehr Vergnügen geht noch, wie ich meine. Eine Botschaft, die ich eben von Zeitmanagement-Papst Lothar Seiwert in seinem neuen Buch "Ausgetickt" aufgeschnappt habe: Nein sagen. Das heißt Prioritäten setzen, auch wenn es wehtut. Zeitmanagement-Papst ist übrigens dem Buch gemäß falsch, denn darin verabschiedet sich Seiwert vom Zeitmanagement. Entweder man hat’s in sich oder nicht, da helfen auch keine Werkzeuge. Und das, was man in sich hat, ist eben die Fähigkeit, eine Entscheidung zu treffen. Manchmal mit „Ja“, manchmal mit „Nein“.

Und genau an diesem Punkt befinde ich mich gerade, wenn es darum geht, meine künftige Arbeitszeit einzuteilen. Wenn ich so weiter mache wie bisher und einfach künftig Tipi-Termine wahllos in meine Arbeitszeit streue, wird mich das stressen. Dessen bin ich mir sicher. Die Alternative könnte zum Beispiel lauten: Tipi-Termine nur dienstags und donnerstags, die anderen Tage bleiben sitzungsfrei. Das hieße aber, ich müsste Nein sagen, wenn eine Klientin mich nach einem Freitagstermin fragt. Schaffe ich das? Rein theoretisch hätte ich Zeit. Das weiß sie nur nicht. Aber ich weiß es. Kann ich so vermessen sein, und auf Dienstag oder Donnerstag beharren? „Du musst“, sagt die erste innere Stimme. „Das ist nicht vermessen, das ist selbstbestimmt“, fügt die zweite Stimme an.

Ja, ja, ich weiß! Also ist es an mir, den zeitlichen Rahmen zu schaffen, in dem ich mich mit Tipi bewegen will. Mal eine Woche ganz ohne Termine hat auch ihr Gutes, wie ich neulich feststellte. Und Abendtermine sollte ich ebenfalls anbieten. Hier muss ich sortieren, meinen Rahmen festzurren und später mit einem Nein dazu stehen. Was nicht ausschließt, dass sich alles wieder verändern kann – etwa, wenn sich herausstellt, dass niemand dienstags oder donnerstags kann, aber alle am Freitag wollen.

Mein Fazit: Zum Vergnügen darf ich noch öfter Ja sagen, das bedeutet aber ein Nein zur Arbeit – ohne Reue! Und: Nur, wenn ich meine Termine wohlüberlegt selbst setze, bleibe ich selbstbestimmt. Alles andere führt zum Lauf im Hamsterrad.


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