11.05.2013

Zweifelhafte Geschenke


Es gibt Begebenheiten im Alltag, die sind nicht lupenrein – und doch werden sie von vielen willkommen geheißen. Dazu eine Beispielsituation, die sicher viele von euch so oder ähnlich kennen: Die Frau an der Kasse hat zwei Euro zu viel herausgegeben. „Einstecken oder zurückgeben?“, lautet hier die Frage, die innerhalb von Sekundenbruchteilen beantwortet werden will. Aus eigener Erfahrung weiß ich: Einstecken ist sehr verlockend!

Ähnlich ging es mir neulich, als ich im Gartenfachmarkt meinen Wagen voller Kräuter und Stauden zum Auto schob. „Komisch“, dachte ich bei mir, „hatte ich nicht auch ein Kupplungsstück für den Gartenschlauch in den Händen gehabt?“ Über den Scanner lief jedenfalls keines, also muss ich es irgendwo liegengelassen haben. Am Auto angekommen, räumte ich meine Pflanzen aus dem Wagen – und siehe da: versteckt unter zwei Töpfen lag das Kupplungsstück. Nun die Verlockung: Fahre ich einfach weg, oder gehe ich zurück und bezahle das Teil?

„Bleib’ bitte kurz im Auto, ich muss noch etwas bezahlen, das wir eben vergessen haben“, sagte ich zu meiner Tochter und ging zurück zur Kasse. Drei Euro neunundsiebzig machte es aus. „Das haben wir eben übersehen!“, richtete ich mich an die Kassiererin. „Oh, danke, das ist aber nett, dass sie noch einmal zurückgekommen sind. Das kommt selten vor!“ „Ich hatte die Absicht, dieses Kupplungsstück zu kaufen, also bezahle ich auch dafür“, waren meine Gedanken in diesem Moment. Alles ist gut.

Einen Tag später hörte ich bei einer Feier, wie jemand von seinem Einkaufserfolg erzählte: „Beim Rausgehen habe ich gemerkt, dass ich die Hose gar nicht bezahlt habe! Dann habe ich die Luft angehalten und gehofft, dass der Alarm nicht losgeht. Und nun habe ich eine Hose für 60 Euro umsonst ergattert. Cool, nicht?“ Die Zuhörer pflichteten ihm bei. Einer sagte: „Da hast du schnell geschaut, dass du aus dem Laden rauskommst, was?“ Die Zuhörer freuten sich alle mit, dass ihr Kumpel ein solches „Schnäppchen“ gemacht hatte. „Dieser Einkauf hat sich mal gelohnt“, sagte ein anderer.

Wie gesagt: Ich kenne die Verlockung sehr gut, nur erlegen bin ich ihr bisher nie. Ich stelle mir immer vor, dem Kassierer oder der Kassiererin fehlt später der Betrag in der Kasse. Da machen selbst zwei Euro viel aus. Und auch als Selbstständige hätte ich an einem unerwünschten Griff in meine Kasse in finanzieller Hinsicht ganz schön zu knabbern.

Doch viel spannender ist die Frage: Warum ist die Verlockung so groß? Weil wir den Umstand nicht willentlich herbeigeführt haben und er uns quasi geschenkt wurde? Schaltet das unser Unrechtsbewusstsein aus? Oder schieben wir gar dem anderen den schwarzen Peter zu, à la „selber schuld“? Oder ist das eine Art kindliche Freude über ein Geschenk, dass uns schnell wieder weggenommen werden könnte, wenn wir nicht aufpassen?

Ich entscheide mich jedenfalls für die Erwachsenen-Variante und scheue mich nicht nachzufragen, wenn mein Einkauf in Summe günstiger ist als erwartet. Was ich zu kaufen beabsichtige, zahle ich auch!


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Hier bloggt simplify-Redakteurin Dunja Herrmann über ihren Alltag, der oft alles andere als einfach ist. Und sie fragt sich und Ihre Leser stets: Geht’s einfacher? Mal findet sie eine Antwort, ein anderes Mal nicht. Der Blog „Ganz einfach Dunja“ kommt mit einem Augenzwinkern daher, nimmt die Leser mit auf Dunjas Weg zur Einfachheit. Übrigens: Hin und wieder genießt die Autorin die Komplexität: „Sie fordert mich einfach“...

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